Zentrum am Klinikum Offenbach wird 40 Jahre alt / Bundesweite Bedeutung

Rettung für Brandverletzte

Professor Dr. Henrik Menke

Offenbach - Jedes Jahr müssen in Deutschland allein mehr als 30 000 Kinder unter 15 Jahren mit Verbrennungen und Verbrühungen ärztlich versorgt werden, viele verletzen sich sehr schwer - werden fürs Leben gezeichnet.

In spezialisierten Kliniken haben auch schwer Brandverletzte gute Überlebenschancen, denn Chirurgen können immer größere Areale verbrannter Haut ersetzen. Zu den bedeutenden Einrichtungen für Brandverletzte gehört das Klinikum Offenbach. Heute treffen sich dort Experten zu einem „50-Jahre-Jubiläumssymposium - 10 Jahre Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie sowie 40 Jahre Zentrum für Schwerbrandverletzte“. Unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey fragte bei Professor Dr. Henrik Menke, Chefarzt der Chirurgie III im Klinikum und Organisator der Veranstaltung, nach:.

Das Zentrum wurde 1972 als eines der ersten in Deutschland gegründet ...

Ja - es war eine richtungsweisende Entscheidung, denn bereits 1984 wurde die Zahl der Intensivbetten von fünf auf neun erhöht, um die wachsende Nachfrage zu decken und den Versorgungsauftrag fürs Land zu erfüllen. Bei meinem Start in Offenbach 2003 erkannte das Klinikum die Zeichen der Zeit und stellte das Brandverletztenzentrum in den Rahmen einer plastisch-chirurgischen Klinik, um so auch die vielfältigen Facetten der rekonstruktiven-plastischen und wiederherstellenden ästhetischen Chirurgie den Brandverletzten anbieten zu können. Dies war die richtige Entscheidung, denn wir konnten die Zahl der behandelten Schwerbrandverletzten von 2003 bis 2012 verdoppeln. Die Patienten kommen aus ganz Deutschland.

Mit anderen Worten: Sie haben bundesweit einen hervorragenden Ruf ...

Stimmt! Allein in unserem Zentrum ist die Zahl an stationär behandelten Schwerbrandverletzten kontinuierlich angestiegen, auf 205 Fälle in 2012. Damit sind wir das zweitgrößte Zentrum in Deutschland. Auch brandverletzte Kinder werden hier in Offenbach versorgt. Unfälle im häuslichen oder Freizeitbereich nehmen einen hohen Anteil ein, während Berufsunfälle eher rückläufig sind. Auch spezielle akute Hautveränderungen, die zu einem großflächigen Hautverlust wie bei einer Verbrennung führen, werden erfolgreich behandelt.

Sie befassen sich auch intensiv mit der natürlichen Rekonstruktion der weiblichen Brust bei Krebs. Könnten Sie bitte kurz eine typische Vorgehensweise bei den Operationen schildern?

Wir sind Mitglied des Brustzentrums am Klinikum und können so den betroffenen Frauen in enger Zusammenarbeit mit der hiesigen Frauenklinik das gesamte Spektrum der modernen plastischen Chirurgie anbieten. Wir beraten jede Frau intensiv. Einen hohen Stellenwert hat die mikrochirurgische Rekonstruktion der Brust mit körpereigenem Gewebe, die ein sehr natürliches und dauerhaftes Ergebnis ermöglicht. Wir wissen aus eigenen Untersuchungen, dass dies für die Lebensqualität der betroffenen Frauen eine wesentliche Bedeutung hat.

Auch Schönheitsoperationen gewinnen an Bedeutung. Viele Menschen sind z. B. besonders kritisch, wenn sie ihre eigene Nase im Spiegel betrachten. Wann raten Sie zu einer OP?

Es gibt angeborenen Nasenformen oder unfallbedingte Veränderungen, die zu einer Störung der Gesichtsharmonie führen und dann Anlaß für eine Operation sein können. Reine ästhetische Korrekturen ohne funktionelle Einschränkungen z.B. bei der Nasenatmung sollten grundsätzlich erst beim Erwachsenen erfolgen. Aber auch hier bedarf es einer sorgfältigen Überlegung und Beratung.

Noch eine Frage zur Zukunft des Zentrums: Worauf hoffen Sie nach dem Verkauf an den Sana-Konzern?

Die Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie mit dem Zentrum für Schwerbrandverletzte stellt mit ihrer besonderen Expertise und dem Leistungsangebot eine Besonderheit in Hessen und darüber hinaus dar. Wir freuen uns sehr, dass uns der neue Eigentümer in unseren Bestrebungen unterstützen möchte, auch weiterhin auf hohem Niveau unsere Leistungen hier am Standort anzubieten. Da gibt es für die Zukunft wichtige Impulse von beiden Seiten. Ein wichtiger Aspekt ist uns dabei auch die Stärkung der Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kollegen und umliegenden Krankenhäusern.

Quelle: op-online.de

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