Mega-Rechenzentrum in Frankfurt eröffnet

Frankfurt - Was sich im Frankfurter Osten an der Hanauer Landstraße hinter unscheinbaren Gebäudeteilen erstreckt, ist nichts weniger als das digitale Herz unserer modernen Gesellschaft. Von Fabian El Cheikh

Wann immer wir ins Internet gehen, Daten von einer Webseite abrufen, Videos auf Youtube hochladen, E-Mails schreiben oder mit Freunden auf Facebook chatten, schicken wir in elektronische Bits und Bytes umgewandelte Daten in Lichtgeschwindigkeit um den Globus.

Die Datenautobahnen, bestehend aus Glasfaserkabeln, die inzwischen ein mal weniger mal stärker verdichtetes Netz unterhalb der Erdoberfläche bilden, kreuzen sich unter verschiedenen Großstädten der Welt. Frankfurt ist ein solcher Datenhub und zugleich der größte Europas.

Hier hat sich vor 13 Jahren die niederländische Firma Interxion (ausgesprochen: „Interaction“) mit ihrem Deutschland-Sitz niedergelassen. Was einst klein begann, hat sich zu einem der größten Infrastrukturanbieter für alle Arten von Internet-Unternehmen entwickelt. „Ob traditionell die Finanzwirtschaft, Anbieter von Online-Inhalten wie RTL, Telekommunikationsfirmen wie die Deutsche Telekom, Internet-Provider, Börsenbetreiber oder Dax-Unternehmen - sie alle sind auf Datenleitungen angewiesen, die nicht nur schnell sind, sondern zu jeder Zeit auch einwandfrei funktionieren“, erläutert Geschäftsführer Peter Knapp.

Interxion bietet die Infrastruktur

Interxion bietet diese Infrastruktur: riesige Rechenzentren, in denen die rund 1200 weltweiten und sehr namhaften Kunden ihre eigenen Server installieren. „Wir sind ein Marktplatz, auf dem blitzschnell Daten ausgetauscht und Geschäfte abgeschlossen werden“, so Knapp. Vergleichbar mit einem Flughafen, auf dem zahlreiche Airlines ihre Passagiere und Fracht befördern. Nur dass hier keine Menschen und Pakete bewegt werden, sondern virtuelle Daten. Und weil sich dieser Datenverkehr im Internet jedes Jahr in etwa verdoppelt, ist ein Unternehmen wie Interxion gezwungen, auch ständig seine Kapazitäten zu erweitern.

„FRA 7“ heißt das nunmehr siebte Rechenzentrum, das gestern eröffnet wurde. Errichtet für 21 Millionen Euro bietet es Platz für neue Rechner auf 1500 Quadratmetern. Versorgt wird das mit riesigen Klimaanlagen gekühlte Datenzentrum mit zwei Megawatt Strom, zu hundert Prozent geliefert aus zwei norwegischen Wasserkraftwerken. Effizienz und Nachhaltigkeit sind für ein solch stromintensives Unternehmen von zentraler Bedeutung: Allein die insgesamt 16 riesigen Dieselgeneratoren, die im Falle eines Blackouts einspringen, könnten eine Stadt größer als Offenbach mit Strom versorgen. „Die beiden Generatoren, die den Betrieb von FRA 7 gewährleisten, haben jeweils eine Leistung von umgerechnet 3600 PS“, unterstreicht ein Firmensprecher die Dimension.

Die Kennzahlen, die das Unternehmen nennt, sind in jeder Hinsicht bemerkenswert. Im vergangenen Jahr stieg der Konzernumsatz um 17 Prozent auf 244,3 Millionen Euro. Und das nur durch das Anbieten von Infrastruktur. Die allerdings ist immens umfangreich, müssen die Server doch ständig heruntergekühlt werden. Beinahe unverwüstliche Wasserrohre, wie sie in Atomkraftwerken zum Einsatz kommen, versorgen die Klimaanlagen und tausende Tonnen verdichtetes Gas löschen im Notfall Feuer.

Nicht nur höchstsensible Kundendaten

Da längst nicht nur Banken höchstsensible Kundendaten auf ihren an der Hanauer Landstraße stehenden Servern parken, kann das Gebäudeensemble von Interxion getrost als eines der am besten bewachten Gelände im Rhein-Main-Gebiet bezeichnet werden. Ähnlich wie das Flughafenvorfeld von Fraport ist der so genannte Campus der Firma ein Hochsicherheitstrakt. Kameras überwachen jeden Zugang, Schleusen und biometrische Sperren verhindern unerwünschten Zutritt zu den Rechenzentren. Jede Person, die hineingelangt, wird gewogen, um zu verhindern, dass unkontrolliert Gegenstände in die Gebäude hinein- oder herausgeschleust werden.

Errichtet wurde FRA 7 in nur fünf Monaten. „Eine Rekordzeit“, findet Geschäftsführer Knapp. Erfahrung im Ausbau hat das Unternehmen aber ohnehin. In vier Jahren wurden drei neue Rechenzentren für 80 Millionen errichtet. Das nächste ist bereits in Planung. Es wird mit 8000 Quadratmetern Nutzfläche alle anderen in den Schatten stellen.

Nicht zuletzt der Trend zum „Cloud Computing“ (Das Auslagern von Daten aus unternehmenseigenen Rechenzentren zu geografisch fernab gelegenen Fremdanbietern) führt derzeit zu einer Konzentration innerhalb der IT-Branche, von der gut aufgestellte Firmen profitieren, die die notwendige Infrastruktur zur Verfügung stellen. So auch Interxion.

Quelle: op-online.de

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