Rennbahn: Die Wetten stehen schlecht

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Niederlage gegen „König Fußball“ - erklingt auf der Pferderennbahn in Niederrad bald der letzte „Frankfurter Roar“? Foto: dpa

Frankfurt - Wahrscheinlich hat schon lange niemand mehr eine Wette auf das Aus für die Frankfurter Galopprennbahn angenommen. Zu hoch war die Wahrscheinlichkeit, dass mit den Rennen in Niederrad bald Schluss sein würde. Von Ulrike John und Martin Oversohl

Nun zeichnet sich tatsächlich sehr deutlich ab: Nach 152 Jahren könnte der „Frankfurter Roar“ auf der Rennbahn ein letztes Mal beim Zieleinlauf der Galopper anschwellen. Der Traditionssport soll dem „König Fußball“ weichen.

Das geplante Ende zugunsten eines Trainingscamps des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wäre eine mehr oder weniger erhoffte Rettung. Schon seit Jahrzehnten drohte dem Rennverein immer wieder die Insolvenz, der einstige Rennklub ging bereits pleite. Auch deshalb hält sich das Wehklagen in Grenzen. Vor allem im Römer wäre das Aufatmen deutlich, würde der DFB sich tatsächlich am heutigen Freitag entscheiden, auf einem Teil des Rennbahn-Geländes ein Leistungszentrum zu bauen. „Für Frankfurt wäre es ein großer Erfolg, den Standort des DFB langfristig zu sichern“, sagt Wulfila Walter, der Büroleiter des Frankfurter Baubürgermeisters Olaf Cunitz (Grüne). Lange wäre die Zusammenarbeit mit den Betreibern der historischen Rennbahn nicht mehr gut gegangen.

Nach Angaben Walters schulden die Nachfolger des seit 1863 ansässigen Traditionsvereins der Stadt derzeit rund 300 000 Euro Miete, jährlich werden weitere 93 000 Euro fällig. Wo einst 29 Renntage organisiert wurden, sind es in diesem Jahr noch 7 - und wegen des Internets und der Wettbüros brechen die Wettumsätze ein.

Viel Zeit bleibt den Pferdesportlern nicht, um die Stadt zu überzeugen. Heute will sich das DFB-Präsidium mit dem Angebot befassen - und dessen Wunsch nach einem Sportkompetenz-Zentrum ist bekannt. Präsident Wolfgang Niersbach spricht von einem „beeindruckenden Angebot“ der Stadt und hat Frankfurt bereits zum „favorisierten Standort“ ernannt. Es gibt unter anderem bereits ein Konzept aus der Feder von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff für einen solchen Fußballcampus.

In Frankfurt soll der DFB ein Drittel des 45 Hektar großen Rennareals von der Stadt auf Erbpacht über 99 Jahre erhalten - offenbar zu einem symbolischen Beitrag. Möglicher Baubeginn wäre 2016, denn 2015 soll es auf der Bahn, in deren Innenraum ein Golfplatz liegt, noch Galopprennen geben. 2018 könnte das Projekt vollendet sein. Heute wollen Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Niersbach gemeinsam äußern.

Das Direktorium für Vollblutzucht und Rennen, der Dachverband für die deutschen Vollblutzüchter und Galopprennbahnen, zeigte sich am gestrigen Donnerstag „entsetzt“ über ein drohendes Aus der Bahn: „Sie ist die einzige Galopprennbahn im Bundesland Hessen“, heißt es in einer Mitteilung. „Galopprennbahnen dienen dem staatlichen Auftrag, Leistungsprüfungen für Rennpferde durchzuführen und sind ein entscheidender Bestandteil der Vollblutzucht.“

Umstrittenster Punkt des Trainings- und Ausbildungszentrums sind die Kosten: Sie waren ursprünglich auf 40 Millionen Euro taxiert worden, sollen inzwischen aber deutlich heruntergeschraubt worden sein. Schließlich müssen die Investitionen den 6,8 Millionen Mitgliedern des DFB vermittelt werden - und vor allem den Landesverbänden. Denn die haben wie in Hennef, Steinbach, Malente, Saarbrücken und Ruit eigene Sportschulen und fürchten um deren Zukunft.

Am Standort Frankfurt, in unmittelbarer Nähe zur Commerzbank Arena und etwa einen Kilometer von der DFB-Geschäftsstelle in der Otto-Fleck-Schneise entfernt, sollen nach den Plänen künftig nicht nur die A-Nationalmannschaft und Junioren-Auswahlteams regelmäßig ihr Quartier aufschlagen. In Niederrad angesiedelt werden sollen auch die Trainer- und Schiedsrichter-Ausbildung, wissenschaftliche und medizinische Einrichtungen sowie ein Fitness- und Reha-Zentrum.

dpa

Quelle: op-online.de

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