Regional-Idee: Noch ein Verein

Frankfurt ‐ Frankfurt/Rhein-Main GmbH, Hessen-Agentur, Wirtschaftsinitiative Rhein-Main, Rat der Region, Kulturinitiative, Kulturfonds, Route der Industriekultur, Wissensregion - die Zahl der Vereine, Arbeitskreise und Institutionen, die im Rhein-Main-Gebiet den Gedanken der Einigung vorantreiben sollen, ist Legion. Von Michael Eschenauer

Entsprechend verunsichert und genervt wenden sich viele Bürger ab von der Idee, durch ein gemeinsames Auftreten auf bundesweiter, europäischer und globaler Ebene Vorteile für die Region zu erzielen.

Mit der Kakophonie soll nun Schluss sein. Gestern reagierten wichtige Protagonisten der „Marke Rhein-Main“: Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Wissenschaft kamen im Frankfurter Römer zusammen und einigten sich auf - die Gründung eines neuen Vereins. Sein Name: „FrankfurtRheinMain e.V.“ Zu den Gründungsmitgliedern zählen unter anderem die Landesregierung, Frankfurt, Hanau, der Kreis Offenbach, der Planungsverband, die Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain, die Börse, die DZ Bank, die Deutsche Bank, die IHK Frankfurt, die Handwerkskammer Rhein-Main und die Fraport AG.

Die Zeit läuft uns davon im Wettbewerb mit anderen Regionen“, machte Uwe Becker (CDU), Kämmerer und Regionaldezernent der Stadt Frankfurt, Dampf. Der Vorsitzende der Wirtschaftsinitiative und Ex-Flughafenchef Wilhelm Bender - er ist Präsident, Becker sein Stellvertreter im neuen Verein - sagte: „Dies ist die Einigung der Region in einer neuen Qualität.“

Grundidee der derzeit 21 Mitgliedsunternehmen umfassenden Gruppe ist es, den einzelnen, meist an einen Themenbereich gebundenen Initiativen und Akteuren eine Plattform zum Ideenaustausch und zur Zusammenarbeit zu geben. Vorstandsvorsitzender Heiko Kasseckert (CDU), er ist gleichzeitig designierter Direktor des Planungsverbandes, sowie Becker und Bender machten deutlich, dass es darauf ankomme, die Mittel und Strukturen, die für die Entwicklung der Region existierten, zu konsolidieren und effektiver einzusetzen. Es gebe in diesem Bereich keinen wirklichen Geldmangel, sehr wohl aber die Notwendigkeit, Geld kontrollierter einzusetzen. Dies werde schon lange gefordert, der neue Verein mache es nun möglich.

In eineinhalb Monaten will man erst konkreter werden

Kasseckert verdeutlichte, dass es zunächst nicht um das Wegkürzen von Akteuren, sondern um Straffung gehen werde. So sei bekannt, dass der Rat der Region die Ziele nicht erreicht habe. Bender sprach von einer beeindruckenden Aufbruchsstimmung für eine engere Zusammenarbeit. „Wir bündeln Interessen ohne zu herrschen“, versprach er. Konkrete Vorstellungen, wie die Strukturreform aussehen könnte, ließen sich die Akteure nicht entlocken. Auch bei den Projekten bat man um Geduld. In eineinhalb Monaten will man konkreter werden.

Bender nannte als Beispiele der Zusammenarbeit das bestehende „House of Finance“ (Goethe-Uni), das geplante „House of Logistics and Mobility“ (TU Darmstadt, European Business School, Goethe-Uni, FH Frankfurt). Vorstellbar sei auch der Bau weiterer „Houses“ für Pharmazie oder „IT“, die Weiterentwicklung des Regionalpark-Konzepts, eine „Zukunftswerkstatt Rhein-Main“ oder eine „Green Region“. Der neue Verein will stark projektorientiert arbeiten, sich die jeweiligen Akteure zusammensuchen und so die Finanzierung sichern. „Da geht es um Millionensummen“, so Bender. Zudem werde man sich in die Diskussion über die Novellierung des Ballungsraumgesetzes einschalten. Einig waren sich Becker und Bender bei der Forderung, dass sich die Aufmerksamkeit des Landes mehr auf die Förderung der Rhein-Main-Region als wirtschaftlichem Motor Hessens richten müsse. Obwohl die Stadt Offenbach - anders als der Kreis - nicht zu den Gründungsmitgliedern zählt, herrscht die Einschätzung vor, dass man die Stadt gewinnen werde. Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) sei in vielen vorbereitenden Runden dabei gewesen.

Quelle: op-online.de

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