Rückkehr der Natur

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Auswilderung mit sanfter Hand. Die Sumpfschildkröte kehrt in die Nidda zurück.

Bad Vilbel - Die kleine Sumpfschildkröte rudert leicht mit ihren Beinen. Sie ist nicht größer als der Handteller von Sybille Winkel. Vorsichtig hält die Biologin das Tierchen an die Wasseroberfläche der Nidda und lässt es sanft hineingleiten. Von Ingrid Zöllner

Sofort taucht die Schildkröte unter und verschwindet unter den Halmen.

Zoodirektor Manfred Niekisch und Matthias Kuprian von der Arbeitsgemeinschaft Sumpfschildkröte (rechts) erklären das Projekt.

Ihr folgen an diesem Tag 20 Artgenossen in das Flüsschen. Hinter dem Artenschutzprojekt steckt die „Arbeitsgemeinschaft (AG) Schildkröte“. Zum siebten Mal entlässt die AG in Hessen Jungtiere in die Wildnis. Der Ort der Auswilderung war dieses Mal das renaturierte Nidda-Knie, das hinter dem Golfplatz des Bad Vilbeler Stadtteils Dortelweil liegt. Seit 1999 bemüht sich die AG Sumpfschildkröte ehrenamtlich um den Erhalt der Tiere, die eine Zeitlang in Hessen als ausgestorben galten. „Wir hoffen, dass wir den Schildkröten eine Starthilfe geben können, sich hier wieder anzusiedeln“, sagte Matthias Kuprian von der AG. Mehr als 200 Tiere wurden über das Projekt nachgezüchtet. „Die Biotope dafür sind noch so gut beziehungsweise wieder so gut, dass wir diesen Schritt wagen können“, sagte Winkel. Die AG arbeitete mit Schildkröten-Experten und dem Frankfurter Zoo zusammen, der die Jungtiere züchtet und aufzieht. „Im Alter von drei bis vier Jahren sind sie kräftig und groß genug, um in der freien Natur überleben zu können“, erklärte Zoodirektor Manfred Niekisch.

400 Tiere sollen insgesamt ausgewildert werden

In diesem Jahr sollen noch 20 weitere Tiere ihren Rückweg in die Wildnis finden, Insgesamt 400 werden in den kommenden Jahren hessenweit in geeignete Lebensräume ausgesetzt. Die ersten der 400 Jungtiere seien schon vor wenigen Tagen geschlüpft, verriet Winkel. „In insgesamt 15 Gebieten in Hessen werden die Tiere ausgewildert“, sagte sie. Bis 2015 will die AG Sumpfschildkröte den Teil des Projektes abschließen. Die hessischen Sumpfschildkröten bilden einen Brückenkopf zwischen letzten Restbeständen in Brandenburg, Frankreich und Österreich.

Die Einwanderer reisten in Plastikeimern an.

Die erste Sumpfschildkröte ins Wasser setzen durfte Umwelt-Staatssekretär Mark Weinmeister. „Wir versuchen gut zu machen, was andere Generationen vor uns zerstört haben“, sagte er. Im Mittelalter wurde die Schildkröte zum Beispiel gern als Fastenspeise verzehrt. „Ob die Auswilderung von Erfolg gekrönt sein wird, werden wir erst in einigen Jahren sehen. Das ist eine spannende Frage“, sagte Weinmeister, ehe er das zappelnde Tier ins nasse Element setzte.

Für Zoodirektor Niekisch ist die Aktion ein wichtiges Symbol für Renaturierung: „Wir haben die Schildkröten jetzt ein paar Jahre groß gezogen. Es ist schön, sie nun in die Freiheit entlassen zu können.“ Die größte Gefahr für die Tiere in freier Natur besteht, wenn sie noch in den Eiern sind. Fressfeinde sind neben Vögeln und Fischen auch Wildschweine. Dass nicht die falsche Schildkrötenart heimisch wird, hat die AG, die sich nur durch Spenden finanziert, durch Gentests ausgeschlossen.

Mehr Infos zur Sumpfschildkröte und dem Artenschutzprojekt gibt es hier

Gewässerökologe Gottfried Lehr, der bei der Renaturierung der Nidda eingebunden war, sieht das Langzeitprojekt positiv: „Nach und nach erobert sich die Tierwelt an der Nidda ihren Lebensraum zurück.“ Vor 20 Jahren seien Reiher in der Gegend noch selten gewesen, inzwischen sei die Population stark angewachsen. Auch der Biber und die Meerforelle seien zurückgekehrt. Der über weite Strecken renaturierte Fluss verfüge über die Bedingungen, die eine Sumpfschildkröte brauche. Dazu gehören ruhige Altarme, warme Flachwasserzonen, offene, schütter bewachsene Ufer sowie Gehölze im Umfeld. Mehr Informationen zu dem Projekt unter

Quelle: op-online.de

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