Dramatische Teenager-Affäre

„Romeo and Juliet“ als Rock-Ballett in der Alten Oper

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Erfüllung eines Jugendtraums: Choreografin Adrienne Canterna (hier mit James Boyd) tanzt immer mal wieder die Rolle der Julia selbst.

Frankfurt - Die berühmteste Liebesgeschichte der Welt berührt seit jeher - ob als Theaterstück, als Ballett oder als Film. Nun kommt „Romeo and Juliet“ als Rock-Ballett auf die Bühne der Alten Oper. Von Christian Riethmüller 

Es ist die Erfüllung eines Teenager-Traums. Obwohl die Geschichte einer großen Liebe tödlich endet, denkt die 32-jährige Amerikanerin Adrienne Canterna noch immer begeistert an die erste Lektüre zurück. „Ich habe mich gleich in den Text verliebt, als ich ihn das erste Mal in der Schule las”, sagt die Balletttänzerin und Choreographin über William Shakespeares „Romeo and Juliet”. „Er berührte mich in einer Weise, die sich nicht beschreiben lässt. Wohl deshalb wollte ich immer die Juliet tanzen. Und als ich begann mich mit Choreographie zu beschäftigen, war ,Romeo and Juliet‘ natürlich die erste Geschichte, die ich mittels Tanz erzählen wollte”.

Mit diesem Gedanken trugen sich vor Canterna allerdings schon Generationen von Choreographen, darunter solche Legenden wie John Cranko, John Neumeier oder Rudolf Nureyev. Was sollte sie diesem Klassiker, dessen bekannteste Ballettversion untrennbar mit Sergej Prokofjews Ballettsuite op. 64 verknüpft ist, also noch Neues abgewinnen wollen?

„Die Perspektiven”, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung bestimmt. „Ich wollte einerseits als Frau auf die Geschichte schauen und sie andererseits aus dem Blickwinkel der Teenager sehen, die Romeo, Juliet und viele andere der Figuren ja sind. Das Aufbegehren der jungen Leute, ihre Leidenschaft, aber auch ihre Unvernunft bieten sich auf wunderbare Weise an, über die Körpersprache des Tanzes ausgedrückt zu werden.” Die Erwachsenenwelt bleibt bei dieser Sichtweise außen vor. Canterna hat die Rollen der Eltern und des Prinzen Escalus gestrichen.

Die Feindschaft der Veroneser Familien Montague und Capulet ist hier - so wie etwa in der „West Side Story” - auf zwei jugendliche Cliquen übertragen, deren Rivalität in einen blutigen Konflikt mündet. In dessen Mittelpunkt stehen mit Romeo und dem Grafen Paris die beiden Verehrer Julias. Weil sie die Rolle des Paris als wesentlich für Julias aufgewühlte Gefühlswelt sieht, hat Canterna die ursprüngliche Nebenfigur aufgewertet und gleichfalls ins Zentrum gerückt. Ebenfalls prominenter als in sonstigen „Romeo und Julia”-Adaptionen treten zudem Pater Lorenzo und Julias Amme in Erscheinung, die als väterliche bzw. mütterliche Figur gezeichnet sind.

Zehn Tänzer - acht Männer und zwei Frauen - bringt Canterna auf die Bühne. Die sollen nicht nur tanzen, sondern auch schauspielern und mit ihrer Körpersprache Emotionen vermitteln. Es wird viel gesprungen, manches athletische Kunststück gezeigt und Julia viel gehoben - Einlagen also, die ein spektakuläre Tanzeinlagen in Musikvideos gewöhntes Publikum ansprechen sollen.

„Es ist Shakespeare interpretiert durch Musik und Körpersprache, nicht durch klassisches Ballett”, sagt Canterna zu ihrer Choreographie, die auch bei der Musikauswahl den klassischen Weg verlässt. Wie schon bei „Rock the Ballet“, Canternas anderem gemeinsam mit ihrem früheren Lebensgefährten Rasta Thomas auf die Bühne gebrachten Showprojekt, kommen auch bei „Romeo and Juliet“ bekannte Pop- und Rocksongs wie „Edge Of Glory“ von Lady Gaga, „Walk This Way“ von Run DMC oder „Every Breath You Take“ von The Police zum Einsatz. Ganz von der klassischen Vorlage wollte sich Canterna aber auch nicht lösen.

Mireille Mathieu in der Alten Oper

Bedeutsame Szenen wie Julias erster Auftritt, Mercutios Tod oder die dramatischen Vorgänge in der Gruft werden auch in dieser Teenager-Version von den entsprechenden Passagen aus Prokofjews Ballettsuite untermalt. „Prokofjews wunderbare Musik ist hier nicht zu ersetzen“, sagt Canterna. „Für andere Szenen habe ich hingegen Musik gewählt, die – auch in den Texten – Teenagerträume ausdrückt oder auf die Geschichte verweist.“ Für die Erfüllung ihres eigenen Teenager-Traums braucht es dagegen keinen speziellen Song. Die Choreographin gönnt es sich nämlich immer mal wieder, die Rolle der Julia zu tanzen. „Romeo and Juliet“ ist vom 25. bis 30. August in der Alten Oper Frankfurt zu sehen.

Quelle: op-online.de

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