Räucherstab mit Wirkung

Frankfurt - Getarnt als Räuchermischungen, Düngerpillen oder Autoparfüm kommen sie in die Wohnzimmer - die synthetischen „Legal High“-Drogen, die über das Internet von Jedermann einfach zu bestellen sind. Von Julian Fath

Die Verbreitung dieser neuen, legalen Drogen unter Jugendlichen ist im diesjährigen Drogentrendbericht der Stadt Frankfurt erfasst. Die Ergebnisse des Berichts, der das Konsumverhalten von 15- bis 18- jährigen Frankfurtern untersucht, wurde gestern vorgestellt.

Genossen vor wenigen Jahren noch die illegalen Drogen die Aufmerksamkeit der Forscher, sind es nun die „Legal Highs“. Junge Leute griffen aus vielen Gründen zu diesen legalen „Ersatzdrogen“. Der Studie zufolge seien sie nicht nur einfacher zu kaufen, sondern auch mit den gängigen Drogentests nicht nachweisbar, sagte Sozialforscher Bernd Werse bei der Vorstellung der Studie. Attraktiv seien sie dadurch unter anderem für die Teilnehmer von Suchttherapien, in denen Cannabiskonsum nicht gestattet ist.

Die Folgen des Konsums seien bislang kaum abschätzbar, denn die tatsächlichen Inhaltsstoffe stimmten nur selten mit den Angaben auf der Verpackung überein. „Wir können nur sagen: Seid nicht so dumm, etwas einzu nehmen, wovon ihr nicht wisst, was es ist“, sagte Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Grüne).

Die Polizei konzentriere sich bei der Bekämpfung der „Legal Highs“ auf den Einzelhandel, so Rottmann. Viele der Substanzen seien inzwischen aus den als „Headshops“ bekannten Fachgeschäften für Drogenzubehör verbannt worden. Dazu testeten die Behörden die „Legal Highs“ auf drogentypische Wirkungen. Bei positivem Befund fielen die Produkte unter das Betäubungsmittelgesetz und könnten beschlagnahmt werden.

Die Hersteller reagierten mit einer Flut immer neuer Bezeichnungen und Produkttypen, um die verbotenen Waren schnell zu ersetzen. Obwohl die weitere Entwicklung noch nicht vorauszusehen sei, deute vieles auf ein „Hase und Igel Szenario“ hin, bei dem sich Polizei und Hersteller immer wieder gegenseitig den Rang abliefen, so Rottmann.

Die Erhebung zeige, dass im Jahr 2010 bereits mehr Menschen Konsumerfahrung mit Räuchermischungen gehabt hätten als in den Vorjahren, sagte Werse. Das Interesse an „Legal High“ Produkten habe leicht zugenommen. Trotzdem seien es bislang nur neun Prozent der Jugendlichen, die schon einmal Räuchermischungen konsumiert hätten. Bei anderen „Legal Highs“ liege der Wert mit drei Prozent noch niedriger.

Weitere Ergebnisse der Studie sind, dass das Konsumverhalten immer extremer werde. So gebe es immer mehr Jugendliche, die weitgehend auf Drogen verzichteten, während zugleich der intensive Gebrauch zunehme. So sei beim Cannabis der regelmäßige und häufige Gebrauch leicht gestiegen.

Der Alkoholkonsum sei hingegen insgesamt leicht zurück gegangen. Das betreffe aber nicht die Häufig- und Intensivtrinker. Unter den „harten Drogen“ habe sich Speed deutlicher etabliert. In der Techno-Szene seien zudem Ketamin und Kristalle zunehmend „angesagt“.

Quelle: op-online.de

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