Regionalflughafen Hahn

Noch kein Aus für den Billig-Airport

+

Hahn/Frankfurt - Immer weniger Fluggäste, immer höhere Schulden – und der angeblich aus allen Nähten platzende Frankfurter Flughafen zeigt eine eiskalte Schulter, wenn es um eine Kooperation geht. Hat der Regionalflughafen Hahn überhaupt eine Zukunft? Von Michael Eschenauer

Rheinland-Pfalz kündigt jetzt Gespräche mit Hessens neuer Landesregierung an. Für 17,99 Euro nach London, für 42,99 Euro nach Mailand, für 31,99 Euro nach Palma. Viele Menschen mit Fernweh auch in unserer Region kennen den Hunsrück kaum, dafür aber ganz genau das Eldorado der Billig-Flugreisenden, den „frankfurt hahn airport“. Allerdings geht es der 1993 von einem US-Militär- in einen Zivilflughafen umgebauten Startrampe derzeit alles andere als gut.

Erst vor wenigen Tagen hat Sun Express, neben Ryanair und Wizz-Air eine der drei dort ansässigen Fluglinien, eine weitere Verbindung – diesmal nach Antalya – ab Sommer gestrichen. Der Flughafen ist stark verschuldet und auch Ryanair – die Iren halten 90 Prozent der Slots am Hahn – kündigte weniger Flüge an.

2,9 Millionen Fluggäste in 2011, 2,8 Millionen in 2012, 2,7 Millionen in 2013 – sieht so der Tod auf Raten aus? Hat der Hahn überhaupt eine Zukunft oder werden wir auf den zugigen Hunsrück-Höhen bald nicht mehr billig in die Sonne abheben können?

Zögernd in die Zukunft

Lesen Sie auch: 

Wie Sie am besten zum Flughafen Frankfurt kommen

„Ja, der Hahn hat eine Zukunft“, sagt Bianca Waters. Aber das „Ja“ kommt zögernd. Es gebe große Schwierigkeiten, räumt die Sprecherin des Flughafens ein. Als Ryanair 1999 den Hahn zu seinem Drehkreuz gemacht habe, sei die Billiglinie konkurrenzlos unterwegs gewesen. „Das hat sich geändert. Wir haben mittlerweile Low-Cost-Linien an fast allen Flughäfen“, so Waters. Der Wettbewerb habe sich stark verschärft, das Alleinstellungsmerkmal sei weg. Eine Zusammenarbeit mit dem durch das Nachtflugverbot stark in seiner Entwicklung beeinträchtigten Frankfurter Flughafen sei derzeit „keine Option“. Es gebe keine Gespräche. Warum dies so sei, wisse sie auch nicht. „Wir stehen jedenfalls bereit.“

Im rheinland-pfälzischen Verkehrsministerium weist man Spekulationen über das Ende des Hahns kategorisch zurück. „Nein. Definitiv auf keinen Fall“ denke man an eine Schließung, so Sprecher Joachim Winkler. Erst vor wenigen Tagen habe der Chef von Ryanair, Michael O’Leary, gegenüber der rheinland-pfälzischen Regierung ein klares Bekenntnis zu dem Regionalflughafen abgelegt.

Ein bisschen Werbung muss erlaubt sein

Allerdings verschlechtere die Luftverkehrssteuer, die jedes Flugtickets um acht Euro verteuere, die Position des Flughafens im Wettbewerb. Von EU-Seite behinderte außerdem das noch nicht endgültig geklärte Beihilfeverfahren zur Subventionierung von Flughäfen die Suche nach Investoren. Trotzdem werde man noch in diesem Jahr die Ausschreibung starten.

Alles zum Flughafen Frankfurt lesen Sie hier

Bis zu 83 Millionen Euro stelle die Landesregierung bereit, um den 100 Millionen Euro hohen Schuldenberg am Hahn abzutragen. Es laufe ein Neustrukturierungskonzept. Zur „Option Flughafen Frankfurt“ sagt Winkler: „Es wird demnächst Gespräche mit der neuen Hessischen Landesregierung geben.“ Derzeit fehle angesichts stagnierender Zahlen bei Starts und Landungen allerdings der Druck auf Fraport, über eine Entlastung zum Beispiel nachts und in den stark umkämpften Tagesrandstunden zu reden. „Wir haben eine bestandsfeste 24-Stunden-Genehmigung, die Bundesstraße 50 zur Autobahn 61 als Verbindung ins Rhein-Main-Gebiet ist vierspurig und die Bahnstrecke von Bad Kreuznach zum Hahn kann reaktiviert werden“, sagt Winkler. Ein bisschen Werbung wird ja noch erlaubt sein.

Lufthansa-Streik in Bildern (2013)

Der Lufthansa-Streik in Bildern

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare