Renaissance der City

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Mit architektonisch ansprechender Fassade wirbt das KOMM um Kunden.

Offenbach - In Offenbach ist das KOMM willkommen. Nicht nur bei den Stadtverantwortlichen. Sowohl der organisierte Handel als auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) begrüßen das städtebaulich lange ersehnte „Kaufhaus Offenbach / Main Mitte“. Von Frank Pröse

Dadurch erhoffen sie sich durch das neue Einkaufserlebnis rund um den 70 Millionen Euro teuren Konsumtempel mitten in der City doch eine höhere Kundenfrequenz. Die positive Grundstimmung ist durchaus nicht selbstverständlich. Anderenorts, beispielsweise in Oldenburg, geht der Handel mit der örtlichen IHK gegen einen ähnlichen Eindringling auf die Barrikaden. Architektonische und stadtplanerische Bedenken im puppig wirkenden Innenstadtkern spielen eher eine untergeordnete Rolle. Die neue Konkurrenz der Geschäfte in der Fußgängerzone wird vor allem aus Furcht vor Umsatzverlusten abgelehnt.

KOMM: Hoffnungsträger im Kampf gegen die Konsumflaute

Ganz anders in Offenbach. Hier heißt es nahezu unisono: Konkurrenz belebt das Geschäft: Das KOMM gilt als Hoffnungsträger im Kampf gegen die Konsumflaute. Außerdem sollen Kunden aus dem Kreisgebiet zum Einkaufen in Offenbach animiert werden. Die City-Variante muss sich dabei gegen etablierte Konkurrenz noch junge Rathaus-Center in Dietzenbach oder die etablierten Isenburg- und Hessen-Center durchsetzen, die beide für den harten Wettbewerb herausgeputzt wurden.

Shopping Mall im Innenstadtbereich ist „in“

Das Konzept der Shopping Mall im Innenstadtbereich ist nicht neu, hat aber zuletzt an Fahrt aufgenommen, denn der Boom der Vororte ist nach Meinung führender Projektentwickler vorbei. Ausnahmen wie das Projekt „Loop5“ an der Autobahn A5 in Weiterstadt, das ganz nebenbei nach neuem Recht so gar nicht mehr verwirklicht werden dürfte, bestätigen nur die neue Regel. Offenbar sieht der Einzelhandel in der City-Variante der Shopping Mall auch einen Ersatz für abgewirtschaftete Warenhaus-Strategien. Stadtväter wiederum erhoffen sich so, die Verödung ihrer Innenstädte stoppen zu können. Ihnen spielt der Trend weg von den Warenumschlagplätzen auf der grünen Wiese in die Hände, denn die Zersiedelung vorstädtischer Bereiche scheint langsam aber stetig zu versiegen.

Ein riesiges Glasdach sorgt für Tageslicht im Rolltreppen- und Aktionsflächenbereich des Kosumtempels. 

Immer mehr Menschen wollen in der Stadt leben. Dort also, wo Jobs und Einkaufsmöglichkeiten nahe beisammen liegen. Deshalb sind nicht nur Shopping Malls in Citylage zukunftsfähig. Auch für Warenhäuser sehen Experten eine nahe Renaissance, wenn denn altbackene Konzepte über Bord geworfen werden. Der Optimismus ist auch der Erkenntnis zu verdanken, dass der Handel mit dem Wegzug an die Stadtränder mit den in der City überproportional vertretenen Single-Haushalten eine Klientel vernachlässigt hat, die als zahlungskräftig gilt. Auch ältere Menschen mit eingeschränkter Mobilität sind zunehmend ins Visier der Konsumforscher geraten, die beispielsweise dem gehobenen Lebensmittelhandel raten, sich Innenstadtlagen nicht zu verweigern und das Geschäft mitzunehmen.

KOMM in bester Citylage

Doch es gibt auch Mahner: Der Architekt Holger Pump-Uhlmann, der die Wirkung von Einkaufszentren auf Städte untersucht hat, spricht vom konzeptionslosen „interkommunalen Wettrüsten mit Einkaufszentren“. Viele Malls in Citylage seien vom Rest der Stadt oft völlig abgeschottet. Das trifft zumindest auf Offenbach nicht zu. Das KOMM auf dem früheren Offenbach-Post-Gelände, ist bestens an die Fußgängerzone angebunden und auch architektonisch kein Fremdkörper zur angrenzenden Bebauung.

Noch ein mahnender Fingerzeig: Um negative Effekte zu vermeiden, sollten in Einkaufszentren höchstens halb so viele Geschäfte untergebracht werden, wie es Läden in den Fußgängerzonen der jeweiligen Städte gibt, raten mit Stadtentwicklung befasste Ökonomen. Auch das kommt in Offenbach in etwa so hin. Beste Voraussetzungen also für eine Renaissance einer Innenstadt, deren Leerstände sich wegen Geschäftsverlagerungen ins neue Zentrum allerdings zumindest kurzfristig erhöhen. Wenn die Kunden wir erwartet strömen, dürfte dieser Makel bald beseitigt sein.

Quelle: op-online.de

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