Feuerwehr trainiert im Brandsimulator

Wand aus Flammen auf Knopfdruck

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Feuerwehrleute haben es immer weniger mit echten Bränden zu tun. Üben müssen sie in einem mobilen Brandsimulator.

Rüsselsheim - Ein Feuer zu löschen, verlangt Mut und Erfahrung. Doch viele Feuerwehrleute haben nur selten einen Brandeinsatz. Umso wichtiger sind Übungen in einem Simulator - absolut realitätsnah. Von Sophie Rohrmeier 

Die Luft ist knapp in dem dunklen, engen Raum. Orange-glühende Flammen schlagen die Wände hoch. Es riecht nach Gas. Ruß schwirrt schwarz durch die Luft. Es ist heiß. Sehr heiß. Feuer pulsiert über Andreas Löbigs und Nafie El-Hasnaouis Köpfe hinweg. Echte Brände erleben die zwei Einsatzkräfte der Feuerwehr Rüsselsheim selten. Deshalb üben sie in einem Simulator, der durchs ganze Land fährt. Denn im Ernstfall müssen sie die Flammen beherrschen.

„Das ist mal realistisch“, sagt der 20-jährige Nafie El-Hasnaoui. Wenn er sonst an der Wache trainiert, gibt es keine Flammen. Und auch in der Einsatzrealität kann er kaum Erfahrung sammeln, denn: „Feuerwehrleute haben nicht viele heiße Einsätze“, sagt der Leiter des Dezernats Brandschutz im Regierungspräsidium Gießen, Thomas Stumpf. Deshalb schickt das Innenministerium als Oberste Brandschutzbehörde des Landes seit 2004 alle paar Jahre eine Brandsimulationsanlage in alle hessischen Landkreise. Ein Angebot, das es in anderen Bundesländern so nicht gibt, wie eine Sprecherin des Deutschen Feuerwehrverbands sagt. In Hessen werden jedes Mal rund 8500 Rettungskräfte geschult, die als Atemschutzträger zugelassen sind. Bis 2015 werde das Ministerium eine Million Euro für diese „Heißausbildung“ zahlen, sagt Landesbranddirektor Harald Uschek. Gerade läuft die fünfte Tour.

Den 19 Tonnen schweren Simulator hat ein Feuerwehr-Ausstatter gebaut. In dem Container knien Löbig und El-Hasnaoui auf demStahlboden. Plötzlich schießen Flammen die Decke entlang. Die Hitze dort oben steigt auf 250 Grad Celsius. In einem Meter Höhe sind es rund 70 Grad. Löbig zieht den Löschschlauch von hinten heran, hebt ihn hoch und balanciert ihn über seinem Kopf. Beide sind geschützt durch ihre Anzüge, Atemmasken und Helme. Aber ihre Köpfe darunter sind hochrot.

Trainingscenter erfüllt Feuerwehrträume

Was die Übungsanlage simuliert, passiert auch bei einem Wohnungsbrand schlagartig: eine Rauchgas-Durchzündung. Alle brennbaren Oberflächen entzünden sich durch heißen Rauch zu einem Vollbrand. „Wenn Sie so ein Phänomen sehen, können Sie nicht lange überlegen. Sonst haben Sie richtig böse Verletzungen“, sagt Christian Schwarz, Ausbilder für Atemschutzträger von der Rüsselsheimer Feuerwache. „Es geht darum, Automatismen zu üben.“ Weil im Alltag die Erfahrung fehlt.

Dem Innenministerium zufolge ist die Zahl der Brände in Hessen in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt gleichgeblieben, rund 14 800 waren es pro Jahr. Viel öfter müssen die Feuerwehren zu technischen Hilfeleistungen ausrücken. Fehlalarme sind ebenfalls häufiger geworden. Schwarz beobachtet den nächsten Trupp. Vom Dach des fast 14 Meter langen Simulators führt ein Eingang über eine Treppe hinunter ins Innere des Containers. Zwei Männer in Montur gehen langsam ins Dunkle hinab - und auf Schwarz zu, ohne ihn zu sehen. Er sitzt verborgen im Innern, in der schmalen Kontrollkabine.

Durch drei Fenster aus hochwärmebeständigem Spezialglas blickt er in die Übungsräume. Dahinter ist fast nur Grau zu sehen. Ein Brand unter der Treppe, aus Propangas gespeist und auf Knopfdruck zu stoppen. Disko-Nebel statt giftigen Rauchs. Für die Feuerwehrleute bedeutet das Sicherheit. Aber auch, dass sie wie in einem echten Brand kaum etwas sehen. Schwarz kann ihr Vorgehen über Bildschirme prüfen. „Die Kräfte erzählen oft, dass sie völlig ausblenden, dass es eine Übung ist.“ Die zwei Feuerwehrmänner, die gerade gegen die Flammen an einer offenen Gasleitung und einem brennendem Sofa kämpfen, brüllen sich an. Die Schreie erreichen die Kabine gedämpft.

Übung in der Feuerhölle

Während sie im nachgebauten Schlafzimmer gegen das Feuer kämpfen, wird in der Kabine klar: „Jetzt haben sie einen Fehler gemacht.“ Schwarz’ Lippen werden etwas schmaler. Unter der Kellertreppe flackert es wieder. Die Männer hatten zuvor nicht gut genug gelöscht. „Es hat draußen schon Unfälle gegeben, wo es hinter einem Feuerwehrmann wieder angefangen hat zu brennen.“ Das bedeutet Lebensgefahr. Und der Trupp noch einen Fehler: Der Mann mit dem Löschrohr will die Kellertreppe wieder nach oben steigen. Sein Partner steht ungeschützt hinter ihm.

Aus den Fehlern lernen die Feuerwehrleute, und das Land verbessert die Ausbildung. Vor allem auf der Tour 2009 habe es Defizite gegeben im Verhalten der Einsatzkräfte, sagt Silvio Burlon, Direktor der Landesfeuerwehrschule (HLFS) in Kassel. Einige hätten sich verbrüht. Jetzt achten die Ausbilder stärker auf korrektes Anlegen der Montur. Der tourende Container habe die Einsätze sicherer gemacht, sagt Burlon. Das Risiko, dass völlig Unerfahrene in einen Brand gehen, sei nicht ausgeschlossen. „Aber es ist sehr klein.“

dpa

Quelle: op-online.de

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