Frankfurter Richard Van Weyden als Kaukasus-Despot im Kino

Willkommen in Absurdistan

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Am Drehbuch schrieb Oscar-Gewinner Pawel Pawlikowski mit Nicht nur als Darsteller in Film und Fernsehen gefragt: Der Frankfurter Richard van Weyden hat mit seiner sonoren Bass-Stimme auch als Synchron- und Werbe-Sprecher gut zu tun.

Frankfurt - Der Frankfurter Schauspieler Richard Van Weyden ist als Synchronstimme und Fernsehdarsteller bekannt. Am Donnerstag kommt er mit der schwarzen Komödie„Welcome to Karastan“ ins Kino. Von Detlef Kinsler 

Manchmal nähern sich Dichtung und Wahrheit auf überraschende Weise an. So geschehen, als der Frankfurter Schauspieler Richard Van Weyden zum Dreh der britischen Komödie „Welcome to Karastan“ im fernen Georgien weilte. Da erlebte er Momente im Alltag, die an Merkwürdigkeit vielen Szenen im Film in nichts nachstanden. Das Gefühl, ständig unter Beobachtung zu stehen, aber auch interessiert beäugt zu werden. Schlaglöcher in den Straßen, die PKWs verschlingen können. Trostlose, verlassene Häuserfluchten. Und als Chinesen verkleidete Georgier in einem asiatischen Restaurant. Weder des Chinesischen noch Georgischen mächtig, bestellte der Mime sein Gericht per Bild auf der Speisekarte. Beim zweiten Besuch deutete er auf ein anderes Essen und bekam dasselbe Gericht. „Das war sehr skurril“, erinnert er sich. Willkommen in Absurdistan. „Die Leute in Georgien sind aber supernett. Wir haben so toll gefeiert dort.“

Aber für Party blieb dann doch nicht so viel Zeit. Die Arbeit in den Bergen bei bis zu minus 20 Grad war kräftezehrend. Van Weyden schlüpft für „Welcome to Karastan“ in die Rolle des Präsidenten einer fiktiven Kaukasus-Republik namens Abashiliev. Der wittert die Chance, den ausgemusterten britischen Filmemacher Emil Forester für einen „Imagefilm“ einzuspannen, der zufällig Gast eines Filmfestivals im Lande ist und nicht absagen kann, wenn ihm sein Leben lieb ist.

E-Casting im eigenen Wohnzimmer

Das Drehbuch stammt aus der Feder der Filmemacher Ben Hopkins und Pawel Pawlikowski. „Der hat ja gerade einen Oscar für ,Ida’ bekommen. Dass das Buch gut war, hat man sofort gemerkt. Man musste lachen, und es war trotzdem sehr subtil, alles richtig toll ausgearbeitet. So was kriegst du nicht oft in die Hand“, freute sich Van Weyden über die Anfrage. „Du sitzt zuhause in Bornheim und kriegst auf einmal von deiner Agentur in Berlin eine Mail: Hier hast Du das Drehbuch.“ Für das E-Casting spielte er Szenen im Wohnzimmer durch, nahm sie mit dem iPad auf und schickte die Bewerbung ab. Am Donnerstag kommt die schwarzhumorige Komödie in die Kinos, in Frankfurt ins Programm von Orfeos Erben. Dort spielt Van Weyden an der Seite von Matthew MacFadyen („Die drei Musketiere“) und der verführerischen MyAnna Buring („The Twilight Saga“).

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In der Filmografie des gebürtigen Saarländers stehen bis dato „Der Fall Jakob Metzler“, Schweighöfers „Schlussmacher“, „Borgia“ und „Die Päpstin“ (hier war er der Kirchenmann Eusthasius), dazu Gastrollen in „Alarm für Cobra 11“ oder „Ein Bulle auf Mallorca“ (mit Sonja Kirchberger). Vor kurzem hat Van Weyden in Prag „Borcherts Fall“ mit Christian Kohlund, dem großartigen Robert Hunger-Bühler und Leslie Malton abgedreht. Der Anwaltskrimi kommt im Juli ins TV. Zudem ist der 49-Jährige als Chef der Spurensicherung im „Taunuskrimi“ neben Felicitas Woll zu sehen.

Neben der Schauspielerei arbeitet der Mann mit dem tiefen, präsenten Bass als Synchron- und Werbesprecher. Schließlich ist der mit der sizilianischen Sängerin und Songschreiberin Dea Lapi verheiratete Van Weyden gerade Vater von Zwillingen geworden. Da gilt es mehr als nur die Miete einzuspielen. In den wilden Tagen in der freien Theaterszene, die Van Weyden weidlich genoss, konnte man sich noch leicht dem Kommerz verweigern. „Wir haben zu sechst Macbeth gespielt, gingen den Leuten viereinhalb Stunden auf den Nerv. Wenn ganz wenig Leute kamen, fanden wir das noch großartig“, lässt der Akteur die Vergangenheit Revue passieren. „So kann man heute natürlich nicht mehr überleben.“

Quelle: op-online.de

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