Flughafen Kassel-Calden wird eröffnet

Regelmäßig zwölf Flüge - pro Woche

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Niedlich: das neue Terminal von Kassel-Calden.

Kassel - Am neuen Flughafen Kassel-Calden scheiden sich die Geister. Die einen befürchten ein Millionengrab, die anderen sehen Grund zum Optimismus. Der Streit dürfte auch nach der Eröffnung in dieser Woche noch nicht zu Ende sein. Von Timo Lindemann

Rund 15 Jahre hat es seit den ersten Plänen gedauert, am Donnerstag ist es nun soweit: Der neue Flughafen Kassel-Calden wird eröffnet. In Nordhessen ist die Freude mehrheitlich groß, Misstöne kommen dagegen von den Grünen aus Wiesbaden. Sie bezeichnen den Flughafen als „Millionengrab“. Mit den Millionen haben sie recht, rund 271 Millionen Euro kostet der neue Airport. Ob es ein Grab wird, muss sich zeigen.

Zwar sei das im Jahr 2006 gesetzte Ziel für den Sommerflugplan nicht erreicht worden, damals aber sei die Inbetriebnahme auch noch für 2012 geplant gewesen, sagt Flughafen-Chefin Maria Anna Muller. Sie sei sicher, der Knoten werde platzen. Reiseveranstalter und Fluggesellschaften würden nun begreifen, dass von Kassel-Calden geflogen werde. Der Schritt nach Kassel dürfte den meisten auch wegen des Debakels um den neuen Airport in Berlin nicht leicht gefallen sein. Der Pannenflughafen habe nicht gerade geholfen, sagt Muller. „Berlin hätte uns geholfen, wenn der Flughafen reibungslos eröffnet hätte. Das hätte uns einige Diskussionen erspart.“

Flughafen wird pünktlich eröffnet

In Kassel wird der Flughafen pünktlich eröffnet. Die Flüge gehen zu den klassischen Touristenzielen Mallorca und Antalya, aber auch nach Zypern, Reykjavik, Sardinien, Armenien und zur Seidenstraße (Usbekistan). Zur Eröffnung landet eine Maschine der Germania aus Frankfurt. „Das wird wohl der einzige Flug mit einer Boeing 737 aus Frankfurt bleiben“, scherzt Muller.

Ein Blick ins Innere des neuen An- und Abflugterminals.

Der erste reguläre Flug ist dann nachmittags eine Maschine nach Antalya. Und die sei gut gebucht, sagt Muller. Zum Start stehen etwa ein Dutzend regelmäßiger Flüge pro Woche auf dem Flugplan, dazu kommen einmalige Verbindungen. Nach Informationen der „Welt am Sonntag“ wackeln aber manche der geplanten Destinationen schon vor dem Start. Der Sprecher der Geschäftsführung, Jörg Ries, wollte dies auf Nachfrage nicht kommentieren.

Für die Eröffnung sei der April allerdings ein ungünstiger Monat, auch von anderen Flughäfen heben nur wenige Urlaubsflieger ab. Deshalb wurden Passagiere von einem ursprünglich für Freitag von Kassel aus geplanten Flug ausgerechnet auf einen Flieger im 70 Kilometer entfernten Konkurrenz-Flughafen Paderborn umgebucht.

Muller ist mit dem Start dennoch zufrieden. „Wenn ich alle Entwicklungen in die Waagschale werfe, bin ich froh über das Sommerflugprogramm.“ Auch der Reiseveranstalter Rewe-Touristik zeigt sich mit den Buchungszahlen ab Kassel sehr zufrieden. Der hessische Finanzminister und Flughafen-Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Schäfer (CDU) sieht für Kassel gute Chancen, wenn in wenigen Jahren große Flughäfen an ihre Grenzen stoßen. „Calden wird einer der ersten Regionalflughäfen sein, der für Linienverkehr von größeren Fluglinien wieder interessant werden wird“, sagte er kürzlich hr-online. Allerdings glaube auch er nicht daran, dass mit dem Flughafen richtig Geld zu verdienen ist.

Arbeiten noch nicht abgeschlossen

Mit der Eröffnung sind die Arbeiten noch nicht abgeschlossen. „Der Straßenbau ist noch nicht fertig, die Kläranlage noch nicht komplett“, sagt der Bürgermeister der 7600-Einwohner-Gemeinde Calden, Andreas Dinges (48/parteilos). Und der Fluglärm? Der spielt bei der derzeitigen Auslastung des Flughafens keine große Rolle. Dinges erwartet zudem in den nächsten Jahren eine „erhebliche Verbesserung“ bei Flugzeugturbinen und Rotoren. „Ich habe Vertrauen, dass es keine übermäßige Belastung der Caldener gibt“, sagt Dinges.

Selbst Steffi Weinert von den „Bürgerinitiativen gegen den Aus/Neubau“ sieht derzeit kaum Grund zur Sorge: „Es gibt faktisch keine Belastung. Wir werden das aber beobachten.“ Sie sagte, die BI seien keine Flughafengegner, sondern Neubaugegner.

Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, Karin Müller, fordert eine Deckelung des Defizits. Wenn das Minus zu hoch sei, müsse der Flughafen auf Geschäftsflüge begrenzt werden. „Die Zahlen sind unrealistisch. Es wird nicht bei einem geringen Defizit bleiben“, sagt sie. Auch der Chef des Ferienfliegers Condor, Ralf Teckentrup, hatte vor kurzem gesagt, dass er den Ausbau von Kassel-Calden für eine komplette Fehlinvestition hält.

dpa

Quelle: op-online.de

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