„Regierung verharmlost Biblis-Risiko“

Wiesbaden - Die CDU-geführte Landesregierung verharmlost nach Ansicht von SPD und Grünen seit Jahren die mit einem Terror-Angriff auf das Atomkraftwerk Biblis verbundenen Gefahren.

Die beiden Reaktoren würden nach einer Studie der „Internationalen Länderkommission Kerntechnik“ (ILK) einem Angriff mit einem Passagierflugzeug nicht standhalten, sagten die Abgeordneten Norbert Schmitt (SPD) und Ursula Hammann (Grüne) gestern in Wiesbaden. Die Regierung halte das von ihr selbst in Auftrag gegebene Gutachten seit 2003 unter Verschluss. Die Oppositionsfraktionen kennen die Studie nicht und beziehen sich auf das ZDF-Magazin „Frontal 21“.

Schmitt und Hammann legten Auszüge aus einem Vermerk des Umweltministeriums zu der Studie vor. Darin heißt es, sie solle wegen ihrer Brisanz weder der Öffentlichkeit noch dem Landtag zugänglich gemacht werden. „Das ist ein Skandal“, sagte Hammann. Ein anderer Vermerk komme zu dem Schluss, ein gezielter Flugzeugabsturz auf Biblis A oder B würde zu Zerstörungen an beiden Reaktorgebäuden und zu hohen Freisetzungen von Radioaktivität führen.

Das Umweltministerium hatte angekündigt, morgen im Landtags-Umweltausschuss Stellung zu nehmen. CDU und FDP warfen der Opposition vor, sie bewerte einen Bericht, den sie nicht kenne. Schmitt sprach dagegen von einem „Lehrbeispiel des Vertuschens von Risiken der Atomenergie“. Zum Risiko eines Flugzeugabsturzes verwiesen SPD und Grüne auch auf eine Einschätzung des Bundeskriminalamtes, nach der die Wahrscheinlichkeit terroristischer Anschläge auf kerntechnische Anlagen zwar als gering anzusehen sei, aber in Betracht gezogen werden müsse. Schmitt und Hammann forderten die Veröffentlichung der Studie und das Ende der Biblis-Reaktoren.

dpa

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare