Rettungsgassen-Kampagne ausgebremst

Helfer suchen Wege durch den Stau

Offenbach - Keine Frage, eine Rettungsgasse kann Leben retten. Deshalb wünschen sich Feuerwehrleute entsprechende Hinweise an Autobahnbrücken und auf den elektronischen Hinweistafeln. Doch die Verkehrsmanager von Hessen Mobil treten auf die Bremse. Von Ralf Enders 

Am Freitag, den 18. Juli 2014, standen die Retter mal wieder vor einer Wand von Fahrzeugen. Auf der A3 bei Niedernhausen war ein Lkw in einer engen Baustelle in Brand geraten. Feierabend- und Wochenendverkehr, 20 Kilometer Stau, 4 000 Menschen sitzen bei Temperaturen über 30 Grad in ihren Fahrzeugen fest, ein einjähriges Kind kollabiert. Und Feuerwehr, Polizei und Sanitäter haben massive Probleme, durch den Stau zu kommen. Dieser frustrierende Einsatz war für den Landesverband Hessen der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft und den privaten Feuerwehr-Infodienst „wiesbaden 112“ Anlass, die Kampagne „Rettungsgasse rettet Leben!“ zu starten. Die Initiatoren möchten, dass die Autofahrer auf Schildern an den Autobahnbrücken sowie auf den elektronischen Wechselschilder-Brücken auf die Notwendigkeit einer Rettungsgasse hingewiesen werden und zudem gezeigt bekommen, wie sie gebildet wird.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Redakteur Ralf Enders.

Doch die Feuerwehrleute dürfen nicht dort werben, wo die Autofahrer hinschauen: Die Behörde, die für Autobahnen und Straßen in Hessen zuständig ist, der Landesbetrieb Hessen Mobil, bremst die Feuerwehr aus. Denn diese Art von „Werbung“ sei an Straßen verboten, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presseagentur. „Die Bundesvorgaben sind sehr strikt.“ Gegenüber dem Hessischen Rundfunk hieß es zudem, man wolle „die Überbeanspruchung der Verkehrsteilnehmer mit visuellen Informationen vermeiden“.

Wo Autofahrer am längsten im Stau stehen

Andernorts sieht man das offenbar lockerer, denn in Brandenburg etwa weisen seit 2003 Schilderbrücken auf Rettungsgassen hin. Auch in Österreich machen die Straßenbehörden mit großen Bannern seit 2012 auf die Rettungsgasse aufmerksam - in deutscher und englischer Sprache. Solche Beispiele machen den Rettungsgassen-Kämpfern Mut; sie haben sich an Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) gewandt. Die Landtags-SPD unterstützt das Ansinnen und versprach, es „in den parlamentarischen Prozess“ einzubringen.

Um eine Rettungsgasse zu bilden werden die Autos auf zweispurigen Straßen auf der linken Spur an den linken Rand und auf der rechten an den rechten Rand gefahren, sodass die Gasse in der Mitte entsteht. Auf drei- oder mehrspurigen Autobahnen ist die Rettungsgasse immer zwischen der linken und der danebenliegenden Spur. Das heißt: Die Fahrzeuge auf der äußersten linken Spur fahren nach links, alle anderen so weit wie möglich nach rechts.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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