Renaissance für die Kunst der Körperbemalung

Frankfurt - Durch die Halle 5 der Frankfurter Messe dringt ein Surren.  Auf dem 20. Jubiläum der Frankfurter Tattoo Convention stehen die elektrischen Nadeln nicht still. Von Melanie Gärtner

Bzzzzzz, tönt es. Unablässig, so als würde ein Bienenschwarm durch die Halle kreisen. Über 600 Tätowierkünstler aus rund 20 Ländern der Welt sind angereist – und damit auch ihre Fans, die sich bereitwillig in ihre Hände begeben.

So wie Steve. Mit nacktem Oberkörper sitzt er auf der Liege, beugt sich nach vorne, verzieht das Gesicht. Ja, tätowieren tut weh, vor allem, wenn es so ein großes Werk auf der Schulter werden soll. Sein Kumpel Alex steht mit am Stand. Er hat sich den Namen seiner Freundin gut sichtbar auf die Seite des Halses tätowieren lassen. „In Sachen Tattoo kannst du heutzutage mit allem rumlaufen“ sagt er. „Außer mit Arschgeweihen.“ Tattoos zu tragen ist längst nicht mehr so verrucht, wie es vor Jahren noch gewesen sein mag.

Vom Anfänger bis hin zu gestandenen Ganzkörpertätowierten

Seitdem die Entdeckungsreisenden im 18. Jahrhundert mit ihren Reiseberichten über Tätowierkunst aus der Südsee beim europäischen Adel einen Begeisterungssturm für Tattoos auslösten, erfährt die Kunst der Körperbemalung heute wieder eine Renaissance. Und so tummeln sich auf der Frankfurter Convention Tattoofans jeder Facon – vom blutigen (!) Anfänger bis hin zu gestandenen Ganzkörpertätowierten. Und alle wollen sie mehr, noch mehr, noch viel viel mehr Farbe auf ihrer Haut.

Bilder zur Tattoo Convention

Bunte Kunst auf der Tattoo-Convention

Stephan Jungbluth, Tätowierer aus Idar-Oberstein, kommt dabei richtig ins Schwitzen. Vor ihm sitzt ein Kunde und wartet mit beherrschter Miene auf die ersten Schmerzen, die sein neues Brusttattoo mit sich bringen wird. Den jungen Mann, der hinzukommt und eine Erweiterung für seine Armtätowierung haben möchte, muss Stephan weiterschicken. „Wenn ich mit dem hier fertig bin, bin ich reif fürs Bett.“

Modelle aus Japan und Taiwan

Auch am Nachbarstand, dem Studio Tiki Tatau, sind die Verschnaufpausen rar gesäht. Das Studio aus Berlin hat sich auf polynesische Tribals spezialisiert – und steht damit in bester Tätowiertradition. Neben klassischen Stammesmustern stehen heute aber auch „Realistic Tattoos“ hoch im Kurs, bei denen nach Vorlage einer Fotografie das Portrait von beispielsweise der Familie in der Haut verewigt wird.

Zum 20. Jubiläum ließen sich die Veranstalter der Frankfurter Tattoo Convention nicht lumpen und hatten ein Programm auf die Beine gestellt, bei dem nicht nur Tattoofans auf ihre Kosten kamen. Es waren Modelle aus Japan und Taiwan angereist, die ihre Tätowierungen auf der Bühne präsentierten. Größen der Bourlesque-Szene, wie die britische Tänzerin Beatrix von Bourbon oder die Pinup-Models Miss IVI aus der Schweiz und Sabina Kelley aus Las Vegas waren weitere Höhepunkte des Programms. Zudem diente eine Muay-Box Gala, Punktkämpfe mit Vollkontakt im Ring, der Unterhaltung des Publikums. Von Langeweile beim Warten auf den Tätowiertermin also keine Spur.

Und für alle, die keinen Termin bei ihrem Lieblingstätowierer bekommen haben: die 21. Frankfurter Tattoo Convention kommt bestimmt.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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