Rote Nasen auf Visite

+
Mit Blechdosen und jeder Menge Wortwitz bewaffnet schwärmen Klinikclowns und Lachwichtel in der kommenden Woche aus. Schirmherr ist Eckard von Hirschhausen (rechts).

Frankfurt/Rhein-Main - Lachen ist gesund, das weiß der Volksmund schon lange. Doch wie ernst kann man diese Aussage eigentlich nehmen? „Lachen ist die beste Medizin und hat eine heilende Wirkung“, betont Eckart von Hirschhausen. Der renommierte Entertainer im weißen Kittel weiß wovon er spricht. Von Jörn Polzin

Hirschhausen ist Arzt, Schrifsteller, Kabarettist und hat viele Jahre als Clowndoktor in Krankenhäusern gearbeitet. „Professionelle Clowns bringen Leichtigkeit, muntern kleine und große Patienten auf und stärken Hoffnung und Lebensmut“, sagt der 41-Jährige.

Gerne übernahm er daher in diesem Jahr die Schirmherrschaft für die Kinderhilfsaktion „Tag der Lachwichtel“, deren Erlös der von ihm gegründeten Stiftung „Humor Hilft heilen“ und damit den Klinikclowns zu Gute kommt. Auftakt für die „Lachwichtelwoche“ vom 11. bis 15 Mai, in der rund 10 000 Kinder bundesweit als „Lachwichtel“ verkleidet mit Spendendosen durch die Straßen ziehen werden, war ein Besuch in der Frankfurter Uni-Klinik.

Hirschhausen kam freilich nicht alleine. Im Schlepptau hatte der „witzigste Arzt Deutschlands“ die nicht minder lustigen Kollegen Dr. Schnick Schnack, Dr. Schlau Schlau und Dr. Olga. Gemeinsam mit den Eltern und Kindern des Familientreffs in Oberursel versammelte sich die Ärzte-Crew zunächst im Eingangsbereich - in passender Verkleidung. Im Koffer von Dr. Schnick Schnack befanden sich rote Nasen, Shirts und Trillerpfeifen.

Und es dauerte nicht lange, ehe die Spendendosen erste klackernde „Nahrung“ erhielten. Alles im Bild aufgefangen von den zahlreichen Kamerateams, die die Empfangshalle in ein kleines Sendezentrum verwandelten. Vom Medienrummel waren die Veranstalter sichtlich überrascht und am rotieren als es darum ging, die Journalisten auf die Zimmer der kranken Kinder zu verteilen.

Dort hatten sich in der Zwischenzeit auch die Clown-Doktoren für eine kleine Demonstration ihrer Improvisationskunst eingefunden. „Lachen ist für alle Menschen wichtig, auch oder vor allem gerade dann wenn es ihnen nicht gut geht“, erklärt Dr. Schnick Schnack. Die Arbeit der Klinikclowns, die allesamt eine halbjährige Ausbildung absolviert haben, kenne in puncto Fantasie und Kreativität keine Grenzen. Aber auch hier gilt: Weniger ist manchmal mehr. „Man kann zum Beispiel auch leise laut sein“, erklärt Schnick Schnack. Wie bitte? „Es reicht manchmal sich etwas Witziges vorzustellen, ohne es real zu erleben.“

Hirschhausen, der Clown-doktoren ausbildet, ergänzt: „Man muss immer sensibel und flexibel auf die jeweilige Situation reagieren können.“ Gerade bei chronisch erkrankten Menschen haben die Clowndoktoren als Bezugspersonen eine wichtige Funktion. „Diese Menschen brauchen etwas, das sie inspiriert“, betont Hirschhausen und spricht von einer „psychologischen Betreuung der etwas anderen Art.“

Am Beispiel der kranken Helen sieht man, wie schnell Kinder bei entsprechener „Behandlung“ aufblühen und von ihren Sorgen - zumindest vorübergehend - abgelenkt werden können. Während Dr. Schlau Schlau mit der Mundharmonika für einen entspannten akustischen Rahmen sorgt, geht Dr. Olga mit der Zweijährigen auf Tuchfühlung. Voller Elan und einem breiten Grinsen auf dem Gesicht versucht Helen die Seifenblasen einzufangen, die durch die Luft schweben. Der Zuspruch in diesen Minuten tut dem kleinen Mädchen gut. Auch Mutter Melanie ist von der Aktion begeistert, die in den vergangenen Jahren eine erfreulich hohe Summe einbrachte. So wurden seit 2004 bereits 450 000 Euro gesammelt. Klinik-Direktor Dr. Hans Böhles ist von der Resonanz begeistert. „Trauer mündet in Erkrankung, Freude hingegen in Genesung. Die Clowns sind ein wichtiger Bestandteil im Klinik-Alltag geworden.“

Quelle: op-online.de

Kommentare