„Bembel-Town-Rollergirls“

Rollen und Kämpfen als „Cheeky Cherry“

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Ein „Bembel-Town-Rollergirl“ mit Helm, Schützern und vier Rollen.

Frankfurt - Blaue Flecken gibt es dazu: Bei der noch recht unbekannten Sportart Roller Derby ist richtig was los. Bereits drei Teams rollen mittlerweile in Hessen.

Auf der Rollschuhbahn geht es heiß her. Zehn Frauen in Netzstrumpfhosen, kurzen Shorts und engen Shirts rasen durch die Halle und schubsen, drängeln und drücken, was das Zeug hält. „Jammer!“, schreit plötzlich eins der Rollergirls auf Englisch und weist damit ihr Team auf eine gegnerische Fahrerin hin, die hinter dem „Pack“ (deutsch: Rudel) angesaust kommt. Nun gilt es, ein Durchkommen der Gegnerin zu verhindern und gleichzeitig der eigenen Jammerin den Weg durch den Pulk zu ermöglichen. Mit viel Körpereinsatz, wenn nötig.

„Oft wird das Roller Derby auf's Äußere der Spielerinnen reduziert. Es ist aber eine anspruchsvolle Sportart, bei der Kraft, Ausdauer und eine gute Taktik wichtig sind“, erklärt Michaela Lechner den Vollkontaktsport, dem sich die "Bembel Town Rollergirls" aus Frankfurt verschrieben haben.

Die Outfits sind nicht zu übersehen

Nicht zu übersehen sind in der Tat die auffälligen Outfits, ergänzt durch Helme, Hand-, Knie- und Ellenbogenschützer sowie einen individuellen Mundschutz. „Es ist ein Sport für jede Frau, egal ob mit oder ohne Rollschuherfahrung. Allzu zimperlich sollte man aber nicht sein, denn blaue Flecken sind an der Tagesordnung“, sagt Lechner, Kampfname „KampfLock E“. Sie erholt sich gerade von einer Bänderdehnung und erklärt: „Ohne Kampfnamen geht gar nichts, das gehört dazu.“

Und so tummeln sich auf der Bahn eine „Cheeky Cherry“ (freche Kirsche), eine „Nasty Nurse“ (böse Krankenschwester) oder auch der „Gigglin' Devil“ (kichernder Teufel). Zusammen mit einigen anderen Frauen hat Lechner im Februar 2011 in einer Kneipe in Frankfurt-Sachsenhausen das Team gegründet, dem rund 25 Frauen im Alter zwischen 19 und 43 Jahren angehören, und das mittlerweile auch Mitglied im Landessportbund ist.

Vierzig Seiten komplexe Regeln

Der Rollsport, der in den 1920er und 30er Jahren in den USA zunächst in Form von Ausdauerrennen betrieben wurde, verfügt inzwischen über ein vierzig Seiten starkes und sehr komplexes Regelwerk. Seine Hochzeit erlebte der Sport in Amerika in den 70er und 80er Jahren. „Danach war Roller Derby als Frauencatchen auf Rollen verschrien. Seit 2001 boomt es wieder“, erzählt Lechner.

In Deutschland gibt es über zwanzig Teams, drei davon in Hessen. Franz Rudolf Tham, Präsident des Hessischen Rollsport und Inline Verbandes (HRIV), sieht gute Entwicklungschancen: „So wie die Sportart sich darstellt und bereits organisiert ist, könnte es durchaus eine positive Entwicklung wie bei Inline- und Skaterhockey geben.“ Das Thema Roller Derby sei „vielversprechend“.

Zwei Teams auf flacher Rollbahn

Die Grundidee des Spiels: Auf einer flachen Rollbahn treten zwei Teams gegeneinander an. Jede Mannschaft stellt ein vierköpfiges „Pack“ mit sogenannten Blockern sowie je einen „Jammer“. Dieser muss das gegnerische Pack innerhalb von zwei Minuten so oft wie möglich überholen und dadurch Punkte sammeln. Und dabei geht es richtig eng, richtig hitzig und oft alles andere als zart zur Sache, denn die Blocker stellen sich den Jammern mit aller Kraft in den Weg.

„Ich mag das Tempo, die Power, den Zusammenhalt. Wir trainieren regelmäßig mit anderen Teams, spielen gegeneinander und feiern miteinander“, erzählt Nancy Hauck, die seit rund drei Monaten ein „Bembel Town Rollergirl“ ist. Auf Rollschuhen habe sie zuletzt als Kind gestanden, aber das erste Training habe sofort Spaß gemacht.

Drei bis vier Mal pro Woche jeweils drei Stunden Training

Dennoch ist nicht alles eitel Sonnenschein, denn die Rahmenbedingungen sind nicht gerade optimal. „Wenn man den Sport auf Wettkampfniveau betreiben will, muss man mindestens drei Stunden am Stück trainieren. Und das drei bis vier Mal pro Woche“, sagt Lechner. Den Frauen steht aber nur an einem Tag in der Woche für neunzig Minuten eine Schulsporthalle zur Verfügung.

Franz Rudolf Tham sieht darin ein generelles Problem, das viele Sportarten treffe. Auch wenn viele Böden für den Rollsport geeignet seien, müsse man am Ende auch „den Hausmeister überzeugen, dass seinem Hallenboden nichts Schlimmes passiert“, erklärt er und fügt hinzu: „Man bohrt hier mächtig dicke Bretter.“

dpa

Quelle: op-online.de

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