Radikalisiert und nach Syrien geschickt

Salafisten werben an Schulen um Nachwuchs

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Salafisten verteilen kostenlose Korane am Potsdamer Platz in Berlin.

Frankfurt - Etwa 30 hessische Jugendliche haben sich dieses Jahr dem Salafismus angeschlossen und sind prompt nach Syrien geflogen. Zum Missionieren zieht es die radikalen Islamisten zunehmend auf Schulhöfe in der Region.

Die radikalislamischen Salafisten verlegen sich bei der Rekrutierung von Nachwuchs zunehmend auf Schulhöfe. An sechs Frankfurter Schulen seien Anwerbeversuche beobachtet worden, sagte der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) am Freitag in Wiesbaden. An einer Berufsschule seien vier Schüler in kurzer Zeit radikalisiert worden und nach Syrien ausgereist. Dort wollten sie mutmaßlich auf islamistischer Seite im Bürgerkrieg kämpfen.

Bislang seien in diesem Jahr 23 Personen aus dem Rhein-Main-Gebiet in den Krieg gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gezogen, darunter neun Schüler. Vier der Ausgereisten waren noch minderjährig, auch drei Frauen zog es in den Krieg. Zwei Freiwillige seien vermutlich getötet worden. Für Hessen insgesamt nannte Rhein eine Zahl von 30 Ausreisen, für Deutschland seien es etwa 210.

Rhein: „Den Verführern das Handwerk legen“

Rhein kündigte ein koordiniertes Vorgehen von Sicherheitsbehörden und Schulen gegen die religiösen Fanatiker an, das sich an den Kampf gegen Rechtsextremisten anlehnt. „Langfristiges Ziel ist es, den Verführern das Handwerk zu legen“, sagte Rhein. Schulleiter sollten in den kommenden Tagen von Polizei oder Verfassungsschutz über die Gefahr informiert werden. Um Schüler, die sich radikalisieren, sollen sich Fallmanager des Netzwerks zur Gewaltprävention (VPN) kümmern.

Nötig sei auch ein Aussteigerprogramm aus der islamistischen Szene, sagte Rhein. Der Druck auf die Salafisten durch Vereinsverbote müsse verstärkt werden. Die Salafisten vertreten einen konservativen Islam, eine aus dem Wortlaut des Korans abgeleitete Lebensweise.

„Für die Eltern, die zurückbleiben, ist das eine sehr schwierige Situation“, sagte Rhein zu den Ausreisen. Einige Väter hätten versucht, ihre Söhne aus Syrien zurückzuholen. Andere hätten deren Pässe versteckt, um die Reise zu verhindern. „Bei drei Personen ist die Ausreise durch Meldung der Eltern an die Polizei verhindert worden.“

Großes Polizei-Aufgebot bei Salafisten-Versammlung

Großes Polizei-Aufgebot bei Salafisten-Versammlung

Die meisten der freiwilligen Gotteskrieger stammen aus türkischen, marokkanischen oder afghanischen Familien, die in zweiter oder dritter Generation in Deutschland leben. Bei den Schülern seien lange Fehlzeiten verzeichnet, die Älteren lebten meist von Sozialhilfe, ermittelte das Hessische Kompetenzzentrum gegen Extremismus (HKE). „Keiner hatte eine solide berufliche Basis.“

Drei Männer sind nach Rheins Angaben aus Syrien wieder nach Hessen zurückgekehrt. „Über die Motive kann man nur spekulieren.“ Sie würden überwacht. Es sei unklar, ob ihr islamistisches Weltbild durch die Erfahrung entzaubert worden sei oder ob sie noch tiefer darin verstrickt seien.

dpa

Quelle: op-online.de

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