Rentner wegen Doppelmordes vor Gericht

Frankfurt - Ein Rentner muss sich wegen Mordes an seiner Frau und seinem Sohn seit Mittwoch vor dem Frankfurter Landgericht verantworten.

Der 68-Jährige soll laut Anklage im November 2009 zuerst seinen Sohn und kurz darauf seine Ehefrau ohne Vorwarnung erschossen haben. Hintergrund waren Streitigkeiten in der Familie, die aus Marokko stammt.

Die Frau war wenige Tage vor der Tat zu ihrem Sohn gezogen. Nach einem am ersten Verhandlungstag verlesenen Schreiben der Rechtsanwältin des Rentners hatte sie wenige Tage vor der Tat Unterhaltsansprüche geltend gemacht. Der frühere Rangierer äußerte sich am Mittwoch lediglich zu seinem Lebenslauf, nicht aber zur Anklage. Bei der Polizei hatte er die Taten zuvor jedoch eingeräumt. Um sich vor den zahlreichen Kameras zu schützen, hatte der kleine, schmale Mann einen Anorak über seinen Kopf gezogen, als er den Gerichtssaal betrat. Mit leiser Stimme flüsterte er der Dolmetscherin Einzelheiten aus seinem Lebenslauf ins Ohr.

Streit zwischen Sohn und Angeklagtem

Danach lebt er seit 1963 in Deutschland, seit 1972 als städtischer Arbeiter in Frankfurt. Während er sprach, brach er immer wieder in Tränen aus. Einzelheiten zu seinem Familienleben gab er zunächst nicht bekannt. Der Anklage zufolge war es am Tattag zu einem Streit zwischen dem 38 Jahre alten Sohn und dem Angeklagten in der Wohnung des Rentners im Frankfurter Riederwald gekommen. Im Verlauf dieser Auseinandersetzung zog der Vater plötzlich eine Pistole und schoss seinem Sohn in den Kopf.

Anschließend ging der mutmaßliche Täter in die Wohnung seines Sohnes im Nachbarhaus, in der sich seine 53 Jahre alte Ehefrau aufhielt. Auch sie soll er ohne Vorwarnung mit einem Kopfschuss getötet haben. Kurze Zeit später rief der Mann selbst bei der Polizei an. Dem Angeklagten sitzen zahlreiche Verwandte als Nebenkläger gegenüber. Seine noch lebenden Kinder sollen am kommenden Freitag im Zeugenstand vernommen werden. Ob und wann der Angeklagte zu den Vorwürfen aussagen wird, wurde am ersten Verhandlungstag noch nicht geklärt. Die Schwurgerichtskammer hat zunächst sechs weitere Verhandlungstage terminiert.

dpa

Quelle: op-online.de

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