Verkehrsclub: RMV zu teuer, zu kompliziert

Offenbach (psh) - Zu teuer und zu kompliziert - so lautet das Urteil des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland (VCD) über den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV).

Das Preisniveau in der Kernzone des Rhein-Main-Gebiets liege etwa 25 bis 30 Prozent über dem vergleichbarer Verkehrsverbünde, kritisierte der VCD in Frankfurt. „Das Tarifsystem präsentiert sich immer noch kompliziert und unübersichtlich“, sagte VCD-Sprecher Holger Greiner. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bleibe beim größten hessischen Verkehrsverbund weitgehend unbefriedigend. Der Club hatte den RMV mit den Verkehrsverbünden in München, Hamburg, Rhein-Neckar, Rhein-Ruhr und Nürnberg verglichen.

Der Preis für die Kinderfahrkarte zum Beispiel sei mit 1,50 Euro im Stadtgebiet Frankfurt viel zu hoch, er steige von Tarifzone zu Tarifzone bis auf 8,10 Euro für das ganze RMV-Verbundgebiet. Im gesamten Münchner Verkehrs- und Tarifverbund koste das Kinderticket nur 1,20 Euro, im Großraum Hamburg sogar nur 1,00 Euro.

Öffentlichen Personennahverkehr attraktiver machen

Günstige Fahrpreise und ein durchschaubares Tarifsystem müssten den Öffentlichen Personennahverkehr attraktiver machen, forderte Greiner. Das werde mehr Menschen in Busse und Bahnen bringen und den Kostendeckungsgrad erhöhen. Erster Schritt zu einem Kurswechsel in der RMV-Preispolitik könne einer Gesamtnetzkarte sein, wie sie der benachbarte Verkehrsverbund Rhein-Neckar für 72,90 Euro im Monat anbietet.

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Mit RMV im Clinch

Kritik am RMV kommt auch von Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD). „Leider schrecken die Tarife nach wie vor viele Menschen ab“, sagte er und gab den Schwarzen Peter gleich an die Landesregierung weiter. Die beiden großen Verkehrsverbünde in Hessen, RMV und NVV in Kassel, haben laut Schneider „ab diesem Jahr mit massiven Kürzungen der Landesmittel um 20 Millionen Euro zu kämpfen, was sich natürlich in den RMV-Tarifen niederschlägt“. Dabei setzt sich das Stadtoberhaupt für einschneidende Maßnahmen ein. „Unsere städtische Rolle als ein Partner von vielen im RMV ist seit langem, dass wir eine neue Tarifstruktur fordern, die weg von der bestehenden Wabensystematik und hin zur entfernungsabhängigen Berechnung kommt. Dadurch könnte mehr Transparenz und Gerechtigkeit bei der Fahrpreisberechnung erreicht werden.“

RMV hält Preise für nicht zu hoch

Der RMV hält die Tarife trotz vielfältiger Kritik - auch aus den Städten im Rhein-Main-Gebiet - nicht für zu hoch. RMV-Sprecher Peter E. Vollmer auf Anfrage unserer Mediengruppe: „Der VCD pickt sich nur einzelne Aspekte aus der Studie heraus und verschleiert damit den Blick auf das Gesamte.“ Die Untersuchung zeige, dass die RMV-Preise „im Mittelfeld liegen“. „Jede Region kann ihr Geld nur einmal ausgeben. Wenn wir noch mehr Zuschüsse benötigten als die jetzigen rund 40 Prozent, könnte dieses Geld nicht in Schulen, Kinderbetreuung, soziale Einrichtungen und ähnliches investiert werden“, fügte Vollmer hinzu.

Quelle: op-online.de

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