Pirouette trifft Streetdance

„Romeo and Juliet“ in der Alten Oper

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Getanzter Kampf zwischen den verfeindeten Familien Capulet und Montague

Frankfurt Eros und Thanatos - Liebe und Tod. Vivaldi und etwas Prokofjew. Lady Gaga, David Guetta und Sting. Nicht zu vergessen: viel Drama, Drama, Drama. Alles ohne Balkon, ohne ein gesprochenes Wort. Von Peter H. Müller

Mit einem wilden Mix aus Klassik, HipHop, Pop, Spitzentanz, Streetdance und Videokunst hat die US-Choreografin Adrienne Canterna . Shakespeares berühmte Lovestory „Romeo and Juliet“ ins 21. Jahrhundert gehievt.

Natürlich kommt einem bei dieser Inszenierung spontan so einiges bekannt vor. Man könnte sogar konstatieren: Diese „Romeo and Juliet“-Variation ist die Fortschreibung der Erfolgsproduktion „Rock The Ballet“. Nur eben nun mit einer stringent geknüpften, wirklichen Geschichte. So weit das ohne einen Dialog geht - in einem gewagten Tanz-Experiment, das stilistisch vieles vom dem zitiert, was Adrienne Canterna mit Ex-Partner Rasta Thomas und den „Bad Boys of Dance“ schon in der Vorgänger-Show präsentiert haben. War „Rock the Ballet“ dabei noch eher eine bunt collagierte Nummernrevue rund um das ewige Motiv Liebe, so setzt „Romeo and Juliet“ nun vollends auf Suggestion und ein emotional prall aufgeladenes Bewegungsvokabular, das Shakespeares ikonografisches Werk in die Sprache des „Pirouette trifft Modern Dance“-Crossovers übersetzen will. Die Grundthese hier wie dort: Ob beim poetischen Pas de deux oder im akrobatischen Streetdance-Modus, nichts bringt die wirklich ganz großen Gefühle - Liebe, Hass, Wut, Eifersucht, Verzweiflung - besser zum Ausdruck als der menschliche Körper.

Bei der Frankfurter Premiere der Show in der Alten Oper gibt es gleich zehn ausnehmend gut trainierte Körper (zwei Tänzerinnen und acht Tänzer) zu bewundern - in einem zwei Akte und 24 Szenen starken Stück, das einen Großteil seiner dichten Atmosphäre über das bis ins Detail stimmige Lichtdesign (Patrick Woodroffe/Roland Greil) und Joshua Hardys durch zwei Jahrhunderte mäandernde Videoprojektionen atmet. Pappmaché-Kulissen oder einen aufgemalten Illusions-Balkon braucht diese Bühnen-Adaption daher nicht.

Dafür gibt es Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ satt - als zentrales Thema, das mit einigen wenigen Versatzstücken aus Prokofjews ehrwürdiger Ballettsuite eine Art roten Erzählfaden knüpft. Dazwischen Songs von Katy Perry, Police, Run DMC, Electronic-Papst David Guetta oder auch den Righteous Brothers, was ziemlich harte Schnitte für die ohnehin lose gebundene Handlung bedeutet. Gut also, dass das hausgemachte Trauerspiel der blutig verfeindeten Veroneser Adels-Clans Montague und Capulet spätesten seit der „West Side Story“ überall bekannt sein dürfte. Im Telegramm: Erste große Liebe, widrige Umstände, monumentales Gefühlschaos, ein unseliges Missverständnis und diverse Tode.

Rocky Horror Show in der Alten Oper

Adrienne Canterna hat das Drama dabei konsequent als herzzerreißende Teenager-Tragödie in Szene gesetzt und neben ihren Protagonisten (Jordan Lombardi als Juliet, Preston Swovelin als Romeo) auch Julias Amme (herausragend: Jourdan Epstein), dem designierten Juliet-Gatten Graf Paris (James Boyd) und Pater Lorenzo (schön diabolisch: Jace Zeimantz) exponierte Rollen zugeteilt.

Das kaschiert allerdings nur ein wenig das Fehlen von Canterna selbst, die mit Ausdruck, famoser Körperspannung und ganz eigener Aura etwa die „Juliet“ der Londoner Europapremiere noch zum absoluten Fixpunkt des körpertheatralen Ganzen gemacht hatte - der Frankfurter Aufführung geht ihre Präsenz merklich ab. Immerhin: Nach dem nihilistischen Finale grüßt sie im Epilog noch mit verblüffend fröhlichem Gestus aus der Ferne - „Romeo and Juliet“, hat sie mal betont, ist für sie schließlich auch „ein optimistisches Stück“.

„Romeo and Juliet“ ist noch bis Sonntag, 30. August, in der Alten Oper zu sehen. Beginn jeweils um 20 Uhr, am Samstag zudem um 15.30 Uhr , am Sonntag nur um 15 Uhr

Quelle: op-online.de

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