Stadt appelliert an Eigentümer

Roma-Siedlung zwischen Müllbergen im Gutleutviertel

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Auf einem Abbruchgelände in Frankfurt stehen die Roma Milan (Namen auf Wunsch geändert) und Drago vor ihrem Bretterverschlag. Insgesamt wohnen hier rund 30 Menschen aus Rumänien in provisorischen Hütten unter katastrophalen hygienischen Bedingungen.

Frankfurt - Auf einer privaten Industriebrache im Frankfurter Gutleutviertel campieren 30 bis 50 Rumänen. Die EU-Bürger hausen in rund zwölf provisorischen Hütten zwischen Müllbergen.

Rund 30 bis 50 Rumänen leben auf einer Industriebrache im Frankfurter Gutleutviertel. Die EU-Bürger wohnen in rund zwölf provisorischen Hütten zwischen Müllbergen. Toiletten gibt es auf dem seit mehreren Jahren nicht genutzten privaten Areal nicht. "Von dem Grundstück gehen ganz eindeutig Gefahren aus", sagt am Dienstag der ehemalige Leiter der Stabsstelle Sauberes Frankfurt, Peter Postleb, der die Zustände öffentlich gemacht hat. Der Wind könne die Hütten leicht umwehen, in denen die Menschen mit Gas kochten und heizten - und Lastwagen-Batterien zur Stromproduktion verwendeten. Außer Müll gebe es auch Lebensmittelreste und Fäkalien vor den "Holzverschlägen", das könne Ratten anziehen, heißt es bei der Stadt. Das Ordnungsamt will nach Darstellung der Bauaufsicht den Müll beseitigen und weitere Maßnahmen zur Beseitigung hygienischer Missstände prüfen. Rechtliche Schritte wie Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs, Einbruchs oder Schachbeschädigung müsse aber der Eigentümer prüfen. Er werde schriftlich deutlich dazu aufgefordert, seiner Verkehrssicherungspflicht auf dem Gelände nachzukommen.

Das Grundstück sei sicherlich einige Million Euro wert, eine richtige Umzäunung gebe es aber nicht, kritisierte Postleb. In der etwa zwei Meter hohen Mauer sind mehrere Metallgittertore eingelassen, mindestens eines ist offen. Leere Flaschen und Kabel sammeln, Kleider und Gebrauchsgegenstände auf dem Flohmarkt verkaufen - davon lebten die meisten Roma in der Siedlung, berichtet Rudi von der Helm, der auf eigene Initiative nach dem Rechten schaut, wie er sagt und übersetzt. Einige hätten auch einen Job. Einer der Bewohner ist der 22 Jahre alte Milan, der mit seiner Frau Alba seit etwa zwei Wochen in einer der Hütten lebt. Er sei in Deutschland geboren und immer wieder zwischen Deutschland und Rumänien hin und her gezogen, erzählt er auf Deutsch. Seine ein und sechs Jahre alten Söhnen lebten in Rumänien bei seiner Mutter.

"Ich will Arbeit", sagt der 22-Jährige, der zusammen mit seinem 43 Jahre alten Cousin Drago, einem Schneider, in das Lager gekommen ist. "In Rumänien gibt es keine Arbeit." Eine Alternative zu der Siedlung sehe er nicht. Ohne Arbeit finde er keine Wohnung und könne sie auch nicht bezahlen. "Ich kriege kein Kindergeld, nicht in Rumänien und nicht in Deutschland." Zum Duschen und Waschen gehe er in eine soziale Einrichtung in der Nähe des Hauptbahnhofs. Auf der Industriebrache hatten schon früher Rumänen provisorische Bleiben errichtet. 19 von ihnen mussten im März 2014 das Gelände verlassen, nachdem der Eigentümer sie mehrfach dazu aufgefordert hatte. Für die Menschen - darunter vier Frauen, eine im Alter von 65 Jahren - war eine Notunterkunft für zwei Wochen gefunden worden. Ansprüche auf Sozialleistungen hatten sie nicht. "Wir bezahlen ihnen dann höchstens noch eine Rückfahrkarte", hieß es im Sozialdezernat.

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dpa

Quelle: op-online.de

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