TV-Köche gibt’s im Alltag kaum

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Gute Köche gesucht: Wiebke Gauglitz ist Personalleiterin beim Sheraton Hotel in Offenbach.

Offenbach - Einmal wie Tim Mälzer hinterm Herd stehen, wie Steffen Henssler Restaurants testen und wie Jamie Oliver mit der Kamera flirten. Eine verlockende Vorstellung – nur, dass sie nichts mit dem Alltag eines Kochs zu tun hat. Von Sonja Achenbach

Sie wirbeln auf zahlreichen Kanälen durch die Küche. Fernsehköche sind in Deutschland gerade ziemlich angesagt. Das was sie auf der Mattscheibe tun, hat mit dem Alltag eines Kochs indes nichts zu tun. „Es ist eine anstrengende Ausbildung mit Arbeitszeiten, die nicht einfach mit dem Privatleben zu vereinbaren sind“, sagt der Pressesprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, Sebastian Maier. Immer weniger entscheiden sich für diesen Ausbildungsberuf. „In den drei Jahren, die ich als Personalleiterin tätig bin, ist nicht nur die Zahl der Bewerbungen zurückgegangen, sondern auch deren Qualität“, sagt Wiebke Gauglitz, Personalleiterin beim Sheraton Hotel in Offenbach. Besonders auffällig sei dies bei den Hotelfachleuten und den Köchen. Mindestens ein Realschulabschluss ist eigentlich notwendig um im Sheraton eine Ausbildung zur Hotelfachkraft zu beginnen. „Immer mehr Hauptschüler reichen bei uns ihre Unterlagen ein“, sagt Gauglitz. Hinzu komme ein Rückgang an Abiturienten bei den Kandidaten.

Immer weniger wollen Koch werden

Bei den Köchen ist nicht die Qualität das Problem. Diesen Beruf wollen immer weniger erlernen. „Für das anstehende Ausbildungsjahr haben wir noch eine offene Stelle als Koch-Azubi“, sagt Gauglitz. Eine Schulpartnerschaft mit der Schillerschule habe zwar eine spürbare Entspannung für das nächste Jahr gebracht, dadurch sei das Problem aber noch nicht verschwunden. Markus Kinnel vom Hotel-Café Kinnel in Mühlheim beobachtet bei den Bewerbungen einen ähnlich rückläufigen Trend. Derzeit sind zwei Azubis in seinem Betrieb tätig - ein Konditor und eine Fachkraft für die Gastronomie. Im Sommer kommt eine hinzu. Im Hotel-Café Kinnel führt der Weg zu einer Ausbildung nur über ein Praktikum. „Wir übernehmen unsere Auszubildenden zumindest für eine kurze Zeit, da müssen wir schon im Vorfeld sicher sein, dass es der richtige Kandidat ist.“ Genügend Bewerber habe es bisher immer gegeben.

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Die Defizite seien auch bei den Jugendmeisterschaften des Gastgebenden Gewerbes erkennbar. Besonders auffällig auf Bundesebene: Ganz gleich ob Koch, Hotel-, oder Restaurantfachleute, in allen Kategorien kommen die Preisträger nicht aus Hessen. „Es gibt Defizite in der Theorie“, sagt Dehoga-Sprecher Sebastian Maier. Die hessischen Ausbildungsbetriebe statteten die Kandidaten zwar mit genügend praktischem Wissen aus, doch das reiche nicht aus.

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Quelle: op-online.de

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