Vier nette Jungs von nebenan

Revolverheld „unplugged“ in der Frankfurter Festhalle

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Hits und Anekdoten: Johannes Strate und seine Revolverhelden spielten sich in der ausverkauften Frankfurter Festhalle durch ein Repertoire aus 13 Jahren Bandgeschichte. Weitere Bilder des Konzerts finden Sie hier.

Frankfurt - Drei Akte, zwei Bühnen, ein gefühlter Marathon-Gig: Die Hamburger Rock-Pop-Songwriter-Combo Revolverheld macht auf ihrer „MTV Unplugged“-Tour Station in der Frankfurter Festhalle. Von Peter H. Müller

Die vier verlässlich netten Jungs von nebenan sind eine knuffig sympathische Band, die nicht mehr recht in die Schublade „Rock“ passen will, stattdessen irgendwo zwischen Pop und Singer-/Songwriter-Gefilden kompatible Mitklatsch-Musik für die ganze Familie kultiviert. Mit deutschsprachigen Texten, die vorzugsweise von der Liebe, mal von der Studentenzeit, dann wieder von Mitgefühl, Loyalität oder gleich vom „Welt verändern“ erzählen. Das kommt an.

Offenbar auch bei der etwas faltig gewordenen Mutter aller Musiksender, MTV. Dort hat man das Revolverhelden-Quartett nun im 13. Karrierejahr zu einer „Unplugged“-Session gebeten, was von Johannes Strate und Co. selbstredend als „Kindheitstraum“, wahlweise „Ritterschlag“ goutiert werden musste. Und gefeiert wurde mit großer Kapelle: Annett Louisan, Rea Garvey, Mark Foster, Michel van Dyke oder Johannes Oerding waren mit von der Partie, als eben jene unverstromten Songs eingespielt wurden, die jetzt das Tour-Programm in drei Akten geben.

Schönes Zuckerl für die im Innenraum platzierten Fans: Über den Vorhang an der Hauptbühne flimmert zwar ein Prolog-Filmchen mit Schauspieler/Kneipenwirt und Revolverheld-Kumpel Oliver Wnuk – die u.a. von Tourbassist Chris Rodriguez flankierten Hauptdarsteller versammeln sich aber erstmal auf einer Bonsai-Bühne inmitten der Halle – um mit „Bands deiner Jugend“, „Spinner“ oder „Das kann uns keiner nehmen“ Nähe herzustellen. Dann geht’s im Laufschritt Richtung „Center-Stage“, wo Verstärkung wartet.

Bilder: Revolverheld in der Festhalle

Von den Stars der CD-Einspielung ist natürlich niemand da, aber Frontmann Strate, Drummer Jakob Sinn und die Guitarreros Niels Grötsch sowie Kristoffer Hüneke haben genügend Ersatz bestellt. Als da wären: zwei Background-Sängerinnen, eine Bläser-Fraktion, Akkordeon, Percussion, Flöte, Melodica und und und... Im letzten Akt gesellen sich noch vier Streicher/innen und der Support-Act Julian Le Play hinzu. Trotz Hochbetrieb auf der Rampe: Die Stimmung bleibt so locker wie bei einem Wohnzimmer-Konzert – nur der sich wie ein Roter Faden entspinnende, zuweilen sinnfreie Nonsens lässt einen zunehmend ermüden.

Aber dafür gibt es ja ein Hit-Potpourri, das in die Hamburger Anfangstage („Die Welt steht still“) der Band zurück greift: Gassenhauer wie „Immer in Bewegung“, Kaminfeuer-Poesie („Deine Nähe tut mir weh“), Studenten-Nostalgie („Sommer in Schweden“), Bundesvision-Contest-Sieger („Lass uns gehen“) oder das gut abgehangene Cover von Echt („Du trägst keine Liebe in Dir“) – alles da, was glücklich macht.

Und selbst wenn da einige ganz Wackere schon vier Stunden in den Beinen haben, das Frankfurter Publikum könnte euphorischer kaum sein. Für den weniger eingefleischten „Fan“ bleibt eher die Erkenntnis, dass Strate und Komplizen eher so etwas wie ein kleiner gemeinsamer Nenner sind. Man könnte es auch gepflegter Durchschnitt nennen.

Quelle: op-online.de

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