Mehr als 2340 Fotos mit Stars geschossen

Promijäger aus Hessen ist Meister seines Fachs

+
Rainer Michelmann mit drei Fotos, auf denen er mit Steffi Graf, dem Dalai Lama und Lionel Messi zu sehen ist. Der selbsternannte „Promijäger“ hat nach eigener Aussage bereits mehr als 2340 Fotos von prominenten Persönlichkeiten gesammelt.

Langenselbold - Schnappschüsse mit Schauspielern, Sportlern oder Politikern - was als Hobby begann, ist für einen Promi-Fan aus Langenselbold zur Leidenschaft geworden. Er reist ihnen seit mehr als 20 Jahren nach, um ein Foto mit ihnen zu machen. Nicht alle reagieren geduldig. Von Jörn Perske

Der Jäger wartet manchmal stundenlang auf seine Beute. Wenn der Moment gekommen ist, muss er schnell handeln: Zielperson höflich ansprechen, sich in Position bringen und - „bitte recht freundlich“ - abdrücken. Auf diese Weise hat Rainer Michelmann schon etliche Trophäen errungen. Das Ziel seiner Begierde: Fotos von Promis und ihm. Gebannt in einem Schnappschuss. Mittlerweile sind sie als Selfies in den Sprachgebrauch eingegangen. Und Rainer Michelmann (57) aus Langenselbold ist ein Meister seines Fachs. Er hat nach eigener Aussage mehr als 2340 Fotos von Persönlichkeiten und sich. Deswegen nennt er sich stolz Promijäger. Seine Erfolge stellt Michelmann akkurat sortiert auf seiner Homepage aus: www.der-promijaeger.de. In der Kategorie „Hall of Fame“ ist er neben Weltstars zu sehen; Bob Geldof, Woody Allen, Alain Delon und viele andere. In seiner Top 20 hat er sich mit dem Dalai Lama, Michail Gorbatschow, Dirk Nowitzki, Steffi Graf, Roger Moore, Angela Merkel, Joachim Gauck und Helene Fischer fotografiert. Egal, in welchem Gesellschaftsbereich sie prominent sind - Michelmann will ein Foto mit Ihnen.

In seiner Top Five - zahlenmäßig betrachtet - sind die meisten Personen in der Welt des Fußballs zu Hause (686). Es folgen in der Rangliste Stars aus der Musik-Szene (335), der Schauspielerei (303), Sportler (190) und Gesichter aus dem Fernsehen (169). „Mittlerweile picke ich mir nur noch die Rosinen heraus“, sagt Michelmann, der auf der Jagd nach Promis manchmal Hunderte von Kilometern fährt und stundenlang warten muss, bis er zum Zuge kommt. Sein Hobby beansprucht viel Zeit und Geld.

„Es ist zur Sucht geworden“

Mittlerweile gesteht Michelmann: „Es ist zur Sucht geworden.“ Er sagt das aber lächelnd und sieht recht normal und glücklich aus. Begonnen hat die Geschichte 1992 in einem Möbelhaus in Gründau, im Osten des Rhein-Main-Gebiets. Dort durfte der gelernte Industriekaufmann als freier Mitarbeiter einer Zeitung einen Countrysänger interviewen. „Da dachte ich mir: Mensch, den siehst Du nie wieder - Foto machen.“ Er hängte es in den Flur und fand Gefallen daran. Bis 1998 hatte er 20 Bilder, bis 2002 50 Bilder. Dann hatte der Promijäger richtig Blut geleckt. 2007 waren es 500 Aufnahmen und nun mehr als 2340. „Die Fotos habe ich vergrößert und einlaminiert in 14 Aktenordnern abgeheftet - und natürlich auf Festplatten gesichert.“

Um an die Promis heranzukommen, fährt Michelmann zu Veranstaltungen und Galas. Am Ort versucht er sich im gleichen Hotel wie die Stars einzumieten. Wer wo absteigt, darüber tauscht er sich in seinem Informanten-Netzwerk aus. Mitglieder sind Autogrammsammler. Auf Galas hat er einen einfachen Trick, um den Promis aufzulauern. „In Toiletten-Nähe postieren - da muss jeder mal hin“, verrät er.

Auch den Bühneneingang muss man naturgemäß im Auge behalten, sagt Michelmann. In Hotels sei die Lobby ein guter Ort für den Promijäger, auf die Pirsch zu gehen. Dort hat er auch den Dalai Lama erwischt. Neben Bud Spencer saß er mal beim Frühstück. „Den Sänger Meat Loaf habe ich nachts in der Tiefgarage getroffen“, erzählt er. Früher, mit der veralteten Foto-Technik, war er noch auf Mitstreiter angewiesen, die das Bild machen. Mittlerweile erledigt das Michelmann mit schlafwandlerischer Sicherheit selbst: Die Kompaktkamera gezückt, das Display ausgeklappt, langer Arm - und fertig. „Ist nicht schwer. Viele Promis reagieren auch überhaupt nicht genervt.“

Doch die Herzen fliegen Michelmann nicht immer zu. Am Beispiel des russischen Clowns Oleg Popow merkte er in Heidelberg: „Nicht jeder Clown ist lustig.“ Ihn bekam er ebenso nicht vor die Linse wie George Clooney in Baden-Baden oder Schauspielerin Gudrun Landgrebe bei der Buchmesse in Frankfurt. Fußball-Trainer Huub Stevens habe ihn in einem Hotel regelrecht angeblafft, er möge ihm nicht auf die Pelle rücken.

„Aber wer Erfolge hat, muss auch Niederlagen verkraften können“, sagt Michelmann mit Sportsgeist. Etwa wenn Bodyguards zur unüberwindbaren Hürde werden. „Aber wenn es mir gelingt, das Foto zu machen, ist es wie bei einem Fußballer, der ein Tor schießt - Adrenalin pur.“ Den mehrfachen Weltfußballer Lionel Messi hat er auch abgeschossen, bei einem Länderspiel in Frankfurt. „60 Leute sind auf ihn losgestürmt. Aber das Foto ist was geworden. Da bin ich stolz drauf.“ Sein Erfolgsrezept: „Bloß nicht aggressiv oder fordernd auftreten. Immer nett und freundlich sein. Den Frauen auch mal ein Kompliment fürs schicke Kleid machen.“ Michelmanns Lebensgefährtin ist das Hobby zu stressig. „Die Warterei ist sehr anstrengend“, sagt Petra Schell.

Der ganz normale Selfie-Wahn: Merkel, Podolski und Koalas

Fotos findet Michelmann als Andenken an das Promi-Treffen besser als ein Autogramm, „das man eh nicht lesen kann“. Fotos seien persönlicher. Für den Medienwissenschaftler Jens Ruchatz von der Uni Marburg sind Selfies zu einer „beachtenswerten kulturellen Praxis“ und einem vielbeachteten Medienphänomen avanciert. Sie dienten auch dazu, andere Menschen an seinem Leben teilhaben zu lassen, erklärte der Medien-Professor.

Zuweilen zweifelt Michelmann an seinem Hobby: „Beim Warten frage ich mich manchmal: Warum machst Du das? Aber es ist schwer, davon los zu kommen.“ Michelmann hat auch noch einige Promis auf der Liste, mit denen er Fotos möchte: Barack Obama, die Queen und den Papst. „Ich wäre aber auch fürs Erste mit Madonna und Robbie Williams zufrieden.“

dpa

Quelle: op-online.de

Kommentare