Nutzung des Behinderten-Rufs

Nach Knopfdruck bitte warten

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Ein Zug der Reihe ET 430.

Offenbach - Weitere Aufkleber sollen in den Zügen der S 1 die versehentliche Nutzung des Behinderten-Rufes eindämmen. Auch Schutzklappen sind im Gespräch. Von Christoph Zöllner 

Sie sind neu, sie sind modern, sie sind bequem. Doch die S-Bahn-Triebzüge der Baureihe ET 430, die seit Ende August zwischen Rödermark und Wiesbaden pendeln, bergen nach wie vor ein Problem: Ein für Behinderte gedachter Rufknopf wird so oft irrtümlich gedrückt, dass es im gesamten S-Bahn-Netz weiter zu großen Verspätungen kommt.

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Inzwischen hat der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) in allen Zügen unter den Knöpfen einen zusätzlichen Aufkleber anbringen lassen: „Bitte Knopf nur drücken, wenn Mobilität eingeschränkt.“ Der schwarzgelbe Sticker soll die missbräuchliche Nutzung weiter einschränken und ausschließen, dass damit Türen zu öffnen wären. Doch nach wie vor stehen die 3000 PS starken Fahrzeuge viel zu oft still: Wird der blaue Knopf mit dem Behinderten-Piktogramm gedrückt, muss der Fahrer kontrollieren, ob er etwa eine mobile Rampe für Hilfesuchende anbringen muss. Nach Angaben von Sven Hirschler, Pressesprecher des RMV, suchen Fachleute weiterhin fieberhaft nach Lösungen. Im Gespräch sei etwa, den Knopf mit einer Klappe zu versehen, die vor dem Drücken geöffnet werden muss. Zudem könnte die Druckstärke erhöht werden. Indes müssten diese Maßnahmen noch mit Fahrgast- und Behindertenverbänden abgesprochen werden.

Der Knopf des Anstoßes

„Wir haben den Knopf ja nicht über Nacht eingeführt“, sagt Hirschler. Über zwei Jahre seien etwa Form und Höhe des Knopfes mit Interessengruppen abgesprochen worden, so dass dieser problemlos in jedem Wagen für Behinderte erreichbar ist. Hirschler weist darauf hin, dass der Knopf des Anstoßes bereits in Regionalzügen und auf der S-Bahn-Linie 7 eingesetzt worden ist - ohne große Probleme. „Vielleicht liegt es daran, dass es bei der S 7 weniger Haltestationen und Fahrgäste gibt als bei der S 1“, sagt der Pressesprecher.

Ende der Woche sollen die neuesten Auswertungen vorliegen, wie sich die Verspätungen im Netz entwickelt haben. Hirschler räumt ein, dass die Pünktlichkeitsquote, die normalerweise bei 96 Prozent liegt, zuletzt an manchen Tagen auf 70 Prozent eingebrochen ist. Dabei ist zu beachten, dass eine S-Bahn beim RMV bis zu einer Verspätung von 5:59 Minuten als pünktlich aufgeführt wird. Kommt sie 15 Minuten später als geplant, gilt die Bahn als ausgefallen.

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Die Baureihe ET 430 ersetzt auf der Linie S 1 die älteren Züge vom Typ 423, der zukünftig in den S-Bahn-Teilnetzen S 2 und Gallus (S 3, S 4, S 5, S 6) zum Einsatz kommen wird. Insgesamt sind bereits 49 von 99 bei Bombardier bestellte ET 430 täglich im Einsatz. „Alles in allem handelt es sich um ein Auftragsvolumen von über 500 Millionen Euro, das der RMV bis Ende des Jahres in die Modernisierung seiner Fahrzeuge investiert“, so Hirschler.

Die Experten hoffen, das Knopfproblem doch noch lösen zu können, unter dem nicht nur die Fahrgäste der S 1 leiden. Ein verspäteter Zug zieht in dem engmaschigen Frankfurter Schnellbahnnetz rasch weitere Verspätungen nach sich. Sollten die Probleme nicht abzustellen sein, bliebe dem Verkehrsverbund und der Bahn, die die Züge im RMV-Auftrag betreibt, wohl nur noch die Notbremse: Sie müssten die blauen Knöpfe deaktivieren. Aber davon will der RMV derzeit noch nichts wissen.

Quelle: op-online.de

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