Refugien für Leib und Seele

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Cover-Ausschnitt des Buches.

Frankfurt Wenn die Rede von einer „Weiberwirtschaft“ ist, ist das meist leicht abwertend gemeint. Ganz anders ist der Begriff allerdings bei dem Buch „Hessische Weiberwirtschaften“ zu verstehen. Von Sonja Thelen

30 innovative, originelle und zupackende Wirtinnen aus ganz Hessen porträtiert Autorin Barbara Goerlich in dem 224 Seiten starken Band. Diese Frauen leiten „Refugien für Leib und Seele“, wie im Untertitel zu lesen ist. „Jedes der 30 Porträts ist eine Liebeserklärung an die Gastronomie“, sagt Goerlich, die das Buch mit Fotografin Angela Francisca Endress realisiert hat. Die Fachjournalistin und Gastronomie-Expertin stellt Frauen vor, „die durch ihre Persönlichkeit, ihrer Vita, durch, was sie sind und wie sie dazu wurden, etwas Besonderes sind und beeindrucken“. Oft seien die Frauen hinter dem Tresen die Seele eines Restaurants, eines Cafés, einer Kneipe oder einer Imbissbude. Durch ihre Art, ihre Herzlichkeit, ihren Geschmack oder den besonderen Service schaffen sie Unverwechselbares.

Gut anderthalb Jahre hat Barbara Goerlich an der Umsetzung gearbeitet. „Zunächst ging es darum, eine Auswahl an Wirtinnen zu treffen, die überhaupt für das Buch in Frage kamen“, sagt die Fachjournalistin. Schließlich hatte sie eine Liste mit knapp 80 Wirtshäusern, die sie zunächst anrief. „Wenn ich dann am Telefon mein Projekt vorgestellt habe und die Wirtin gelacht hat, dann hatte sie den ersten Test erfolgreich bestanden“, schildert Goerlich. Wirtinnen, die zurückhaltend reagierten und meinten, „da muss ich erst meinen Mann fragen“, flogen gleich runter von der Liste. Als sie ihre Auswahl getroffen hatte, besuchte Goerlich die 30 ausgewählten Weiberwirtschaften.

Die Bandbreite der vorgestellten Betriebe ist groß: Sie reicht von Romantikhotels über Landgasthöfe, Vinotheken bis hin zur Imbissbude und zur Suppenküche. Jeder Weiberwirtschaft ist ein sechs- bis achtseitiges Kapitel gewidmet: Neben dem Porträt kommen zwei, bis drei Rezepte sowie Ausflugstipps in der jeweiligen Region hinzu. Fotografin Angela Francisca Endress hat jede einzelne Weiberwirtschaft geschmackvoll in Szene gesetzt.

Goerlich erzählt etwa von der Japanerin, die in Frankfurt ihr Glück mit Sushi und Patisserie gemacht hat, der Werbemanagerin, die zur leidenschaftlichen Apfelweinwirtin wurde, einer Bayerin, die auf den Taunushöhen feinste Frischeküche zelebriert, einer Österreicherin, die es von der Alm in die Frankfurter Szene verschlagen hat. Auch manch Überraschendes hat Goerlich auf ihrer Weiberwirtschaft-Tour entdeckt. Etwa das „Sylt-Ambiente“ beim Strandhaus No. 12 am Edersee oder das Landhaus Bärenmühle, das in fünfter Generation von den weiblichen Familienmitgliedern geleitet wird, „weil ihnen irgendwie immer die Männer abhanden kommen“.

Quelle: op-online.de

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