Schienennetz leidet unter Finanznot

RMV-Chef: Bahn wird vernachlässigt

RMV-Geschäftsführer Knut Ringat

Offenbach - Hessen im Abseits: Der Bahnverkehr im Land leidet aus Sicht von Knut Ringat, Chef des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV), unter fehlenden Investitionen. „Es ist eine Katastrophe“, kritisierte er im Gespräch mit unserer Mediengruppe die Bundespolitik.

Im S-Bahn-Verkehr habe man zum Teil schon die Kapazitätsgrenze erreicht.

Ringat sieht die Bundesregierung in der Pflicht: „Wir müssen in Berlin ja immer wieder daran erinnern: Zwei Drittel des Güter- und Personenverkehrs führt durch Hessen. Dies wird bei den Investitionen aber nicht berücksichtigt.“ So könne Hessen bis 2015 lediglich mit 1,4 Prozent der Mittel, die für den Verkehrswegeausbauplan bereit stehen, rechnen. Damit könnten die Probleme mit den Nadelöhren, zum Beispiel auf den Strecken Fulda-Frankfurt und Darmstadt-Mannheim nicht gelöst werden. Der RMV-Geschäftsführer: „Niemand kann uns sagen, wann diese dringend benötigten Strecken ausgebaut werden.“

RMV-Chef beantwortet Leserfragen 

Der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrbundes (RMV) Knut Ringat beantwortet Fragen unserer Leser. Vor allem die Dreieichbahn und die Seniorenkarte beschäftigen die Menschen in der Region.

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Heftige Proteste kommen auch von Verbänden: Der Bahnverkehr in Deutschland leidet aus Sicht von Betreibern und Industrie unter eklatantem Geldmangel. Der Bund investiere von 2013 an rund vier Milliarden Euro ins Schienennetz, das seien 1,5 Milliarden zu wenig, sagte der Präsident des Verbands der Bahnindustrie (VDB), Michael Clausecker. Der Bundestag beriet am selben Tag über den Verkehrsetat des kommenden Jahres. Für Neu- und Ausbau des Gleisnetzes sollen demnach 1,45 Milliarden Euro fließen, 200 Millionen mehr als in diesem Jahr. Dies sei aber deutlich zu wenig, um dem wachsenden Personen- und Güterverkehr gewachsen zu sein, sagte Clausecker. Spanien und Großbritannien hätten im vergangenen Jahrzehnt etwa 10 Milliarden Euro jährlich für ihre Gleisnetze ausgegeben. Deutschland sei mit Netzinvestitionen von 53 Euro pro Jahr und Kopf „Schlusslicht in Europa“.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sieht in den Ballungszentren die Grenzen des öffentlichen Nahverkehrs erreicht. „Wir drohen in eine Abseitsfalle hineinzulaufen“, sagte VDV-Präsident Jürgen Fenske. In diesem Jahr werde voraussichtlich die Marke von zehn Milliarden Fahrgästen geknackt (2011: 9,74 Milliarden). Allein bei den S-, U- und Straßenbahnen gebe es einen Sanierungsbedarf von drei Milliarden Euro. Für den Bau neuer Strecken regte er an, die örtliche Wirtschaft an der Finanzierung zu beteiligen. Wenn etwa regionale Firmen von einer neuen Anbindung profitierten, könnten sie dazu bereit sein.

Das große Interview lesen Sie in der heutigen Samstagsausgabe der Offenbach-Post, Hanau-Post und Langener Zeitung auf Seite 3

psh/dpa

Quelle: op-online.de

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