„Rock meets Classic“ in der Frankfurter Jahrhunderthalle

Streicheleinheit für rebellische Seelen

+
Crossover mit Spaßfaktor: Dafür sorgte auch Metal-Queen Doro Pesch.

Frankfurt -  Nicht neu, aber erfolgreich: Die Idee, Rockmusik mit Unterstützung eines klassischen Orchesters auf die Bühne zu bringen, hat schon etliche interessante Interpretationen hervorgebracht. Von Markus Schaible 

Ein Projekt, das bereits seit einigen Jahren erfolgreich auf dieser Welle segelt, ist „Rock meets Classic“ unter der Regie des deutschen Hardrock-Urgesteins Mat Sinner. Der war zwar nie bei den ganz Großen der Zunft, ist aber in der zweiten Riege und auch hinter den Kulissen (Produktion etc. ) seit Jahrzehnten überaus produktiv. Die Früchte seiner Arbeit kann er nun ernten – und einem dankbaren Publikum in der Frankfurter Jahrhunderthalle große Künstler und besondere Momente liefern.

Falls irgendeiner noch Vorbehalte haben sollte, dass ein solch großes Orchester, wie es da auf der Bühne sitzt, den Rocksongs vielleicht ihre rebellische Seele nehmen könnte, wird schon beim ersten Stück eines besseren belehrt. Zugegeben: „Carry On Wayward Son“ von Kansas ist auch prädestiniert für eine bombastische Inszenierung. Mindestens genauso wichtig wie die Interpretation ist bei „Rock meets Classic“ aber ein anderer Aspekt: Auf der Bühne stehen nämlich immer Leute, die für die Stücke (mit) verantwortlich zeichnen. So folgen auf Sänger Steve Walsh (40 Jahre bei Kansas) gleich mal Pete Lincoln und Gründungsmitglied Andy Scott (The Sweet) und die deutsche Metal-Queen Doro, um Klassiker wie „Fox On The Run“ oder „All We Are“ rauszuhauen. Das reißt die Besucher aller (wirklich aller!) Altersstufen immer wieder von den Sitzen.

Dass bei solch einem Konzert Hit auf Hit folgt, ist klar. Stört es irgendwie, dass weder Scott Gorham noch Ricky Warwick Gründungsmitglieder von Thin Lizzy sind (wie auf der RmC-Internetseite vollmundig behauptet wird) und speziell Letzterer erst seit 2010 dabei ist, mit der Hochphase der Band von 1973 bis ‘83 also nun wirklich gar nichts zu tun hatte? Nein, Hauptsache, Stücke wie „Rosalie“ oder „Jailbreak“ knallen so richtig rein.

Auf den ersten Blick nicht so recht dazu zu passen scheint Midge Ure, der ja mit den New-Wave-Bands Visage und Ultravox seine größten Hits feierte, tatsächlich aber mit der Hardrockband Salvation (später Slik) seine Karriere startete und auch mal bei Thin Lizzy spielte. Aber auch da haben die Zuschauer keine Berührungsängste: Midge Ure wird bei „Dancing With Tears In My Eyes“ frenetisch bejubelt, ebenso wie bei der Wiedervereinigung mit Gorham („The Boys Are Back In Town“) oder aber einem ganz besonderen Moment: dem schottischen Zusammentreffen mit Dan McCafferty. Der einstige Nazareth-Sänger ist eine lebende Legende und auch, wenn man ihm das Alter schon deutlich anmerkt, sorgt er mit „Dream On“ und „Love Hurts“ für Gänsehautmomente.

Ein wenig reine Klassik gibt es auch, das Bohemian Symphony Orchestra aus Prag darf zwischendrin mal allein ran, aber im Mittelpunkt steht unzweifelhaft die Rockmusik in bombastischer Inszenierung: Feuer- und Rauchfontänen, Videoprojektionen und die aufwendige Lichtshow begeistern das Publikum, in dem vom Kutten- bis zum Anzugträger alles vorhanden ist. Genau wie auf der Bühne: von Doro in der Metal-Kluft bis Midge Ure mit Krawatte und Edelzwirn-Sakko.

Frankfurter Musikmesse 2016: Impressionen

Zum Finale packt Joey Tempest (Europe) dann noch die ganz großen Rock-Posen aus, „The Final Countdown“ eben. Selbst wenn an diesem Abend nicht alles musikalisch perfekt war und man einigen Protagonisten ihr Alter doch ziemlich anmerkt: „Rock meets Classic“ macht (auch unter nostalgischen Aspekten) einfach Spaß. Und darauf kommt es doch an.

Quelle: op-online.de

Kommentare