Exotisches Rhein-Main-Gebiet

In Region eingeschleppte Tiere verdrängen heimische Spezies

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Ein Waschbär

Rhein-Main - Aus aller Welt eingeschleppte Pflanzen- und Tierarten sorgen zwar auf den ersten Blick für Vielfalt in der heimischen Flora und Fauna, bereiten Tierschützern jedoch vermehrt Kopfzerbrechen. Von Konstanze Löw

Und dabei sind ihre Namen so exotisch wie die Herkunftsländer: Ambrosia, Herkulesstaude, Douglasien und Schwarzmund-Grundel. Dahinter verbergen sich invasive Arten – also nicht-heimische Tiere oder Pflanzen, die den Weg in hiesige Gefilde gefunden haben und heimischen Artgenossen ordentlich zusetzen. Die Konsequenz: Alteingesessene Spezies werden von ihnen bedroht, biologische Monotonie nimmt zu. „Es wird zum Teil gefährlich, wenn heimische Arten fremden weichen müssen“, erklärt Marc Harthun vom Naturschutzbund NABU Rhein-Main.

Auch in der Region finden sich einige der insgesamt 81 invasiven Arten, die sich bisher in Deutschland eingenistet haben. „Gerade an der trockenen Schotterfläche von Bahnlinien und Abstellgleisen fühlt sich die Kanadische Goldrute wohl. Rund um die Abstellgleise des Frankfurter Hauptbahnhofs kann man das beobachten“, berichtet der Experte.

Dass das Rhein-Main Gebiet durch den Frankfurter Flughafen mehr als andere Regionen mit invasiven Spezies zu kämpfen hat, kann Harthun indes jedoch nicht bestätigen. „Durch den globalen Handel ist die Zahl der fremden Arten gestiegen. Die Mehrheit kommt über den Schiffs- und LKW-Verkehr zu uns, im Flugraum ist es für die meisten Arten viel zu kalt.“ Auch die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN), Beate Jessel, bestätigt das: „Im Vergleich zu den Wasserstraßen kommen über den Flugverkehr nur wenige Arten.“

Vielmehr seien invasive Wassertiere über den Rhein-Main-Donau Kanal eingewandert, weiß die BfN-Präsidentin. „Es kann also sein, dass Fischer am Main auf die Schwarzmund-Grundel stoßen, die eigentlich im Kaspischen Meer zu Hause ist.“ Dass invasiven Arten meist natürliche Konkurrenten und Fressfeinde fehlen, ist ein Grund, weshalb sie sich oft schneller ausbreiten können als heimische Spezies.

Bei unkontrollierter Vermehrung der fremden Arten sei auch der Eingriff von Experten gefragt: Mit der Reinigung von Schiffsrümpfen und durch den Einbau von Ökosperren in Schifffahrtskanälen könne man etwas gegen die Einschleppung tun. Am wichtigsten ist jedoch laut Jessel die Vorsorge: „Auch ein schnelles Eingreifen, sobald sich lokal invasive Arten breitmachen, kann schon helfen.“

Denn egal wie hübsch oder niedlich Waschbären, asiatische Marienkäfer und eine Multikulti-Flora für viele Naturliebhaber sein mögen: Invasive Spezies sind nicht nur für die heimische Tier- und Pflanzenwelt schädlich, sondern können es auch für den Menschen sein. Das ist in Rhein-Main laut Marc Harthun vor allem bei der Herkulesstaude aus dem Kaukasus und der aus Nordafrika stammenden Ambrosia der Fall. Während erstere - 2008 zur Giftpflanze des Jahres gewählt - Hautausschläge verursacht, ruft die Ambrosia verschiedene allergische Reaktionen hervor.

Anders als bei Waschbären und vielen weiteren Arten, die sich in Deutschland bereits fest etabliert haben und gegen die nicht vorgegangen wird, können die Hessen auch ihren Teil zum Schutz der heimischen Arten beitragen: „Einfach darauf achten, Vogelfutter, in dem Ambrosia-Samen enthalten sind, zu vermeiden. Die Pflanze verbreitet sich sonst noch schneller als eh schon“, appelliert Harthun.

Auf Biber-Safari in der Eifel

Quelle: op-online.de

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