Dürre immer dramatischer

Rhein-Main trocknet aus

Offenbach - Hitze und seit Wochen kein nennenswerter Regen: Das Rhein-Main-Gebiet leidet unter einer starken Dürre. Dem Deutschen Wetterdienst zufolge war es seit 50 Jahren nicht mehr so trocken. Bauern, Gartenbesitzer und Kommunen warten auf Regen.

Tropfen auf den heißen Stein? In Dieburg engagiert sich Anwohner Helmut Hiemenz als „Fischretter“ an der Gersprenz.

Die Hitze und der ausbleibende Regen haben weite Teile Deutschlands trockengelegt. „In Südhessen, Teilen von Nordbayern, Sachsen bis ins südliche Brandenburg ist der Boden so trocken wie seit 50 Jahren nicht“, twitterte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Völlig ausgetrocknet seien die obersten 30 bis 60 Zentimeter, sagte Udo Busch, Leiter der DWD-Agrarmeteorologie. Dies schade Pflanzen mit kürzeren Wurzeln. Um das Defizit auszugleichen, müsste es tagelang fünf bis zehn Liter pro Quadratmeter regnen. Anders als auf dem Rhein ist die Schifffahrt auf dem Main nicht betroffen. Hans Rosenecker von der Außenstelle Süd der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes in Würzburg sagte, dies liege daran, dass der Main durch seine vielen Schleusen ein „staugeregelter“ Fluss sei. Rosenecker sieht auch bei anhaltender Trockenheit für die nahe Zukunft keine Probleme für die Schifffahrt auf dem Main. Allerdings könnten Schiffe, die weiter auf den Rhein fahren, nicht voll beladen werden, denn dort seien die Wasserstände wesentlich niedriger.

Wesentlich dramatischer ist die Situation in den Wäldern. Vor allem in der Region Hanau sind bereits einige Waldbrände ausgebrochen. Nachdem bereits am Sonntag im Staatsforst Wolfgang etwa 10 000 Quadratmeter brannten, musste die Feuerwehr zu weiteren Einsätzen ausrücken. Schwerpunkt: der Buchberg bei Rodenbach. Ein Hubschrauber wurde zur Hilfe gerufen. Den Badegästen des Kinzigsees in Langenselbold bot sich ein spektakuläres Bild, denn mehrfach kam der Hubschrauber, um einen Behälter zu füllen, der über den Bränden entleert wurde. Im Dietesheimer Naherholungsgebiet Steinbrüche musste die Feuerwehr ebenfalls bereits mehrere Waldbrände löschen.

Folgen der Hitze: Ernteausfälle befürchtet

Doch auch ohne Feuer leiden vor allem die jungen Bäume im Rhein-Main-Gebiet. Jeder dritte im Frühjahr frisch gepflanzte Baum drohe zu vertrocknen, sagte Michael Gerst, Chef des Landesbetriebs Hessen-Forst. Die Landwirte fürchten bei der Maisernte Einbußen von bis zu 40 Prozent. Der Präsident des Hessischen Bauernverbands, Friedhelm Schneider, sagte, die Pflanzen hätten nur die Hälfte bis zwei Drittel ihrer normalen Größe. Naturschützer fürchten, dass Teiche und Seen kippen und gefährliche Algen sprießen, wenn es nicht bald ergiebig regnet. „Es ist fünf vor zwölf“, sagte gestern Klaus Däschler, Präsident des Verbandes Hessischer Fischer. Der Münsterer war an die Gersprenz in den Dieburger Schlossgarten gekommen, nachdem er von einem Fischsterben dort gehört hatte. Die Gersprenz, die im Odenwald entspringt und nach 62 Kilometern bei Stockstadt in den Main mündet, ist – vor allem an Wehren und Fischtreppen – teilweise schon trocken gefallen. (re/cs/eha/dpa)

Der Frühling 2015 war viel zu trocken

Quelle: op-online.de

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