Rückkehr der Wildkatzen

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Grafikkarte des Verbreitungsgebiets von Wildkatzen in Hessen

Frankfurt/Fulda - Sie ist so scheu, dass sie selbst von Experten selten erspäht wird. Doch in letzter Zeit wird die fast ausgerottete Wildkatze in Hessen wieder häufiger gesichtet. Von Jörn Perske (dpa)

Ihr Bestand ist nach Einschätzung von Fachleuten innerhalb von fünf Jahren um rund 100 Tiere gewachsen. Von einer sicheren Rückkehr der seltenen und streng geschützten Art kann nach Einschätzung von Tierschützern allerdings noch nicht gesprochen werden. „Felis silvestris“ schwebe vielmehr nach wie vor in großer Gefahr.

Der Frankfurter Biogeograf Eckhard Jedicke vom Verein RhönNatur schätzt die Zahl der Wildkatzen in Hessen auf mittlerweile 500. Vor etwa fünf Jahren waren es laut hessischem Umweltministerium nur 400 gewesen. Nach Angaben des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gibt es wenig belastbares Zahlenmaterial. „Aber auch wir können sagen: Es sind nicht weniger geworden“, bestätigte der stellvertretende BUND-Landesgeschäftsführer Thomas Norgall. Schätzungen gehen von von 1500 bis 3500 Wildkatzen in Deutschland aus.

Das größte Problem für die Wildkatze ist die immer intensivere Nutzung der Landschaft durch Verkehr, Siedlungen und Landwirtschaft. Wälder machen in Deutschland nur noch 30 Prozent der Fläche aus, sind aber das bevorzugte Lebensgebiet. Im Gras der Lichtungen finden die Katzen Mäuse, ihre Hauptnahrungsquelle. Auch Insekten, Eidechsen und kleine Vögel stehen auf ihrem Speiseplan.

Die Zersiedlung der Natur drängt die Tiere auf wenige Restlebensräume zurück, die noch dazu verstreut wie Inseln im Meer liegen. „Ohne Vernetzung ihrer Lebensräume und die Möglichkeit zur Ausbreitung haben Wildkatzen auf Dauer keine Überlebensmöglichkeit“, warnt BUND-Fachmann Norgall.

Mit der Lockstoffmethode den Tieren auf die Schliche kommen

Lange Zeit schlossen die Fachleute hauptsächlich von toten - oft überfahrenen - Tieren auf den Bestand. Seit 2007 sind die Wildkatzen-Forscher einen Schritt weiter. Mit der Lockstoff- Methode kommen sie den Tieren auf die Schliche: Holzpfosten werden mit Baldrian eingepinselt, der Duft zieht die Katzen an, und sie reiben sich an den Pflöcken. Die zurückbleibenden Haare werden im Labor überprüft und bestimmt. So kann ausgeschlossen werden, dass die Haare von verwilderten Hauskatzen stammen.

Mehr Informationen finden Sie im Netz auf der:

„Bund“-Internetseite 

 „Rhön im Fluß“- Internetseite

„Wildkatzen in der Rhön“-Internetseite

Rettungsnetz Wildkatze“-Internetseite.

Zu unterscheiden ist die europäische Wildkatze von der Hauskatze auf einen flüchtigen Blick nur schwer. Sie ist kaum größer als gewöhnliche Stubentiger und wiegt etwa fünf Kilo. Charakteristisch ist der buschige Schwanz mit seinen dunklen Ringen. Die Tiere werden sieben bis zehn Jahre alt. Um die Verbreitung der Wildkatze zu fördern, hat der BUND Ende 2007 begonnen, grüne Korridore aus Büschen und Bäumen anzulegen. Das Ziel: Wanderwege für Wildkatzen auf einer Gesamtlänge von 20.000 Kilometern.  Die größten hessischen Verbreitungsgebiete liegen im Taunus, in Nordosthessen, im Rothaargebirge, im Spessart und nun auch in der Rhön.

Quelle: op-online.de

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