Rekord

Karnevalverein in Dieburg größter in Deutschland

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Dieburg - Die Narren in Südhessen sind stolz auf einen Rekord: Mit fast 1800 Mitgliedern ist der Karnevalverein in Dieburg der größte in ganz Deutschland.

Die Tür geht auf, der Elferrat zieht mit Musik und Jubel ein und die Fastnachtssitzung beginnt: Tolle Stimmung in der Römerhalle. Der Karnevalverein Dieburg (KVD) ist nicht nur 175 Jahre alt - er gilt auch als der größte in Deutschland. "Wir behaupten das einfach", sagt Ehrenpräsident Wolfgang Dörr (63) und lacht. Vereine aus Mainz und Köln widersprechen den Südhessen auch nicht.

Die Rechnung ist ganz einfach: In den Fastnachtshochburgen an Rhein und Main gibt es viele Vereine mit je einigen hundert Mitgliedern. Das viel kleinere Dieburg mit seinen knapp 16 000 Einwohnern hat nur den einen Karnevalsverein, und der ist der Platzhirsch der fünften Jahreszeit. Außerdem werden die Mitgliederzahlen nirgendwo zentral geführt, wie der Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK), Volker Wagner (67), sagt. "Es gibt auch Vereine, die lassen laut Satzung nur 11 Mitglieder zu."

Karnevalverein Dieburg zählt fast 1800 Mitglieder

Der Karnevalverein Dieburg zählt fast 1800 Mitglieder, junge und alte. Auch ganz junge. "Sie sind gerade auf die Welt gekommen, da sind sie schon Mitglied", schmunzelt Dörr. "Wir sind eine Fastnachtsfamilie." Der Monats-Mindestbeitrag pro Nase: ein Euro.

Nicht nur die Größe, auch der Schlachtruf macht die Dieburger zu etwas Besonderem: "Äla" ruft der Saal, und die Fastnachter schwingen den rechten Arm durch die Luft. Das gehe auf Gänsemägde zurück, die die Tiere früher mit aufmunternden Armbewegungen und lauten "Äla"-Rufen über die Weide trieben, erklärt KVD-Präsident Friedel Enders (57). Eine willkommene Idee, um sich auch mit Fastnachtsrufen von den Mainzer und Kölner Narren zu unterscheiden.

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Eine Sitzung der Dieburger ist ein Marathon: Sechs Stunden Gaudi mit Vorträgen, Ballett, Liedern, Sketchen, Gardetänzen und natürlich Musik. Auf der Bühne stehen rund 150 Fastnachter, unter ihnen auch Bürgermeister Werner Thomas (parteilos). Der 59-Jährige macht bei den Sängern "Speeslochfinken" mit. "Ich stehe oben auf der Bühne und sehe, wie die Leute sich freuen." Spaß auf der Bühne hat Unfallchirurg Thomas Basting in dieser Saison zum letzten Mal. Der 58-Jährige hört beim Männerballett auf: "Es müssen junge Leute ran."

Fastnachtssitzung wird mit viel Fleiß vorbereitet

Eine Fastnachtssitzung wird mit viel Fleiß vorbereitet. Nur die Kapelle und spezielle Kostüme kommen von draußen, alles andere machen die Dieburger selbst - und das praktisch ohne Pause. Überall werden helfende Hände gebraucht. Die hat Johannes Stemmler - im Verein liebevoll "Der Kümmerer" genannt. Der 64-Jährige sorgt für alles, "was im Hintergrund so anfällt". Und: "Gleich am Aschermittwoch fängt wieder die Arbeit an", sagt Dörr schmunzelnd.

Trotz der Größe des Vereins werden viele Gäste bei den Sitzungen mit ihren Namen begrüßt und freundschaftlich empfangen. So etwa Heinz Kolb (75), der mit Freunden gekommen ist und sich seit 1960 der Fastnacht verschrieben hat. "Ich laufe immer Fastnachtdienstag beim Umzug mit."

Auch nach 53 Jahren sitzt Kolb in der Römerhalle unter 500 Gästen, die auf den Beginn der Fastnachtssitzung warten. Pünktlich um 18.33 Uhr geht der Blick zur Tür des Saales: Sie geht auf, der Elferrat zieht ein - und der Spaß beginnt.

dpa

Quelle: op-online.de

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