40 Prozent mehr Kontrolleure

RMV hat große Ziele für den Nahverkehr

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Große Pläne für Rhein-Main: Einiges ist schon auf den Weg gebracht worden. Die Umsetzung der Riesenprojekte kann aber noch Jahre dauern. (Bild vergrößern)

Offenbach/Frankfurt - Eigentlich sollte Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), recht zufrieden sein. Von Peter Schulte-Holtey

„2014 können die Fahrgäste die Ernte unserer neuen Verträge mit der Deutschen Bahn einfahren“, sagte er gestern bei einem Pressegespräch in Frankfurt. „Auf allen S-Bahnlinien sind bald nur noch komfortablere Fahrzeuge im Einsatz, ganz neu oder runderneuert, dazu mehr Sitzplätze und zusätzliche Sicherheitskräfte an Bord“, fügte er stolz hinzu. Tatsächlich schreitet die Modernisierung der S-Bahn-Flotte mit großen Schritten voran. Schon im Frühjahr sollen die ersten Bahnen vom Typ ET 430 auf der Linie 7 ins Ried und bei der Flughafen-Anbindung zum Einsatz kommen. Das Mehr an Fahrzeugen wird genutzt für zusätzliche Fahrten, um Takte zu verkürzen sowie für längere Züge, um den etwa 500.000 Fahrgästen, die täglich mit den S-Bahnen im RMV-Netz unterwegs sind, mehr Platz zur Verfügung zu stellen.

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Auch über die Qualitätsbewertungen durch die Kunden müssten sich die RMV-Verantwortlichen freuen. Erneut eine Note 2 gaben die Fahrgäste beim Thema Sauberkeit, sogar noch besser als 2 zum allgemeinen Zustand der Fahrzeuge (1,86, exakt wie im Vorjahr). Stabil gut auch das Sicherheitsgefühl (1,90 zu 1,88 im Jahr 2012). Bei der Fahrgastinformation urteilten die Kunden mit der Note 2,55 (2012: 2,49). Tatsächlich konnte einiges bewegt werden; An 242 (32 mehr als 2012) von insgesamt 384 Stationen sind inzwischen sogenannte Fahrgast-Informationsanzeiger installiert. Das Versprechen des RMV: „Wir arbeiten jetzt zusammen mit der Bahn an einem Projekt zur Verbesserung der akustischen Information über Störungsdauer und Fahralternativen. In diesem Bereich haben wir noch Nachholbedarf.“

Als pünktlich gilt ein Zug nach den Kriterien des RMV, wenn er nicht später als 5 Minuten und 59 Sekunden nach der fahrplanmäßigen Ankunftszeit ankommt. (Bild vergrößern)

„Doch es wurde auch Wasser in den Wein geschüttet“, meinte der RMV-Geschäftsführer. Bei der Pünktlichkeit war 2013 die Tendenz eher durchwachsen. Ringat sprach von Rückschlägen im regionalen Eisenbahnverkehr. „Dazu beigetragen haben neben Baustellen die heftigen Überschwemmungen in Teilen Deutschlands mit den damit verbundenen Umleitungen von Fernzügen sowie die Probleme im Mainzer Stellwerk.“ Besonders Letztere dürften vielen noch in unguter Erinnerung sein, da sie nicht nur die S 8, sondern auch die Linie 75 Wiesbaden-Mainz-Darmstadt direkt und sogar die Rheingau-Linie indirekt beeinflusst haben. Ringat ist aber zuversichtlich: „Gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen und der Bahn werden wir alles tun, die Tendenz wieder umzukehren.“

Dabei lenken die RMV-Verantwortlichen zugleich den Blick auf das für die Chefetage offensichtlich wichtigste Thema der nächsten Jahre, den „Großplan für den Ausbau des Nahverkehrs“. Die Fakten sprechen für dieses Anliegen: 2013 sind vom RMV 708 Millionen Fahrgäste transportiert worden, drei Millionen mehr als 2012; seit 2004 werden die S-Bahnen und Regionalzüge um bis zu 30 Prozent mehr frequentiert; allein auf den S-Bahnlinien S1 und S2 in den Rodgau werden täglich 40.000 Fahrgäste transportiert; bis 2020 rechnen die Verkehrsplaner im Ballungsraum und auf den Hauptachsen mit einem Anstieg um 20 Prozent. Das Problem: Der Verbund würde gerne das Angebot erweitern, aber es gibt riesige Hindernisse. „Die Auslastungsgrenze im RMV-System ist stellenweise längst erreicht - Möglichkeiten zur Optimierung - zum Beispiel im Fahrplan - haben wir weitgehend ausgeschöpft“, so Ringat.

Für ihn und die Verkehrsplaner steht fest: Da die Schienenwege im Bereich des Verkehrsverbunds völlig ausgelastet sind, kann es durchgreifende Verbesserungen und eine geringere Störanfälligkeit nur dann geben, wenn investiert wird - in Strecken wie die Nordmainische S-Bahn und in den viergleisigen Ausbau nach Bad Vilbel und Friedberg, aber auch in gezielte kleinere Maßnahmen des sogenannten S-Bahnplus-Programmes. Für diese und andere Vorhaben wie die Regionaltangente setzt sich der Verkehrsverbund seit Jahren vehement ein, derzeit vor allem mit dem neuen Regionalen Nahverkehrsplan, der vom Aufsichtsrat verabschiedet nun zur Genehmigung im hessischen Verkehrsministerium liegt. Ringats Arbeitsauftrag an den neuen Minister Tarek al Wazir: „Wir würden uns freuen, wenn wir möglichst bald nach dem Antritt der neuen Landesregierung gemeinsam unsere Projekte umsetzen könnten.“

Quelle: op-online.de

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