„Jugend wird abgezockt“

RMV erhöht die Fahrpreise: 17 Prozent teurer in Hanau

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Hofheim/Frankfurt - Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) erhöht ab 15. Dezember wieder die Fahrpreise. Mit durchschnittlich 2,44 Prozent falle der Anstieg vergleichsweise gering aus, allerdings stiegen die Ticketpreise in den sieben Städten mit Sonderstatus stärker, so der RMV nach der Aufsichtsratssitzung in Hofheim.

In Hanau, Rüsselsheim, Bad Homburg, Fulda, Marburg, Gießen und Wetzlar kostet die Fahrkarte vom Winterfahrplan an 2,10 Euro, 30 Cent mehr als bisher. Der Preis für die Monatskarte steigt um 2,20 Euro auf 42 Euro. Weil das Angebot an Bussen und Bahnen in diesen Städten deutlich besser sei als auf dem Land, werde für sie eine Stadtpreisstufe eingeführt. Begründet wurde die Preisrunde mit gestiegenen Energie- und Personalkosten.

Pro Bahn kritisiert RMV-Fahrpreiserhöhung

Die Fahrpreiserhöhung des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) von durchschnittlich 2,44 Prozent zum Winterfahrplan ist nach Einschätzung des Fahrgastverbands Pro Bahn zu hoch. Hauptverantwortlich dafür sei angesichts der steigenden Kosten aber nicht der RMV, sondern die CDU/FDP-Landesregierung, sagte der Sprecher von Pro Bahn Hessen, Wilfried Staub, heute in Frankfurt. Die Koalition bezuschusse im Gegensatz zu anderen Bundesländern den laufenden Betrieb nicht.

Vor allem Jugendliche würden regelrecht abgezockt und damit zu Schwarzfahrern erzogen, erklärte Staub. Kinder und Jugendliche (bis 15 Jahre) müssten bei Einzelfahrten 60 Prozent des Erwachsenentarifs hinlegen, obwohl sie kein eigenes Einkommen haben. Zu hoch seien auch die Preiserhöhungen für das Seniorenticket von bis zu 3,3 Prozent, bei einer Rentenerhöhung von 0,25 Prozent, kritisierte der Pro-Bahn-Sprecher.

Preiserhöhung von 17 Prozent in Hanau

Mit durchschnittlich 2,44 Prozent teureren Tickets bewege sich der größte hessische Verkehrsverbund im Vergleich mit anderen Regionen Deutschlands zwar erfreulicherweise im unteren Drittel. „Die Teuerungsrate liegt dennoch weit über der Inflationsrate von derzeit 1,46 Prozent, die von Pro Bahn und dem Verkehrsclub Deutschland als vertretbare Anpassung gesehen wird“, sagte Straub.

In Einzelfällen lange der RMV zudem deutlich stärker zu, etwa in den sieben Städten mit Sonderstatus. Für Bad Homburg, Gießen und Rüsselsheim halte Pro Bahn dies auch für gerechtfertigt, da sonst „das hervorragende Angebot dort“ nicht dauerhaft aufrechterhalten werden könne. „Ob die Preiserhöhung von 17 Prozent auch im Falle Hanau gerechtfertigt ist, mag zumindest bezweifelt werden.“

Ob die Pendler auch in anderen Region Hessens künftig tiefer in die Tasche greifen müssen, ist noch offen: Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) entscheidet erst im September über neue Tarife.

Feldmann führt künftig den RMV-Aufsichtsrat

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ist in der gestrigen Sitzung des Aufsichtsrats des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) zum neuen Vorsitzenden des Gremiums gewählt worden. Er freue sich auf die neue Aufgabe, die er als Chance sehe, die richtigen Impulse zu setzen, erklärte der SPD-Politiker. „Mobilität ist ein wichtiger Standort-Faktor und der RMV trägt in erheblichem Maße dazu bei, die Menschen in Frankfurt-Rhein-Main mobil zu halten. Er bewegt täglich 2,5 Millionen Menschen und ich freue mich, daran mitwirken zu können“, so Feldmann. Er wolle als Vertreter Frankfurts stärker gestalterisch Einfluss nehmen.

Zu seinem Stellvertreter wurde ebenfalls mit den Stimmen aller der Landrat des Hochtaunuskreises, Ulrich Krebs (CDU) gewählt. Krebs gehört dem Aufsichtsrat des RMV seit 2006 an. Durch die Wahlen zum Vorsitz wurden zudem auch Neuwahlen für das Präsidium des Aufsichtsrates erforderlich. Darüber hinaus wurde Knut Ringat für weitere fünf Jahre zum Sprecher der Geschäftsführung des RMV bestellt. Ringat gehört seit April 2008 der Geschäftsführung an und ist seit September 2009 deren Sprecher. Der neue Aufsichtsrats-Vorsitzende Feldmann will nun einige Themen anstoßen.

„Mieter-Ticket“ als Pilotprojekt

Als erstes nannte er das „Mieter-Ticket“, das der RMV gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding demnächst aus der Taufe heben will und mit dem Mietern am Frankfurter Riedberg sowie an voraussichtlich ein bis zwei weiteren Standorten in einem Pilotprojekt ein günstiges Angebot für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gemacht wird. Der Aufsichtsrat beschloss gestern ferner eine Vereinfachung für Familien.

Künftig fällt die Unterscheidung zwischen eigenen und fremden Kindern sowie die Begrenzung der Anzahl von Kindern, die mitgenommen werden können, weg. Damit kann ein Erwachsener mit einer RMV-Monats- oder Jahreskarte nach 19 Uhr und am Wochenende einen weiteren Erwachsenen und beliebig viele Kinder bis 14 Jahre mitnehmen.

mic/dpa

Quelle: op-online.de

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