Extravagante Fahrzeuge

Design im Zeichen des Regenbogens

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Frankfurt - Der Frankfurter Rainer Buchmann begeistert seit den 70er Jahren mit seinen extravaganten Fahrzeugen die Welt. In der Klassikstadt wird jetzt die „Auto-Biografie“ des Tuners vorgestellt. Von Klaus Ackermann 

Wenn er so vor seiner Sportwagen-Ikone posiert, scheint die Zeit zurückgedreht: Playboy Gunter Sachs, die Wirtschaftswunder-Sonne auf Sylt, das glamouröse Saint-Tropez der Brigitte Bardot. Und mittendrin der „bb Rainbow Porsche“ des Frankfurters Rainer Buchmann, ein Unikat, das in den 70er Jahren die Welt begeisterte und mit seinem technischen Feinschliff der Vollgas-Branche auch angelegentlich das Fürchten lehrte.

Jetzt meldet sich der Auto-Couturier zurück, der dem Baldessarini-Model Charles Schumann ähnelt und sein glückliches Händchen erklärtermaßen seinem Vater verdankt, einem Schneidermeister mit Prominenten-Kundschaft. Mit der Auto-Biografie „Innovation. Design. Emotion“, die auch von seinem aufregenden Leben kündet, über das er so gern plaudert. Kein Geringerer als der ehemalige FAZ-Ressortleiter Dr. Gerold Lingnau hat die „Buchmann-Story“ geschrieben, die am morgigen Sonntag in der Frankfurter Klassikstadt, einem Mekka der automobilen Oldtimer, vorgestellt wird. Wo neben den von „bb“ veredelten Rainbow Porsche und Mercedes Magic Top, der BMW Futuro-Motorradstudie und dem „bb Polo“ mit dem damals sensationellen DINFO-Computersystem auch der „bb Moonracer“ Premiere feiert.

„Ein Name mit Hintergrund“, wie Buchmann weiß, der jenen „Moonraker“ assoziiert, mit dem Roman-Autor Ian Fleming die Vorlage zum 1979 gedrehten elften James-Bond-Film lieferte. Basis ist hier ein weißer 80er Porsche Targa, der in 18 Monaten zum eigenständigen 911-Turbomodell mit jetzt 330 PS ausgebaut wurde. Weißer Xirallic-Pigmentlack macht den Sportflitzer unverwechselbar. Natürlich ist auch die Lederausstattung in noblem Weiß/Silber.

Gut Ding hat seinen Preis

Autotuner Rainer Buchmann hat einen Blick für rasante Sportwagen mit ungewöhnlichem Design. 

Im Türbereich ersetzt gebürstetes Aluminium die serienmäßigen Kunstoffteile. Doch auch moderne Technik lässt grüßen: In der Mittelkonsole fällt die fürs iPad mini maßgeschneiderte Plastik-Hülle auf. Über Bluetooth kann die integrierte 400 Watt starke Stereo-Anlage angesteuert werden. Gut Ding hat seinen Preis – zwischen 300.000 und 380.000 Euro kostet der bb-geadelte Porsche, den Buchmann in Kleinserie auflegen will und dessen fein abgestimmte Silberstreifen wiederum an den bb-Klassiker „Rainbow Porsche“ erinnern.

Die Liebe des Autoveredlers fürs „Heilig Blechle“ begann schon in den 60er Jahren. Buchmann hatte damals für 800 Mark einen VW Käfer erworben, war mit Freunden in die südspanische Wüste gebrettert und prompt liegengeblieben. Ein Kurbelwellen- und Lagerschaden. Natürlich weit und breit keine VW-Werkstatt, dafür der gute Tipp, zu einer Schiffswerft zu trampen, die das Teil zu reparieren verstand. Fortan wurde geschraubt, doch der Student an der Darmstädter TH, eingeschrieben in den Fächern Maschinenbau, Elektrotechnik und Wirtschaftswissenschaften, wollte mehr als nur ein Bordstein-Mechaniker sein. Sein Hang zum Individualisieren der Karossen war schon sehr früh entwickelt.

Ausgerechnet ein Unfall kam ihm da zu Hilfe, der kaum absurder sein könnte. Die Kollision seines Porsche Targa mit einem Omnibus ging gottlob glimpflich ab. „Im Krankenwagen begann dann des Trauerspiels zweiter Teil“, wie Buchmann in der Auto-Biografie berichtet. Überraschend öffnete sich beim Beschleunigen die Hecktür, und die Trage setzte sich in Bewegung. Als der Fahrer das Malheur erkannt hatte, bremste er so heftig, das Buchmann mitten auf einer Kreuzung landete – aber überlebte. Mit den 50.000 Mark Schmerzensgeld gründete er die „bb Auto Exklusiv Service GmbH“.

Autos und Rekorde

Autos & Rekorde: Spitzenwert oder Schlusslicht

Ein Meilenstein dieser Entwicklung ist der Regenbogen-Porsche, den Buchmann aus zwei Modellen der Zuffenhausener Sportwagen-Schmiede baute, den Turbo mit dem Targa verbindend. Sein ungewöhnliches farbiges Streifendesign mit hohem Wiedererkennungspotential reizte den Sofortbild-Kamera-Hersteller Polaroid, der mit dem bb-Sportwagen auf der Photokina 1976 für seine Produkte warb. Das Auto ging schließlich um die Medienwelt, als der damalige Bundespräsident Walter Scheel – sonst „Hoch auf dem gelben Wagen“ – im niedrigen Rainbow Porsche Platz nahm.

Schwieriger war da schon die Geburt des Traum-Mercedes CW 311, Nachfolger des legendären Flügeltürers 300 SL. Denn die Stuttgarter überzogen jeden mit Unterlassungsklagen, der sich an ihrem „Stern“ vergriff. Doch Buchmann, ein geschickter Stratege, lancierte sein automobiles Juwel über die Presse – hier „Playboy“ sowie „auto, motor und sport“ – und erhielt sogar Lob aus Stuttgart. Sicherlich auch, weil es sich beim „bb CW 311“ um ein einmaliges Exemplar handelte.

Dass Buchmann neben geschicktem Marketing – vierzig von ihm veredelte VW Polo ließ er anno 1982 im Konvoi durch Paris fahren – selbst technisch überaus innovativ war, belegen einige Accessoires wie beispielsweise die erste exklusive Infrarot-Fernbedienung für Türschlösser. Erstlingstaten waren zudem die Einparkhilfe und das Multifunktionslenkrad, heutzutage schon in Kleinwagen serienmäßig. Anno 1984 wurde es von Automobilproduzenten noch als „Spielerei von Millionärssöhnchen“ abgeschmettert. Wie sich die Zeiten ändern...

Der „bb-Event“ steigt am morgigen Sonntag, 21. September, von 10 bis 18 Uhr in der Frankfurter Klassikstadt (Orber Straße 4 a). Das Buch von Gerold Lingnau „Rainer Buchmann“ ist im Heel-Verlag erschienen und kostet 39,95 Euro. Weitere Informationen im Internet unter www.bb-frankfurt.com.

Quelle: op-online.de

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