Ritter ohne Rüstung

Roter Schriftzug auf weißem Bademantel - das ist das Markenzeichen der „Saunaritter“.

Frankfurt - Ohne Schweiß keinen Preis. Diese sprachlich abgewandelte Binsenweisheit trifft auf die „Saunaritter“ zu 100 Prozent zu. Denn die Freunde des schweißtreibenden Freizeitvergnügens haben die Hürde vom Hobby-Schwitzer zum Profi-Abkocher längst übersprungen. Von Bernhard Pelka

Saunieren betreiben sie als ernsthaften Leistungssport. Und das mit Erfolg. Inzwischen kommen internationale Meister aus ihren Reihen. Mit herkömmlichem Garen in der Sauna hat das nichts zu tun, was die „Saunaritter“ jeden Mittwoch beim Training in der „Saunaburg“ in Ober-Roden durchziehen. Bei 110 Grad Lufttemperatur reizen die Hitzköpfe unter Wettkampfbedingungen aus, wer‘s am längsten in der Höllen-Glut aushält.

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Aufgussmeister Klaus Schroth aus Langen strapaziert dabei unerbittlich die Willensstärke und den Kreislauf seiner Gäste mit tückischen Aufgussvarianten. Wer raus geht, hat verloren. Wie beim Wettkampf. „Rausbrennen“ nennen die „Saunaritter“ das. Die Extrem-Saunierer nehmen‘s freilich sportlich. „Schlag den Klaus“ nennen sie diese ganz spezielle Herausforderung für Kopf und Körper: Bloß nicht bewegen, flach atmen, die Gedanken an die stechenden Schmerzen in den Atemwegen und auf der Haut irgendwie verdrängen, die eigenen Grenzen überschreiten. Und am Trainingstag natürlich viel trinken: mindestens fünf Liter sind Pflicht.

Ein Trainingsabend in der „Saunaburg“ muss anstrengender sein als zwei Marathonläufe nacheinander. Um 19 Uhr beginnt die Tortur mit dem „Ritteraufguss“. Alle 30 Sekunden rinnen 0,4 Liter Wasser auf die glühend heißen Steine und verdampfen bei mehreren Hundert Grad. Um 20 Uhr folgt die nächste Eskalationsstufe: Aufgüsse ohne Pause aus der Gießkanne - und permanent wedeln!

Die tapferen Profi-Schwitzer müssen sich dabei fühlen wie ein Hummer, der ins siedende Wasser geworfen wird. Aufgießer Günther Jentschke aus Darmstadt hält die   Prozedur jedenfalls nur in Schutzkleidung aus: Sturmhaube, Bademantel und dicke Schweißerhandschuhe verhindern das Schlimmste.    Um 21 Uhr kommt dann das schon beschriebene Spielchen „Schlag den Klaus“. Gewonnen hat der Aufgussmeister, sobald zwei Drittel der Teilnehmer die oberste Bank im Schwitzkasten verlassen müssen. Der anstrengende Abend klingt um 22 Uhr mit einem Bieraufguss und Gitarrenmusik zum Entspannen aus. Alles bei kuscheligen 110 Grad, versteht sich!

„Bei uns geht es nicht um Leben oder Tod, sondern um viel mehr“, beschreibt Thomas Kefer aus Zellhausen den brennenden Ehrgeiz der ganz speziellen Truppe. Und der zahlt sich aus. Bei den Deutschen Sauna meisterschaften im vergangenen Juni gewann die Gruppe unter 80 Teilnehmern von zwölf möglichen Medaillen immerhin sechs. Silvia Pfuhl aus dem Rodgauer Stadtteil Weiskirchen ist mit zwei Minuten und 18 Sekunden Dritte der Weltmeisterschaften 2009, Internationaler Champion, unter den besten Fünf der Weltrangliste und deutsche Vizemeisterin.

Ritterin Beate Kopsick hat sich 2009 den Deutschen Meistertitel erschwitzt und ist obendrein Internationale Vizemeisterin. Mit Frank Böhm aus Mainflingen hat die Mannschaft einen weiteren Deutschen Vizemeister und Dritten der Internationalen Wertung in den eigenen Reihen.

Training für den „1. Saunaritter World Cup“

19 Sauna-Jünger aus Offenbach, Hainstadt, Mainhausen, Rodgau, Ober-Roden, Münster, Darmstadt, Frankfurt, Hanau und Obernburg gehören der bunt zusammengewürfelten Gemeinschaft inzwischen an; gegründet wurde sie im August 2008.

Derzeit wird im Training für den „1. Saunaritter World Cup“ am 14. und 15. Mai in der „Saunaburg“ geschwitzt, was die zwei Millionen menschlichen Schweißdrüsen hergeben. Auch der Weltmeister aus Finnland, Timo Kaukonen (er hält die Weltbestzeit mit 16 Minuten und 15 Sekunden), gibt sich in Ober-Roden dann wahrscheinlich die Ehre. Der ist „ein harter Brocken“, weiß „Saunaritter“ Edwin Köhler aus Offenbach-Bieber. Vielleicht liegt‘s daran, dass der Finne als Stahlkocher extreme Hitze gewöhnt ist. Auch gilt er als mental „unheimlich stark“. Trotzdem wird selbst Überflieger Kaukonen beim World Cup im Mai an seine Grenzen stoßen. „Der Ofen gewinnt immer“, sagt Köhler.

Quelle: op-online.de

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