„Ohrfeige" für lärmgeplagte Einwohner 

Langen/Mainz - Nach der Entscheidung der Flugaufsicht für die umstrittene Südumfliegung am Frankfurter Flughafen will Rheinland-Pfalz vor Gericht ziehen.

Entweder klage das Land selbst oder es unterstütze eine Kommune, sagte Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD) am Donnerstag laut Mitteilung in Mainz. Er verwies auf ein Gutachten des Landes, in dem aufgezeigt worden sei, dass es Alternativen zur Südumfliegung gebe. „Die Entscheidung ist deshalb eine Ohrfeige für die Menschen in der betroffenen Region“, sagte der Minister.

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) mit Sitz im hessischen Langen hatte den entsprechenden Antrag der Deutschen Flugsicherung (DFS) genehmigt. Die Fluglärmkommission, deren Beschluss sich die Flugsicherung mit ihrem Antrag angeschlossen hatte, begrüßte die Genehmigung. Der Kommission, die beratende Funktion hat, gehören Kommunen, der Flughafenbetreiber Fraport und die Lufthansa an. „Wir setzen uns nach wie vor vehement gegen diese Flugroute ein und werden alle Möglichkeiten ergreifen, diese zu verhindern“, betonte Lewentz. Zu den Klagemöglichkeiten habe die Landesregierung ein Gutachten in Auftrag gegeben. Um herauszufinden, welcher Weg den meisten Erfolg verspreche, müsse die Verordnung zunächst analysiert werden. „Ich habe deshalb das BAF heute gebeten, uns den bislang nicht veröffentlichten Verordnungstext sofort zur Prüfung zur Verfügung zu stellen.“

Die Landtagsfraktionen von SPD und Grünen kündigten an, das Thema kommende Woche in der Plenarsitzung aufgreifen zu wollen. „Wir werden alles tun, dass die jetzt getroffene Entscheidung wieder zurückgenommen wird“, sagte Grünen-Fraktionschef Daniel Köbler.

120 Maschinenfliegen werden täglich die Südschleife fliegen  

Startende Maschinen auf dem Weg nach Norden müssen künftig erst eine Schleife nach Süden fliegen, um durchstartenden Jets auf der Nordwest-Landebahn nicht in die Quere zu kommen. Die eine Hälfte der Flieger soll nach dem Vorschlag der DFS dann über die Landkreise Groß-Gerau und Mainz-Bingen auf der „Alternative 13“ genannten Route nach Nordwesten geführt werden. Die andere Hälfte wird auf dem Weg nach Norden östlich an Mainz und Wiesbaden vorbeigelotst („Alternative 7“). Nach einer Prognose der Flugsicherung werden täglich 120 Maschinen die Südumfliegung benutzen.

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) sprach von einer unzumutbaren Belastung. Sie forderte: „Der Schutz vor Fluglärm muss Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben.“ Klagen gegen die Südumfliegung werde ihr Ministerium mit Fluglärm-Daten aus Mainz-Weisenau und Nackenheim untermauern. Der Lärm sei bereits vor Eröffnung der neuen Landebahn besorgniserregend.

Die Kreisverwaltung Mainz-Bingen kündigte an, Wege gegen die Rechtsverordnung zu prüfen. Ein entsprechendes Gutachten werde noch im Sommer fertiggestellt. Die Mainzer Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) nannte den Beschluss bitter. „Der einzige Gewinner ist die Fraport“, teilte sie mit. Dass die Entscheidung ohne Beteiligung der betroffenen Kommunen gefallen sei, sei mehr als kritikwürdig. „Jeder Gartenbesitzer muss beim Rasenmähen mehr Rücksicht auf die umliegenden Nachbarn nehmen, als die Fraport im Flugbetrieb.“

Das hessische Verkehrsministerium erklärte, es sei bei den Flugrouten nicht zuständig, sehr wohl aber bei der Fluglärmverordnung. Diese legt unter anderem fest, welche Gebiete besonders geschützt werden sollen. Eine Ministeriumssprecherin erklärte, den Entwurf für die Verordnung habe Minister Dieter Posch (FDP) so angelegt, dass möglichst viele Bürger vor Lärm geschützt werden.

dpa

Quelle: op-online.de

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