Siegel für Herkunft eingeführt

Ein Job nur für Frühaufsteher

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Rosemarie und Günter Scondo verdienen ihr Geld mit einer Gärtnerei in Offenbach und kaufen regelmäßig auf dem Blumen- und Zierpflanzengroßmarkt ein.

Frankfurt - Es ist fünf Uhr morgens: Während die meisten Menschen zu dieser Zeit noch im Bett liegen, herrscht in dem Blumen- und Zierpflanzengroßmarkt der RheinMain eG in Frankfurt schon geschäftiges Treiben. Von Lara Sturm

Von oben betrachtet sieht alles aus wie ein bunt gewebter Teppich aus abertausenden Blumen. In den Gängen vermischen sich dezente Düfte von Rosen und Tulpen. Floristen und andere Kunden aus der grünen Branche beladen hohe Wagen mit Pflanzen und Schnittblumen. Nur wer dieser Branche angehört, darf hier einkaufen. 140 Erzeuger und Großhändler von Blumen und Zierpflanzen aus der Rhein-Main-Region bieten von Montag bis Samstag immer ab 5 Uhr morgens ihre Ware feil. Dieses Jahr feiert der Großmarkt sein 50-jähriges Jubiläum.

Wolfgang Wollrab, Vorstand der Blumen- und Zierpflanzengroßmarkt RheinMain eG, zitiert den belgischen Ordenspriester Phil Bosman, um in Worte zu fassen, was den Großmarkt ausmacht: „Blumen können nicht blühen ohne die Wärme der Sonne. Menschen können nicht Mensch werden ohne die Wärme der Freundschaft.“ Er erklärt sich den andauernden Erfolg so: „Schauen wir auf die vergangenen 50 Jahre der Genossenschaft, so ist es eben diese Wärme, die den Blumen- und Zierpflanzengroßmarkt zu einer Erfolgsgeschichte haben werden lassen.“

Ein halbes Jahrhundert

Der Großmarkt blickt zurück auf ein halbes Jahrhundert, in dem sich der Blumengroßhandel grundlegend verändert hat. Fünf Jahrzehnte, in denen sich der Verkauf kleinster Blumenmengen in einen professionellen Großhandel verwandelte. Geblieben ist die unmittelbare Beziehung zum Produzenten. Und genau das ist laut Reiner Wilk, der seinen Job als geschäftsführendes Vorstandsmitglied als „Mädchen für alles“ beschreibt, die Quintessenz des Großmarktes: „Wenn ein Kunde Fragen über die Blumen hat, kann der Florist den Erzeuger direkt ansprechen.“

Er selbst sieht sich nicht als Blumenexperten, hat aber doch einen Tipp für alle Männer: „Man kann immer Blumen schenken. Als Mann sollte man das nicht nur an Tagen wie dem Valentinstag tun, dann hat man den Überraschungseffekt auf seiner Seite und die Freude bei der Frau ist noch größer.“ Denn der Valentinstag ist für den Großmarkt nicht immer nur mit Freude und hohen Verkaufszahlen verbunden. „Was mich maßlos ärgert, ist die tendenzielle Berichterstattung in den Medien immer kurz vor dem Valentinstag, dass Rosen mit Schadstoffen verseucht wären. Denn das trifft ja nicht auf unsere Blumen zu, die unter deutschen Gesetzen, übrigens die strengsten der Welt, produziert wurden. Aber die Kunden sind dann verunsichert und kaufen lieber Pralinen“, erzählt Wilk. „Auch deswegen haben wir seit Februar unser ‚Ich bin von hier!‘-Siegel eingeführt. Das soll den Kunden Sicherheit beim Kauf geben. So können sie saisonal darauf achten, Blumen aus ihrer Nähe zu kaufen“, berichtet Wilk.

Kein Ärger auf dem Großmarkt

Doch von Ärger ist heute nichts auf dem Großmarkt für Blumen und Zierpflanzen zu spüren. Man kennt sich und findet immer Zeit für einen kleinen Plausch. Das wissen die Produzenten zu schätzen. „Ich bin seit 47 Jahren mit dabei. Ich brauch‘ gar keinen Wecker mehr, ich wach schon immer um halb vier in der Früh auf. Aber es ist immer so nett. Auch wenn es so früh ist, zieht keiner ein grantiges Gesicht. Ich freu mich schon immer, wenn ich hier her fahre“, schwärmt Beatrice Fischer-Duttine von der Gärtnerei Fischer in Babenhausen.

Auch das Ehepaar Scondo von der Günter Scondo Gärtnerei in Offenbach lobt die „tolle Atmosphäre“ auf dem Blumen- und Zierpflanzengroßmarkt. Das neue Siegel finden sie sehr hilfreich, auch wenn sie morgens noch manchmal vergessen, ihre Blumen mit den „Ich bin von hier!“-Fähnchen auszustatten.

Und während die meisten Menschen zwischen sieben und acht Uhr am Frühstückstisch sitzen, packen die Erzeuger und Großhändler zusammen und fahren zurück in ihre Gärtnereien und Läden, ihr Arbeitstag ist noch lange nicht zu Ende.

Quelle: op-online.de

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