„RMV-Tarifreform unvermeidlich“

Frankfurt ‐ Heftige Kritik an „zu hohen und unübersichtlichen Tarifen“ des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) kommt vom Landesverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Von Peter Schulte-Holtey

Ein Vergleich in 13 deutschen Großstädten belege, „dass sich die Fahrpreise weiterhin auf sehr hohem Niveau bewegen“, sagte Holger Greiner, Sprecher der VCD-Regionalgruppe Rhein-Main. „Die RMV-Tarife für Einzel- und Monatskarten im Stadtgebiet Frankfurt liegen auch im Jahr 2010 wieder im oberen Drittel“, berichtete er. Nur in Hamburg und Stuttgart zahle man mehr für einen Einzelfahrschein fürs gesamte Stadtgebiet als in Frankfurt. Wie in den Vorjahren habe Frankfurt auch die teuerste 9-Uhr-Monatskarte vorzuweisen. Innerhalb von fünf Jahren sei der Preis hier um etwa 20 Prozent gestiegen. Weiterhin halte die Rhein-Main-Metropole bundesweit mit 1,40 Euro den „traurigen Rekord“ bei Kinder-Einzelfahrscheinen. In Hannover und Stuttgart bezahlten Kinder dagegen 1,20 Euro, in Hamburg, Leipzig und Nürnberg sogar nur einen Euro. „Wenn man aber die Stadtgröße und die Nähe Frankfurts zu den Nachbarstädten und -gemeinden der Rhein-Main-Region in die Betrachtung einbezieht, fällt der Tarif-Vergleich noch wesentlich ungünstiger aus“, stellte Greiner fest.

S-Bahnen besonders störanfällig

Der Verkehrsclub hält das vergleichsweise hohe Preisniveau in der Stadt Frankfurt und ihrem Umland auch in Bezug auf die gebotenen Leistungen für unangemessen. Gerade die häufig genutzten S-Bahnen erwiesen sich immer wieder als besonders stör- und verspätungsanfällig. Im derzeit gültigen Tarifsystem gebe es zudem zahlreiche Ungereimtheiten und Ungerechtigkeiten: Für die gleiche Anzahl an zurückgelegten Streckenkilometern gebe es teilweise drastische Preisunterschiede.

Eine große Tarifreform beim RMV erscheint unvermeidlich“, sagte Greiner. Bei den Monats- und Jahreskarten könnten die gebotenen Leistungen problemlos ausgedehnt werden, ohne dass es zu besonderen Einnahmeverlusten für die Unternehmen käme. So biete der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr mit seinem Ticket 2000, abends und am Wochenende eine Gültigkeit im gesamten Verbund an. Für den Fahrgast würden so die Nutzungsmöglichkeiten der Zeitkarten im Freizeitverkehr stark verbessert.

Zahl der Fahrgäste und Einnahmen gestiegen

RMV-Sprecher Peter Vollmer verwies auf die „enorme Bedeutung“ der RMV-Finanzierung durch den Ticketverkauf. Mit der Zahl der Fahrgäste sind zuletzt auch die Einnahmen gestiegen, und zwar von 663 Millionen Euro im Jahr 2008 auf 682 Millionen. Dadurch konnte der Verbund seine Kostendeckung von 54 auf 57 Prozent steigern. Zu 43 Prozent beglich der Rhein-Main-Verkehrsverbund seine Ausgaben mit Geld, das er vom Bund und vom Land erhält. Bundesweit liegt der Kostendeckungsgrad bei den Verkehrsverbünden im Durchschnitt unter 40 Prozent.

Vollmers Rechnung: „Wenn die Ticketpreise um zehn Prozent gesenkt würden, müsste der Steuerzahler mit 60 Millionen Euro einspringen.“ In der Diskussion über Kinder- und Jugendtickets hob der RMV-Sprecher die Vorteile der Schülerjahreskarte Clever-Card hervor. Sie sei immer noch billiger als vergleichbare Angebote für die Zielgruppe im Jahr 2003.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare