Massenschlägerei unter Flüchtlingen

Gewalt in Unterkunft: CDU fordert Abschiebung

Kassel - Die streitenden Gruppen sind getrennt, es ist wieder ruhig in Calden. Doch wie kann die vielerorts immer wieder ausbrechende Gewalt in den überfüllten Asylunterkünften gestoppt werden? Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) schlägt eine grundlegende Lösung vor.

Nach der Massenschlägerei in einer Notunterkunft für Flüchtlinge im nordhessischen Calden ist wieder Ruhe eingekehrt. Die beiden streitenden Gruppen sind getrennt worden, wie die Polizei heute mitteilte. Rund 100 Pakistaner wurden mit Bussen in andere Unterkünfte gebracht. Wohin genau, sagte der Polizeisprecher nicht. Am gestrigen Sonntagabend hatten sich 300 Albaner mit 70 Pakistanern geprügelt. Sie schlugen unter anderem mit Stöcken aufeinander ein und versprühten Reizgas. Ein knappes Dutzend Flüchtlinge und drei Polizisten wurden bei den Auseinandersetzungen verletzt.

Bis zu 50 Polizisten waren gestern auf dem Gelände des alten Flughafens Kassel-Calden im Einsatz, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Das dauerte mehrere Stunden. Am Montag zog die die Polizei ihre Beamten wieder ab. Die Lage habe sich entspannt. Ausgelöst wurde der Gewaltausbruch laut Polizei am Sonntagmittag während der Essenausgabe in der Kantine, bei der es zu einer Rangelei zwischen zwei Bewohnern kam, die eskalierte und zu einer Prügelei zwischen jeweils rund 60 Menschen auf beiden Seiten führte. Die Polizei konnte die Lage zunächst beruhigen, am Abend verschärfte sich die Situation wieder. Diesmal hätten sich 70 Pakistaner und 300 Albaner gegenüber gestanden, sagte der Polizeisprecher. Aus beiden Gruppen sei Reizgas gesprüht worden.

In der Unterkunft auf dem Gelände des alten Flughafens Kassel-Calden sind nach Informationen der Polizei rund 1500 Flüchtlinge aus etwa 20 Nationen untergebracht. Erst vor zwei Wochen hatten sich dort mehrere Flüchtlinge gegenseitig mit Reizgas angegriffen. Rund 60 von ihnen, darunter auch Kinder, wurden verletzt. Einlasskontrollen wie in anderen Flüchtlingsunterkünften gibt es in Kassel-Calden nicht. Die beauftragte Sicherheitsfirma äußerte sich zunächst nicht zu den Vorfällen.

Nach Krawallen Polizeischutz für Flüchtlingsunterkunft

In den vergangenen Wochen ist es in überfüllten Asylantenunterkünften immer wieder zu Schlägereien unter Flüchtlingen gekommen, so in Ellwangen und Heidelberg in Baden-Württemberg, im thüringischen Suhl sowie in Leipzig, Dresden und Heidenau in Sachsen. Ausgangspunkt sind oft Streitereien um eher banale Ereignisse wie Vordrängeln in Warteschlangen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprach sich derweil für eine getrennte Unterbringung von Christen und Muslimen in den Flüchtlingsunterkünften aus. "Wir müssen alles tun, um weitere Gewaltausbrüche zu verhindern, eine getrennte Unterbringung auch nach den Religionen halte ich für absolut sinnvoll", sagte der Vize-Chef der Gewerkschaft, Jörg Radek.

"Wenn da 4000 Menschen in einem Heim sind, das eigentlich nur 750 Plätze hat, dann führt diese Enge zu Aggressionen, wo selbst eine Winzigkeit wie der Gang zur Toilette zu einer Handgreiflichkeit führt", meinte Radek. Weil sich die unterschiedlichen Gruppen solidarisierten, käme es vermehrt zu Massenschlägereien. "Da reicht es nicht, wenn wir einen Streifenwagen hinschicken, da sind dann bis zu 21 Streifenwagen im Einsatz." Radek forderte zudem mehr Bewachung der Heime durch private Sicherheitsdienste, um die Polizei zu entlasten. Allerdings müssten die Kommunen klare Standards setzen: "Die Sicherheitsleute müssen interkulturelle Kompetenz besitzen und die kulturellen Eigenarten der Heimbewohner kennen - sonst kann ihr Einsatz leicht zum Brandbeschleuniger werden."

Hessens CDU-Generalsekretär Manfred Pentz forderte wegen der Massenschlägerei eine Abschiebung der Verantwortlichen. Den Flüchtlingen werde viel Hilfe in Hessen angeboten, sagte Pentz heute in Wiesbaden. Es dürfe nicht sein, dass diese Hilfsbereitschaft und die Rechte im Land von Einzelnen mit Füßen getreten werden. Die Verantwortlichen für die Krawalle müssten schnell ins Visier genommen und dann in ihrer Herkunftsländer zurückgeführt werden. Nach Einschätzung des Generalsekretärs sind solche Vorkommnisse aber Einzelfälle und darauf zurückzuführen, dass in den Unterkünften viele Menschen nach großen Anstrengungen zusammenlebten. Kein Verständnis hätte er dafür, wenn sich Gruppen unterschiedlicher ethnischer Herkunft in den Unterkünften nicht zusammen an einen Tisch setzen wollten, sagte Pentz.

Die Auseinandersetzung in der Notunterkunft führt nach Angaben des hessischen Sozialministeriums zu Konsequenzen bei der Versorgung der Asylsuchenden. Nach dem Vorfall bei der Essensausgabe würden deeskalierende Maßnahmen geprüft, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums. Eine Möglichkeit sei, bei der Essensausgabe gruppenweise vorzugehen. Bei der Unterbringung der Flüchtlinge werde innerhalb der gemischt belegten Einrichtungen zwar versucht, weitestgehend auf die Trennung von ethnischen Gruppen zu achten, um Zwischenfälle zu vermeiden. In fast allen Einrichtungen gebe es mittlerweile auch Familienzelte oder Gebäude, die nur für Familien und Frauen vorgesehen sind. Bei den zunehmend steigenden Zahlen und den vielfach traumatisierten Menschen werde die Lage aber immer schwieriger. Aktuell befinden sich nach Angaben der Sprecherin 17.772 Personen in den hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen.

(dpa)

Quelle: op-online.de

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