Region erstrahlt in anderem Licht

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So leuchtete das Börsengebäude in der Frankfurter Innenstadt bei der jüngsten Luminale im Jahr 2008.

Frankfurt ‐ Licht gilt als Stimmungsaufheller und wirkt gegen Depressionen. Dank modernster Technik kann Licht aber heute auch ganze Stadtlandschaften beleben: Die am Sonntagabend in Frankfurt beginnende Luminale will mit mehr als 120 Projekten die Stadt in ein Lichtlabor verwandeln - vom Palmengarten bis an den Main. Von Thomas Maier (dpa)

Ein Schwerpunkt sind die sich um den Stadtkern ziehenden Wallanlagen, Frankfurts älteste Parkanlage. Auf einem Weiher hinter der Alten Oper sollen 1600 zusammengeschaltete LED-Leuchten als Licht-Schwarm (englisch „Hive“) die Zuschauer am Ufer verzaubern. Rund 100.000 Besucher erwarten die Veranstalter bei der nunmehr 5. Luminale, die alle zwei Jahre zur internationalen Leitmesse Light+Building (11. bis 16. April) organisiert wird.

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Anders als in früheren Jahren konzentriert sich das Lichtkultur-Spektakel wieder auf Frankfurt und dessen Zentrum: Messebesucher aus der ganzen Welt sowie Besucher aus der Region können sich die Projekte zu Fuß oder auch mit dem Rad erschließen - einen kostenlosen Bus gibt es ebenfalls. Aber auch in Offenbach, auf der Mathildenhöhe in Darmstadt, dem Hauptbahnhof in Mainz, in Wiesbaden (Dyckerhoff-Zementwerk) oder Großkrotzenburg (Kohlekraftwerk Staudinger) wird es Licht-Installationen geben.

Die Luminale setzt vor allem auf die Digitalisierung: Bei den LEDs (Leuchtdioden) ist die technische Entwicklung auch durch den Druck zum Energiesparen in den vergangenen zwei Jahren geradezu explodiert, wie Luminale-Kurator Helmut Bien sagt. „Licht wird nicht mehr einfach an- und ausgemacht. Heute geht es um die Dosis.“ LEDs sind nicht nur sparsamer, sondern ermöglichen durch die Sensortechnik auch mehr Interaktivität - wie bei dem „Hive“-Projekt.

„Puls der Stadt“ nennt sich ein vielversprechendes Projekt auf dem Börsenplatz vor der Börse: Dort sollen Verkehrsströme im Rhein-Main- Gebiet oder auch die Bewegungen an der Börse in eine Licht-Choreographie umgesetzt werden. Zu den großen Ereignissen zählen auch ein räumliches „Lichträtsel“, das der Designer Wolfgang Rang an der Hauptwache entwerfen will, sowie mehrere Installationen am Hauptbahnhof, dem Eingangstor zur Luminale. Auf der Bahnhofsfassade werden überdimensionale Schwärme von Tieren als „Lichtung“ eine Symbiose mit der Gründerzeit-Architektur des Bauwerks bilden.

Im Archäologischen Museum zeigen italienische Designer ihre Lichtkunst-Arbeiten („Luces“). Frühe Arbeiten der Minimal Art von James Turrell, der zu den weltweit bekanntesten Lichtkünstlern zählt, sind im angrenzenden Karmeliterkloster zu sehen. Im Kunstverein Lola Montez wird das Künstler-Duo Kehres & Hungerer zahllose Lampenschirme aus allen Dekaden und Ländern zu interaktiven Lichterinstallationen vereinen.

Offenbach, das dank seiner Hochschule für Gestaltung immer stärker zum Kreativzentrum der Region wird, präsentiert sich auf der Luminale mit einer „Leuchtstoff-Modenschau“. In der Lederstadt gibt es einen weiteren Höhepunkt: Der Glühbirne - dem Dinosaurier des Lichtzeitalters - wird ein würdiger Abschied bereitet. Auf dem Aliceplatz soll das „größte Glühbirnendenkmal Deutschlands“ entstehen. Schon seit Tagen können Bürger in Offenbach und Frankfurt ihre alten Birnen - ob durchgebrannt oder noch funktionstüchtig - für die Aktion spenden.

Mit den insgesamt mehr als 150 Projekten hofft die Luminale, ihren Platz als weltweit wichtigster Treff für die Lichtkultur zu festigen. Dabei bleibt sie - anders als rein touristische Licht-Spektakel - immer auch Labor mit dem Charme des Künstlerisch-Kreativen und auch Unfertigen. „Man weiß nicht, wie gut und stark die einzelnen Installationen werden“, meint Kurator Bien. Die meisten Projekte werden finanziell von Sponsoren unterstützt.

Quelle: op-online.de

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