Der Region fehlen 185.000 Wohnungen

„Hemmnisse abbauen beim Wohnungsbau“

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Die Kräne kreisen über einem Neubaugebiet in Frankfurt. Während die Mainmetropole im vergangenen Jahr für 5200 Wohnungen Baugenehmigungen erteilte – der zweithöchste Wert in den vergangenen 50 Jahren - passiert im Umland zu wenig. -

Dietzenbach - Der Regionalverband FrankfurtRheinMain (RFR) appelliert gemeinsam mit Vertretern der Wohnungswirtschaft an die Politik, Hemmnisse im Wohnungsbau abzubauen. Grund ist der eklatante Wohnungsmangel. Von Michael Eschenauer 

Nach Angaben von Verbandsdirektor Ludger Stüve (SPD) fehlen im Verbandsgebiet bis 2030 insgesamt 185.000 Wohnungen. „Der Wohnungsmangel ist unser brennendstes Problem“, sagte Stüve. Er rief die Kommunen im Verbandsgebiet zu verstärkten Anstrengungen im Wohnungsbau auf. So seien von den insgesamt 2300 Hektar, die die 75 Mitgliedskommunen im Flächennutzungsplan als Wohnbaufläche angemeldet hätten, bisher lediglich zehn Prozent bebaut worden. „Das bedeutet: Die Potentiale sind verfügbar, aber die Kommunen nutzen sie nicht für entsprechende Bebauungspläne“, so Stüve. Relativ kurzfristig werde das Verbandsgebiet aber um bis zu 30.000 Einwohner wachsen. Die Rahmenbedingungen auch für kommunale Wohnungsbau-Entwickler seien günstig: „Die Zinsen sind niedrig, die Fördermittel liegen bereit“, sagte der Verbandsdirektor.

Hintergrund war ein Kongress von 250 Vertretern aus Politik und Wirtschaft im Kreishaus in Dietzenbach. Ziel ist eine bessere Kooperation von Städten und Gemeinden auf der einen und der Wohnungsbau-Wirtschaft auf der anderen Seite. Stüve, aber auch Gerald Lipka (BFW Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland e.V.) sowie Thorsten Schmitt (Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft e.V.) forderten eine qualitätsorientierte Nachverdichtung der Städte mit gleichzeitiger Neuausweisung von Bauland in den Außengebieten.

„Wir brauchen mehr Wohnungen in allen Segmenten“, sagte Lipka. Jede neue Eigentumswohnung, auch wenn sie vom Eigentümer bewohnt werde, entlaste den Mietwohnungsmarkt indirekt. Vor dem Hintergrund, dass 64 Prozent der Mietwohnungen von Kleinanlegern gebaut würden, forderte er eine Senkung des Kostendrucks, etwa durch einfachere Mindeststandards, kreative Finanzierungsmodelle, spezielle Förderprogramme für starke Wohnungsunternehmen, mehr Bauland, eine Straffung der Entscheidungs- und Planungsprozesse vor Ort sowie eine Senkung der öffentlichen Abgaben könne jede Instanz einen Beitrag für schnelles und einfacheres Bauen leisten, zeigten sich die Vertreter von Regionalverband und Wohnungswirtschaft überzeugt. Bei Widerstand in der Bevölkerung gegen Neubaugebiete müsse den Menschen klargemacht werden, dass ein gutes Wohnungsangebot eine Kommune stabilisiere und ihr Gestaltungsmöglichkeiten eröffne. Der Kongress solle auch dazu dienen, bei den kommunalen Entscheidungsträgern Kooperationsbereitschaft für die Veränderungen zu wecken.

Luxus pur: Die teuersten Wohnlagen in Frankfurt

Schmitt sprach von einer „regionalen, nicht lokalen Aufgabe“. Er regte außerdem eine Entschärfung der Stellplatzvorgaben und eine Senkung der Grundsteuer an. Durch gesetzliche Vorgaben (Energieeinsparung, Brandschutz, Niveaugleichheit) hätten sich die Kosten einer durchschnittlichen Wohnung seit dem Jahre 2000 um 24.000 Euro erhöht. Es sei derzeit nicht möglich, rentablen Wohnungsbau unter einem Mietpreis von zehn Euro pro Quadratmeter und Monat zu betreiben. Ein wirkungsvolles Mittel, mehr Wohnfläche zu schaffen, sieht man auch in der Verlagerung der Neubautätigkeit weg vom Ein- bis Zweifamilienhaus hin zu Mehrgeschoss-Objekten.

Stüve berichtete von Überlegungen, bei künftigen Flächennutzungsplänen diejenigen Kommunen, die Flächen für Siedlungsbau anmeldeten, zu zwingen, einen konkreten Entwicklungsplan mit Zeitrahmen vorzulegen. Die Zahl der fertiggebauten Wohnungen im Regionalverband ist laut Stüve seit dem Rekordwert von 15.000 Einheiten im Jahre 1994 auf derzeit 9000 Wohnungen im Jahr gesunken. Als positive Beispiele für forcierte Wohnraumentwicklung, zu der auch Konversionsflächen zählen, nannte er die Städte Frankfurt, Hanau, Friedberg, Oberursel, Darmstadt, Neu-Isenburg und Rodgau.

Quelle: op-online.de

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