Lösegeld von Rockern gewaschen?

Reemtsma-Fall: Spur führt ins Frankfurter Rotlichtmilieu

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Reemtsma-Entführer Thomas Drach (Mitte) wird am 29. Juli 2000 rund vier Jahre nach der Tat, aus Buenos Aires kommend, von Polizeibeamten auf dem Frankfurter Flughafen aus dem Flugzeug geführt.

Frankfurt - Wo sind die Millionen aus dem Lösegeld der Reemtsma-Entführung? Dieses Geheimnis versuchen Fahnder seit Jahren zu lüften. Nun gibt es eine neue Spur. Sie führt in die Rotlicht- und Rockerszene von Frankfurt.

Fast 20 Jahre nach der Entführung von Jan Philipp Reemtsma verfolgen Fahnder eine neue Spur zu dem Millionen-Lösegeld. Nach monatelangen Ermittlungen sei am vergangenen Mittwoch in Aachen und auf Mallorca ein Geschwisterpaar festgenommen worden, sagte gestern ein Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft. Der auf der Balearen-Insel festgesetzte Hauptverdächtige (62) soll Mitglieder aus dem Frankfurter Rotlichtmilieu erpresst haben, die Summen „in Millionenhöhe“ aus Teilen des Reemtsma-Lösegelds „gewaschen“ hätten. Die mutmaßlichen Geldwäscher seien Mitglieder des „Chapters Westend“ der Rockergruppe Hells Angels. Das Chapter hatte Hessens damalige Innenminister Boris Rhein (CDU) 2011 verboten.

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Dem 62-Jährigen werde gewerbsmäßige Erpressung vorgeworfen, so der Justizsprecher. Der Verdacht laute, dass der Mann durch sein Wissen „seinen Lebensunterhalt mit den Erpressungen verdient“ habe. Er sei kein Mitglied der Hells Angels. Der Mann soll bald nach Deutschland überstellt werden. Zur Rolle der in Aachen festgenommenen Schwester (59) gab es keine näheren Angaben. In Aachen war Ende 2008 ein Komplize des Reemtsma-Entführers Thomas Drach wegen Geldwäsche von Lösegeld-Millionen zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Er soll der Kopf einer Geldwäscherbande gewesen sein. Damals ging es u.a. um eine Summe von sechs Millionen Schweizer Franken, deren Spur sich in einer komplizierten Übergabe über mehrere Länder aber verlor.

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Das Geschwisterpaar wurde laut der spanischen Polizei bei Ermittlungen gegen Hells-Angels-Mitglieder festgenommen. Man habe mit dem Bundeskriminalamt zusammengearbeitet, hieß es. Die Operation soll in Spanien unter dem Decknamen „Big Man“ und in Deutschland unter „Black Mail“ gelaufen sein.

Drach war im Oktober 2013 nach mehr als 15 Jahren aus der Haft entlassen worden. Zusammen mit Komplizen hatte er im Frühjahr 1996 den Zigarettenkonzern-Erben Reemtsma vor dessen Haus in Hamburg überwältigt. Viereinhalb Wochen lang hielten sie Reemtsma angekettet in einem Verlies bei Bremen fest. Gegen ein Rekordlösegeld von 15 Millionen Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken kam Reemtsma dann frei. Umgerechnet wären das heute über 15 Millionen Euro. Von der Beute tauchte bisher nur ein Bruchteil auf. Das meiste Geld sei verbraucht oder durch Fehlinvestitionen verloren gegangen, behaupteten Komplizen. Dagegen vermuteten Ermittler schon vor Jahren, ein großer Teil des Geldes werde im Ausland gewaschen und fließe dann zurück.

dpa/afp

Quelle: op-online.de

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