Regionaler Büromarkt in der Krise

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An der Messe wird unverdrossen gebaut. Der „Tower 185“ dürfte dem Trend zum Trotz Mietinteressenten locken.

Frankfurt ‐ Der Opernturm ist fertig, und an der Messe wächst der „Tower 185“ jeden Tag ein Stückchen weiter in den Himmel. Doch die Jahresbilanz auf dem Frankfurter Büromarkt könnte kaum schlimmer sein. Nach Rekordumsätzen in 2007 und 2008 ist der Markt für Gewerbeimmobilien im vergangenen Jahr im Zuge der Wirtschaftskrise auf 330 Millionen Euro abgesackt. Von Thomas Maier (dpa)

Dies ist ein Einbruch um 93 Prozent im Vergleich zu 2007 und zugleich ein Tiefpunkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten, wie die Stadt vor wenigen Tagen vermeldete. Zugleich stehen knapp zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche leer - ein Höchststand laut Stadtverwaltung. „Dies dürfte sich in den kommenden Jahren nicht wesentlich verändern“, stellt Frankfurts Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) fest. Etwa die Hälfte sei wegen der schlechten Lage und des technischen Zustands kaum noch vermietbar.

Einen Anstieg des Leerstands auf über 15 Prozent in diesem Jahr in Frankfurt prognostiziert Marcus Mornhart von Jones Lang LaSalle. Der internationale Immobilienmakler nimmt bei der Analyse des Büromarkts neben Frankfurt traditionell auch Eschborn und Offenbach-Kaiserlei unter die Lupe. Dabei wurde für 2009 ein Umsatz von 740 Millionen Euro ermittelt - ein Wert so schwach wie seit 1996 nicht mehr. Das Minus bei den Bürovermietungen (357 000 Quadratmeter) wurde auf 29 Prozent im Vergleich zu 2008 beziffert.

Andere Makler, die noch größere Teile des Rhein-Main-Gebietes einbeziehen, kommen beim Umsatz auf ähnlich hohe Verluste. Und alle Zahlen bestätigen, dass keine andere Stadt in Deutschland in den Konjunkturzyklen so stark vom Auf und Ab des Büromarkts beeinflusst wird wie Frankfurt. Grund dafür ist, dass die Finanzmetropole mit ihren knapp 700.000 Einwohner fast soviel Arbeitsplätze hat wie Einwohner.

Premium-Kunden wollen exzellente Lagen

Es gibt aber auch Gewinner: Der Opernturm ist bereits zu 85 Prozent vermietet, wie der amerikanische Bauherr Tishman Speyer jüngst berichtete. Schon bevor mit dem Bau des 170 Meter hohen Turms an der Alten Oper begonnen wurde, war etwa die Hälfte an die Schweizer Großbank UBS vermietet. Teure Spitzenimmobilien sind also auch in der Krise begehrt.

Und Jones Lang LaSalle geht davon aus, dass im Bankenviertel sogar noch ein weiterer Turm gebraucht werde. Banken und große Anwaltskanzleien wollen eben keine Abbruchbuden. Mornhart formuliert es so: „Premium-Kunden wollen exzellente Lagen.“ Dafür zahlen sie vereinzelt bis zu 38 Euro pro Quadratmeter wie im Opernturm, obwohl die Spitzenmieten um acht Prozent auf 34 Euro gefallen sind. Generell geht Mornhart von einer „Konsolidierung“ des Marktes für 2010 aus. Im allgemeinen hinke der Immobilienmarkt der Konjunktur um sechs bis zwölf Monate hinterher.

Doch selbst wenn der Aufschwung früher kommen sollte als erwartet, der Druck auf die Bürobauten in der Peripherie wird immer größer. Nach Einschätzung der Branche gehen nicht nur in der Bürostadt in Niederrad bald die Lichter aus. Ein ähnliches Schicksal drohe Frankfurt-Hausen oder dem Mertonviertel. Mornhart fordert von der Stadt „ein Umdenken“. „Wir müssen als Stadt wieder attraktiver für Unternehmen werden.“. Der Immobilien-Makler nimmt damit vor allem die hohen Gewerbesteuer-Sätze in Frankfurt aufs Korn, die Unternehmen wie die Deutsche Börse AG zur Abwanderung ins wenige Kilometer entfernte Eschborn veranlasst haben.

Wohnungsmarkt in Frankfurt nicht in den Abwärtsstrudel geraten

Die Stadt weist dagegen immer wieder darauf hin, dass Frankfurt als Metropole mit besonderen Funktionen zwangsläufig für Unternehmen teurer sein müsse als zum Beispiel Eschborn. Die oft abgewirtschafteten Bürohäuser in Vororten wie in Niederrad, für die sich trotz Schleuderpreisen oder Tiefstmieten niemand findet, bereitet dem Planungsdezernat großes Kopfzerbrechen. „In manchen Fällen wird eine Nutzungsänderung oder gar ein Abriss die wirtschaftlichste Lösung sein“, glaubt Schwarz.

Das Planungsdezernat der Stadt hat in einem Pilotprojekt begonnen, in der Bürostadt Niederrad ein Hochhaus in Wohnungen umzuwandeln. „Dies ist schwierig und langwierig“, sagt der Sprecher des Planungsdezernats, Mark Gellert. Aber immerhin ist der Wohnungsmarkt in Frankfurt nicht in den Abwärtsstrudel der Büro-Immobilien geraten. Die Preise sind stabil geblieben oder weiter gestiegen. Frankfurt hat traditionell einen großen Mangel an gut ausgestatteten und größeren Wohnungen. Allerdings sind Neubauten, die in Luxuslagen entlang des Mains oder auch im Westend oder Sachsenhausen entstehen, nur für wenige erschwinglich. Der Quadratmeterpreis liegt zum Teil deutlich über 4000 Euro.

Quelle: op-online.de

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