Frankfurter Rennbahn

Trainer der Pferde bangt um Existenz

+
Wilfried Kujath arbeitet seit 25 Jahren in Niederrad.

Frankfurt - Die Schließung der Frankfurter Galopprennbahn würde Wilfried Kujath schwer treffen. Seit einem Vierteljahrhundert ist er hier Trainer, im Falle des Falles müsste sich der 60-Jährige woanders eine neue Existenz aufbauen. Von Sabine Maurer 

Kujath kommt auf einem braunen Wallach zurück zu seinem Stall auf der Rennbahn geritten, neugierig strecken die Vollblüter die Köpfe durch die neuen Fenster nach draußen. Die knallblaue Farbe am Gebäude leuchtet in der Sonne - hätte Kujath letztes Jahr die Hiobsbotschaft der drohenden Schließung geahnt, wäre wohl nicht frisch gestrichen worden. „Wir haben es aus der Presse erfahren“, so der 60-Jährige.

Lesen Sie dazu auch:

Galopper wollen zur Not teilen

Galopper pochen auf Pachtvertrag

Rennbahn wird zur DFB-Zentrale

In wenigen Wochen soll nach Auskunft der Stadt Frankfurt endgültig entschieden werden, ob die über 150 Jahre alte Rennbahn neben dem neuen Leistungszentrum des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bestehenbleiben kann. Kujath schaut sich bereits vorsichtig nach Alternativen für seinen Rennstall um. Für ihn bleibt im Fall des Falles nur der Wegzug aus Hessen, denn Frankfurt ist die einzige Pferderennbahn im Lande. Vielleicht geht er nach Baden-Baden oder nach Köln, doch sicher ist noch gar nichts. Einen neuen Stall zu finden, wäre für ihn das geringste Problem - es sind andere Fragen, die ihn in die Existenzangst bringen. Werden die Eigentümer ihm die Pferde auch anvertrauen, wenn er neu in einer anderen Stadt ist? Kann er sein Mobiliar wie etwa die betagte Führmaschine mitnehmen? Was würde überhaupt ein Umzug kosten? Und wie lange wird es dauern, bis sich diese Kosten amortisiert haben?

Denn die Finanzen sind im krisengebeutelten Rennsport ein großes Thema, die Goldenen Zeiten sind längst vorbei. Früher haben Kujath’s Pferde Gewinne pro Jahr bis annähernd eine Million Euro hereingaloppiert, heute ist die jährliche Gewinnsumme des Stalls noch nicht mal sechsstellig. Weil sich nur noch wenige Leute ein Rennpferd leisten. Weit mehr als die Hälfte der Boxen werden anders genutzt. Nur in neun Boxen leben noch Pferde.

„Wir freuen uns über jedes Pferd“, berichtet seine Lebensgefährtin Rebekka Unrath. Die unsichere Zukunft der Rennbahn halte zudem potenzielle Besitzer ab, die natürlich wissen wollten, wo ihr Pferd in Zukunft trainiert werde. Derzeit laufen Gespräche der Stadt Frankfurt mit dem Rennbetreiber Hippodrom sowie dem DFB. Die Stadt verhehlt nicht, dass sie auf dem Gelände in Niederrad lieber Fußballer sehen will. Stadt und DFB hatten sich im März darauf geeinigt, dass auf ein Drittel des Galopper-Geländes ab 2017 das neue Leistungszentrum der Fußballer kommt. 

Pferderennen in Ascot: Schrille Hüte und Prominenz

Blumen, Federn und Perlen auf dem Kopf: Die schrillen Hüte von Ascot

(dpa)

Quelle: op-online.de

Kommentare