Richtfest für neuen Tower

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Katastrophales Wetter begleitete den symbolträchtigen Moment, als der Richtkranz am neuen Tower hochgezogen wurde und zwei der beteiligten Handwerker den Richtspruch deklamierten.

Gegen die Terminal-Erweiterung „A-Plus“ nahm sich das Bauwerk, das gestern am Frankfurter Flughafen im Fokus stand, fast schon bescheiden aus. „Nur“ knapp 30 Millionen Euro gegenüber 500 Millionen bei „A-Plus“ kostet das Gebäude, zu dessen Richtfest die Deutsche Flugsicherung (DFS) lud: der neue Tower für die Lotsen. Von Jens Dörr

Dennoch handelt es sich natürlich um das nächste Großprojekt, an dem schon seit November des vergangenen Jahres gebaut wird. „Erste Überlegungen gab es schon 2003, alles im Zusammenhang mit der neuen Landebahn“, erläutert Wolfgang Breuer. Seitens des Bauherren DFS ist er der Projektleiter und seit Beginn der Projektentwicklung involviert. Gebaut wird der Tower indes von der Firma Züblin, die auch den Lotsen-Turm in Düsseldorf fertigte und im Januar dieses Jahres den Zuschlag für Berlin-Schönefeld erhielt. „Aber wir werden früher fertig“, warf ein DFS-Mitarbeiter während der offiziellen Ansprachen unter Gelächter ein.

30 Millionen Euro wird der neue Tower am Frankfurter Flughafen kosten, im Juni 2011 soll er in Betrieb gehen.

Die DFS sorgt dafür, dass der Luftverkehr über Deutschland sicher und flüssig abgewickelt wird. Hinzu kommt der Verkehr auf den Start- und Landebahnen der Flughäfen - und hier spielen die Tower die zentrale Rolle. Von dort aus nämlich kontrollieren die Fluglotsen sämtliche Maschinen auf den Rollwegen, vermeiden so etwa Zusammenstöße. Zwölf Lotsen werden im neuen Tower - übrigens unweit des Terminal-Anbaus „A-Plus“, von dem aktuell aber erst eine riesige Baugrube zu sehen ist - Platz haben und mit modernster Technik den Rollfeld-Verkehr überwachen. Allerdings werde nur selten das komplette Lotsen-Dutzend im Tower sein, sagt Breuer. „Und nachts wird die Anzahl der Mitarbeiter wegen der geringeren Anzahl an Flügen logischerweise noch weiter heruntergefahren.“

Turmbau auch ohne Flughafen-Erweiterung nötig gewesen

Der Projektleiter skizziert den Bauverlauf wie folgt: Die Bauzeit für den Turm selbst belaufe sich auf 18 Monate, wobei man mit dem Beginn habe warten müssen, bis mit dem Planfeststellungsbeschluss zum Flughafen-Ausbau die rechtlichen Voraussetzungen auch für den Tower-Bau geschaffen worden sei. Ohne ihn wäre die Vorarbeit dennoch nicht vergebens gewesen: „Den Turm hätten wir sowieso neu bauen müssen“, sagt Breuer. Nach 25 Jahren sei er gemeinhin „abgenudelt“. Was nicht heiße, dass da noch 25 Jahre alte Technik vorhanden gewesen sei. Grundlegend neu ausstaffieren könne man aber nur durch einen Neubau. Das ist so aufwändig, dass sich zu den 18 Monaten Bauzeit weitere zwölf hinzugesellen, in denen die technische Ausrüstung vorgenommen wird. „Die Verkabelung dauert drei Monate, dann müssen die Systeme hingestellt und anschließend getestet werden“, weiß Breuer zu berichten.

3500 Kubikmeter Beton, 400 Tonnen Betonstahl und 200 Tonnen Profilstahl werden im Tower verbaut. 

Der DFS-Mann weist darauf hin, dass man die Lotsen in den neuen Schichtplan einarbeiten müsse - auch das brauche Monate und lasse sich nicht komplett andernorts simulieren. Zudem hätten die Lotsen am alten Standort auch noch mit dem jetzigen Tagesgeschäft zu tun. Wenn alles glatt läuft, dann kann der Tower im Juni 2011 in Betrieb genommen werden, vier Monate vor der Nordwestbahn.

30 Millionen Euro kostet der Neubau.

3500 Kubikmeter Beton werden bis dahin verbaut worden sein, 400 Tonnen Betonstahl, 200 Tonnen Profilstahl. Die Geschosse bieten dann zusammen 3150 Quadratmeter Fläche, nicht nur für die Lotsen, die in 66 Metern Höhe in einer leicht ovalen, 100 Quadratmeter großen Kanzel sitzen und von dort den Überblick behalten werden. In den quaderförmigen Räumen darunter sollen etwa Teile der Technik und Sozialräume untergebracht werden.

Die Investition der 30 Millionen Euro macht aus DFS-Sicht besonders aus zwei Gründen Sinn: „Wir sind davon überzeugt, dass die Krise in absehbarer Zeit überwunden ist und die Verkehrszahlen wieder steigen werden“, erklärt DFS-Geschäftsführer Ralph Riedle beim Frankfurter Richtfest einerseits. Dafür wolle man gerüstet sein. Andererseits gebe es noch ein scheinbar banaleres Problem: Die geplante Nordwestbahn wäre vom heutigen Tower-Standort nicht einsehbar. Trotz aller technischen Möglichkeiten ist der direkte Blick auf das Rollfeld für die Lotsen aber nach wie vor notwendig.

Quelle: op-online.de

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