Russisches Modell killt mit 220 Volt

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Der Tod für die Maus kommt auf verschiedenste Art und Weise - faszinierend findet der ehemalige Lehrer Reinhard Ewert alle. Seine Sammelleidenschaft für die Apparaturen hat ihm einen Fundus von rund 240 Fallen eingebracht.

Frankfurt/ Grünberg -  Erwürgen, erschlagen, vergiften und ertränken sind nur einige der Methoden, mit denen die Menschen im Laufe der Jahrhunderte den Mäusen zu Leibe rückten. Von Sonja Riedel (dpa)

Reinhard Ewert kennt sie alle: Der 64 Jahre alte ehemalige Deutschlehrer aus Grünberg bei Gießen sammelt seit 20 Jahren Mausefallen. Inzwischen besitzt er etwa 240 Stück. „Die Vielfalt der Fallen dokumentiert, dass die Menschen ein ernsthaftes Problem mit Mäusen hatten“, sagt er.

Zurzeit sind seine Stücke im Informationszentrum auf dem Hoherodskopf ausgestellt. Dort gibt es die unterschiedlichsten Fallen zu sehen: Von der harmlosen Lebendfalle, aus der der Fänger die Nager wieder in die Natur zurückbringen kann, bis zur 220 Volt Elektro-Falle aus Russland reicht die Bandbreite. „Das ist das Brutalste, was es gibt“, erklärt Ewert. Denn die Falle ist nicht nur für Mäuse gefährlich, wenn der Fallensteller nicht aufpasst und zum Beispiel mit den nackten Füßen eines der Kabel berührt, kann das auch für ihn tödlich ausgehen.

Klotzfallen aus dem 15. Jahrhundert

Ewert interessieren nicht nur die verschiedenen Fangarten, sondern vor allem der historische Hintergrund der Fallen. In seiner Sammlung gibt es auch sogenannte Klotzfallen, die schon im 15. Jahrhundert benutzt wurden. In einer solchen Apparatur werden die kleinen Nager mit einem Köder angelockt und durch das Fressen des Köders wird ein Klotz gelöst, der auf die Maus herunter fällt und sie zerquetscht.

Als diese Falle in Gang war, gab es nicht unbedingt mehr Mäuse, sondern mehr Lebensmittel, die am Haus lagerten“, erklärt Ewert. In der heutigen Zeit, in der Lebensmittel im Kühlschrank oder im Vorratsraum aufbewahrt werden, statt draußen am Haus, gebe es deshalb weniger Probleme mit den Nagern.

Eine Liste der besonders grausamen Fallen

Die Liste der besonders grausam aussehenden Fallen ist lang. So gibt es in Ewerts Sammlung zum Beispiel eine brasilianische Nagelfalle. Ein Nagelbrett fällt herunter und spießt die Maus auf. Sogenannte Klebefallen sehen zwar nicht grausam aus, sind es laut Ewert aber trotzdem. Hier kommt Superkleber zum Einsatz, der auf einen Untergrund gestrichen wird. „Die Mäuse verrecken, weil sie sich nicht mehr bewegen können“, erklärt Ewert.

Die Ausstellung ist bis zum 10. Oktober im Infozentrum auf dem Hoherodskopf zu sehen, danach werden die Fallen im Modellbahnhof Stockheim, Bahnhofstr. 51, 63695 Glauburg-Stockheim, Telefon 06041/ 4031 ausgestellt.

Seine ersten Fallen entdeckte der ehemalige Deutschlehrer in Scheunen und auf Dachböden alter Bauernhäuser im Vogelsberg. Seitdem ist er auch auf Flohmärkten und im Internet fündig geworden. Heute ist die Schlagbügelfalle am bekanntesten. Sie wurde laut Ewert 1887 in England patentiert und ist bis heute die klassische Mausefalle.

Luchs-Fangautomat odert doch die Katze?

Einen besonders ausgeklügelten Mechanismus besitzt der Luchs-Fangautomat. Die Maus geht auf eine Wippe, hinter ihr fällt ein Tor zu. Sie muss einen Schornstein hoch krabbeln, fällt in einen mit Wasser gefüllten Behälter und ertrinkt. „Das war eine der meisterverkauften Mausefallen“, sagt Ewert. Die Fallen wurden nach seinen Angaben bis zu den 1940er Jahren in Wiesbaden gefertigt. Der 64-Jährige braucht selbst keine Mausefallen und hat dafür eine einfache Erklärung: „Ich habe eine Katze zu Hause.“

Quelle: op-online.de

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