Riesenvogel im Anflug

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Am Flughafen Frankfurt wird derzeit das Be- und Entladen der Boeing 747-8 getestet.

Frankfurt - Ein lautes Zischen ertönt, als sich die Klappe der Boeing 747-8 „Intercontinental“ öffnet. Thomas Richter zeigt ein leichtes Grinsen, als der Blick in die Maschine frei wird. „Dann schauen wir mal“, sagt der 43 Jahre alte Flugzeugabfertiger. Von Stephan Scheuer (dpa)

Zusammen mit seinen Kollegen soll er den Jumbo auf dem Frankfurter Flughafen auf seine Praxistauglichkeit beim Be- und Entladen testen. Drei Container stehen schon bereit. Zur Probe sollen sie eingeladen werden, außerdem stehen Andocken, Tanken und Reinigen auf dem Plan. Die Lufthansa hat 20 Jumbos bestellt und will das Modell genau unter die Lupe nehmen lassen, bevor Anfang 2012 die ersten Maschinen geliefert werden. Nach Angaben der Airline ist es das längste Flugzeug der Welt.

Langsam stemmt eine Hebebühne den ersten Container auf die Höhe des Fliegers. „Das ist kein Problem. Der ist leer“, sagt Richter und schlägt mit der Hand gegen die Außenwand des Metallkastens. Langsam wird er in den Bauch des rund 76 Meter langen Jumbos geschoben.

Nach und nach scheint der Flieger den Container zu verschlucken. Richter beobachtet jeden Zentimeter und stockt dann: „Das ist anders als bei der Boeing 400“. Mit seinem Fuß deutet er auf eine kleine Rolle auf dem Metallboden des Jumbos. „Normalerweise gibt es hier nur ein großes Rad, hier sind aber mehrere kleine Rollen“. Über sie gleitet der Container hinweg. Richter setzt wieder sein Grinsen auf - die Rollen gefallen ihm, denn die Maschine fasst insgesamt sechs Container mehr als die Boeing 747-400, was mehr Arbeit bedeutet. Die Rollen machen es ihm da leichter.

Lufthansa ist Erstkunde der Passagierversion

Die Lufthansa ist Erstkunde der Passagierversion des gestreckten und modernisierten Jumbos. Boeing will mit ihm dem größeren Airbus A380 Paroli bieten, aber der 747-8 entwickelte sich zu einem Ladenhüter. Die amerikanische Frachtflug-Gesellschaft Air Atlas bestellte drei ihrer ursprünglich zwölf georderten Maschinen wieder ab. Der Flugzeugbauer soll daher besonders großzügige Rabatte auf den Listenpreis von 317,5 Millionen US-Dollar (237 Millionen Euro) gegeben haben. „Der Preis ist unser bestgehütetes Geheimnis“, sagt dazu nur vielsagend ein Lufthansa-Sprecher.

Wachmänner achten darauf, dass der Maschine auf dem Rollfeld nichts zustößt. „Der Vogel ist halt neu, da muss man etwas vorsichtiger sein“, sagt der 46-jährige Sicherheitsmann Kai-Uwe Müller, der vor der Maschine auf und ab geht. Auch nachts wird der Flieger bewacht - bis er heute wieder in die USA aufbricht. Unterdessen sind die Tests gut verlaufen, wie ein Lufthansa-Sprecher stolz verkündet. Daher können schon bald viele dieser Jumbos nach Frankfurt kommen.

Quelle: op-online.de

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