„Jesus Christ Superstar“

Tim Rice hat Text zum Lloyd-Webber-Musical geschrieben

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Tim Rice

Frankfurt - 1970 schrieb der britische Komponist Andrew Lloyd Webber mit seinem Texter Tim Rice das Musical „Jesus Christ Superstar“, das von den letzten sieben Tagen im Leben von Jesus Christus erzählt. Die Inszenierung des britischen Regisseurs Bob Tomson gastiert vom 21. bis 27. März in der Frankfurter Alten Oper. Von Thomas Ungeheuer 

Warum wählten Sie und Andrew Lloyd Webber die Passion Jesu zum Thema?

Wir mochten die Idee, ein Stück für die Bühne zu schreiben, dessen Geschichte eigentlich jeder Mensch in der westlichen Welt kennt. Dabei hatten wir keine Erwartung an einen kommerziellen Erfolg des Musicals. Das gab uns eine große Freiheit. Während wir die Musik und die Texte schrieben, entdeckten wir in dem Thema immer wieder neue Möglichkeiten. So kam es auch zu der Idee, die Geschichte aus der Sicht des Judas erzählen.

Haben Sie zur Inspiration Bücher gelesen, Filme angeschaut oder den Austausch mit Geistlichen gesucht?

Nein, wir haben uns lediglich auf die Bibel gestützt. Natürlich kannten wir Menschen, die über christlichen Glauben sehr gut Bescheid wussten. Aber wir wollten unsere eigene Interpretation der Geschichte erschaffen. Andrew und ich hatten schließlich Schulen besucht, die für uns sehr prägend waren, was das Wissen über Religion anging.

Trotzdem gab es in Amerika diverse Stimmen, die ihr Musical als blasphemisch bezeichneten.

Ja, aber es waren in der Tat nur wenige, die ihren Protest gegen unser Stück niederschrieben. Es war nichts dabei, das ernsthafte Probleme verursachte. „Superstar“ ist kein gefährliches Stück. Viele der Leute, die sich über unsere Arbeit empörten, hatten weder das Album gehört, noch die Bühnenfassung angeschaut. Allein die Tatsache dass unser Musical stark von Rockmusik geprägt ist, reichte aus, um sie zu verärgern.

Warum?

Weil Texte von Rocksongs meistens von Liebe und Sex handeln. Unseren Gegnern erschien Rockmusik als ungeeignet in einem Stück, dessen Geschichte einen religiösen Inhalt hat. Ich glaube, dass die wenigsten der damaligen Kritiker meine Liedtexte gelesen haben.

Welche Unterschiede entdecken Sie, wenn sie die aktuelle Inszenierung mit der Ursprungsversion vergleichen?

Tim Rice

Ich habe mir die Inszenierung von Bob Tomson sehr genau angeschaut, Tatsächlich kann ich keine wirklich gravierenden Unterschiede erkennen. Natürlich gibt es kleine Neuerungen. Das Bühnenbild und das Licht sind der heutigen Zeit verpflichtet. Und natürlich hat sich die Schauspielerei verändert. Die Darsteller, die heute in „Superstar“ mitwirken, sind in einer anderen Zeit aufgewachsen. Sie sind von anderen Umständen geprägt, als die Darsteller, die vor über vierzig Jahren auf der Bühne standen. Also begreifen sie ihre Charaktere auch auf andere Art. Zudem entwickelt sich die Schauspielkunst stets weiter. Es wäre traurig, wenn man dies nicht in der neuen Inszenierung sehen würde.

„Jesus Christ Superstar“ hat eine dramatische Handlung. Was könnte jemandem an Ihrem Musical gefallen, der sonst heitere Stoffe mag?

Menschen sind verschieden. Während die einen Shows mögen, in denen sie sich sorglos amüsieren können, wollen die anderen welche sehen, die zum Nachdenken anregen. „Superstar“ kann letzteres bewirken. Wir erzählen eine Geschichte, in der man etwas über Freundschaft, Vertrauen, Heuchelei, Lüge und Verrat erfährt. Für mich ist sie zeitlos, weil man in ihr lernt, dass sich die Natur des Menschen seit Jahrhunderten nicht verändert hat.

Wer aufmerksam zuhört, merkt wie anspruchsvoll die Gesänge sind, die Lloyd Webber komponiert hat.

Stimmt, dieses Musical braucht sehr gute Sänger und Sängerinnen. Besonders die Darsteller von Jesus und Judas müssen großartige Stimmen haben- nicht nur was den Ausdruck angeht. Auch brauchen sie einen enormen Stimmumfang. Ein Darsteller, der in „Superstar“ mitwirken will, muss vor allem ein guter Sänger sein – danach ein guter Schauspieler und an letzter Stelle ein guter Tänzer. Jemand wie Glen Carter, der ein außergewöhnlicher Sänger und Schauspieler ist, braucht in der Rolle des Jesus gar nicht zu tanzen, um mich von seinem Ausdruck überzeugen zu können.

Quelle: op-online.de

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